Wirtschaft

USA gegen China

Warum der Wirtschaftskrieg noch hässlicher werden könnte

Im Konflikt zwischen China und den USA geht es nur oberflächlich um Agrarexporte oder den Konzern Huawei. Die Frage, wer künftig die wirtschaftliche Weltmacht Nummer eins ist, wird mit anderen Mitteln entschieden.

REUTERS/ Kevin Lamarque

Donald Trump und Xi Jinping: Waffen gezeigt

Eine Analyse von
Mittwoch, 07.08.2019   14:57 Uhr

Eigentlich ist Donald Trump viel zu spät dran. Sein Vorwurf, China halte seine Währung künstlich niedrig, wäre vor einigen Jahren ohne Zweifel richtig gewesen. Damals hat Peking den Kurs tatsächlich manipuliert, um seine Waren zu verbilligen und seine Exportwirtschaft zu stützen. Das hat die USA geärgert, weil es US-Produkte weniger wettbewerbsfähig machte.

Doch inzwischen verfolgt China ein anderes wirtschaftspolitisches Ziel, will sich weniger auf den Export als auf den Binnenkonsum stützen. Deshalb hat die Chinesische Volksbank den Wechselkurs zuletzt stärker vom Markt bestimmen lassen. Wenn sie intervenierte, hat sie den Yuan eher nach oben als nach unten gepusht. Also: Manipulation ja, aber in genau die Richtung, wie die USA es wünschten.

Das muss man wissen, um den Kursknick vom Montag richtig einordnen zu können. Da war die chinesische Währung unter eine wichtige Schwelle gerutscht: Erstmals seit 2008 musste man für einen Dollar mehr als sieben Yuan zahlen.

Vielleicht hat Chinas Notenbank dabei nachgeholfen, wie die USA es behaupten. Genauso ist es möglich, dass Marktbewegungen den Absturz verursacht haben, wie China es darstellt. Fest steht: Die Chinesische Zentralbank hat es jedenfalls nicht verhindert, dass der Yuan diese psychologisch wichtige Marke unterschreitet. Man kann das kaum anders lesen als ein Signal an Washington: Seht her, wenn wir wollen, können auch wir euch wehtun. Genau deshalb haben die Amerikaner so empfindlich reagiert.

Wenngleich die Chinesen ihre Waffen also eher einmal vorgezeigt als wirklich eingesetzt haben, ist die Gefahr eines Währungskriegs womöglich größer als je zuvor. Es würde der Logik der Eskalationsspirale entsprechen, die sich zwischen den beiden mächtigsten Ländern der Welt beunruhigend nach oben schraubt. Ein tragfähiger Kompromiss ist dabei kaum vorstellbar.

Im Konflikt zwischen China und den USA geht es letztlich eben nicht darum, wie viele Tonnen amerikanischer Sojabohnen die Chinesen kaufen oder ob die Regierung in Washington dem chinesischen Netzwerkausrüster Huawei ungehinderten Zugang zum Weltmarkt gewährt. Selbst wenn die Unterhändler sich irgendwann einmal über solche Streitpunkte einigen sollten, löst das nicht die dahinterliegende Grundsatzfrage: Wer wird auf mittlere Sicht Weltmacht Nummer eins sein? Denn genau darum geht es.

Chinas rasanter Aufstieg zur wirtschaftlichen Weltmacht

Die USA haben den Aufstieg Chinas lange beäugt - erst wohlwollend, dann mit wachsendem Unbehagen. Seit sich China ab 1978 an einer zunächst zaghaften wirtschaftlichen Öffnung versuchte, hat sich das jährliche Bruttoinlandsprodukt in etwa vervierzigfacht (die US-Wirtschaft ist heute knapp dreimal so groß wie damals).

Dieser Aufstieg Chinas gelang teils durch mutige Politik und den Fleiß der Arbeitnehmer, teils durch Industriespionage und unfaire Handelspraktiken, die übrigens nicht nur die USA beendet sehen wollen, sondern auch die EU und Deutschland.

2017 hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping eine "neue Ära" ausgerufen, in der sein Land seinen rechtmäßigen Platz in der Welt einnehmen solle. Das bedeutet: mindestens auf Augenhöhe mit den USA, die sich das wiederum nur ungern vorstellen mögen.

Bei der Frage, wer die dominierende Weltmacht sein wird, nutzen Mahnungen zur Zurückhaltung wenig. Nach einem militärischen Konflikt sieht es zwischen den USA und China bislang zum Glück nicht aus. Bis auf Weiteres bekämpft Trump Peking mit den Mitteln, die den USA dank ihres Handelsdefizits zufallen: 2018 kauften die Amerikaner in China Waren und Dienstleistungen im Wert von 557,9 Milliarden Dollar ein, die Chinesen in den USA nur für 179,3 Milliarden Dollar. Das bedeutet, dass die chinesische Wirtschaft weit stärker vom US-Markt abhängig ist als andersherum. Einen lediglich über Zölle ausgetragenen Konflikt gegen China kann Trump tatsächlich nicht verlieren.

In der vergangenen Woche haben beide Parteien erneut verhandelt. Wie so viele vor ihr endete die Runde ohne Lösung, aber auch ohne Eklat. Dennoch kündigte Trump an, künftig Strafzölle auch auf die chinesischen Lieferungen im Wert von 300 Milliarden Dollar zu verhängen, die bisher noch davon ausgenommen waren. So hat er China die letzte Illusion genommen, dass er seine Position der Stärke vielleicht doch nicht bis zum Äußersten ausnutzen würde.

Mehr zum Thema

Die Chinesen können es ihm nicht mit gleicher Münze zurückzahlen, haben aber jetzt mit dem Kursknick des Yuan daran erinnert, dass sie über einen anderen taktischen Vorteil verfügen: Anders als die unabhängige US-Zentralbank Fed untersteht die chinesische Notenbank ihrer Regierung, dem Staatsrat. Während Trump nur versuchen kann, seinen Notenbankchef mit wütenden Tweets auf seine Linie zu zwingen, stehen Xi direktere Wege der Einflussnahme zur Verfügung.

Am Währungskurs herumzufummeln, ist riskant, weil es unbeabsichtigte Konsequenzen nach sich ziehen und eine Abwertungsspirale in Gang setzen kann. Peking hat seine Macht jetzt einmal kurz aufblitzen lassen. Es war nur ein Warnschuss - und doch eine unmissverständliche Drohung, dass der Kampf der zwei Weltmächte noch sehr viel hässlicher werden könnte.

insgesamt 60 Beiträge
Tschepalu 07.08.2019
1. Nun...
man sollte den Handelkonflikt nicht überbewerten. Wie oft hatte Trump schon gedroht und dann doch wieder klein beigegeben. Und so wird es auch jetzt wieder kommen. Die Chinesen lassen sich eben nicht alles gefallen, bei aller [...]
man sollte den Handelkonflikt nicht überbewerten. Wie oft hatte Trump schon gedroht und dann doch wieder klein beigegeben. Und so wird es auch jetzt wieder kommen. Die Chinesen lassen sich eben nicht alles gefallen, bei aller Kritik an denen. Bald wird auch diese Krise wieder vorbei sein, Trump wird in die andere Richtung rudern und alles wird wieder gut, ganz sicher!
j-kla 07.08.2019
2. Da braucht man nicht rumdiskutieren
die USA haben für mich unter dieser Führung aber ganz besonders die Stellung als führende Weltmacht verloren. Wer sich nicht der Konkurrenz des Weltmarktes stellen kann und meint seine Wirtschaft durch protektionistische [...]
die USA haben für mich unter dieser Führung aber ganz besonders die Stellung als führende Weltmacht verloren. Wer sich nicht der Konkurrenz des Weltmarktes stellen kann und meint seine Wirtschaft durch protektionistische Massnahmen schützen zu müssen schwächt diese im Grunde nur auf lange Sicht, da dann die eigene Wirtschaft immer weniger konkurrenzfähig sein wird.
mimas101 07.08.2019
3. Hmm Tja
Weltmächte? China und die USA? Die USA waren mal der Primus Inter Pares des Westens und hielten diese Stellung auch nur dadurch das sie viele Auf- und Ausgaben übernahmen und als das Geld keine Rolle spielte - Militär & [...]
Weltmächte? China und die USA? Die USA waren mal der Primus Inter Pares des Westens und hielten diese Stellung auch nur dadurch das sie viele Auf- und Ausgaben übernahmen und als das Geld keine Rolle spielte - Militär & Co. Spätestens mit Obama änderten sich diese Zeiten und er fing an EWG-Land eher zu verselbständigen und damit Kosten zu drücken. Unter Trump ist in dieser Beziehung nur noch ein wirrer Isolationismus der USA erkennbar. China? Lebt vom Wissenstransfer und den ehedem billigen Löhnen, kommt noch hinzu das der ganze Wohlstand schuldenfinanziert ist. Auch eher höchst ungesund und was die neue Seidenstraße bringen wird ist auch noch höchst ungewiß. Auch ist der Trend erkennbar das europäische und deutsche Firmen wieder hierher immigrieren weil es mit China doch nicht so dolle ist. China wird also kaum Weltmacht werden und die USA werdens nicht mehr sein, da kann man Rußland zum Vorbild nehmen. Weltmächte werden nur noch die großen Wirtschaftsblöcke sein. Wer klug handelt und die Freihandelsregionen erweitert ist klar im Vorteil zumal noch hinzukommt das die Wirtschaftsblöcke in hohem Maße von einander unabhängig sind und die Bedürfnisse der Einwohner selbst befriedigen können.
dirkcoe 07.08.2019
4. Ich denke
das Trump dieser Auseinandersetzung mit China einfach intellektuell nicht gewachsen ist. Er sucht den schnellen Erfolg - China hat Zeit. Trump versucht es mit großen Sprüchen - China traktiert geschickt. Trump hat keine [...]
das Trump dieser Auseinandersetzung mit China einfach intellektuell nicht gewachsen ist. Er sucht den schnellen Erfolg - China hat Zeit. Trump versucht es mit großen Sprüchen - China traktiert geschickt. Trump hat keine qualifizierten Berater, oder hört ihnen nicht zu - China überlegt jeden Schritt sehr genau. Trump fehlten einfach Sachverstand und Vernunft um gewinnen zu können. Und natürlich hat er nicht die geringste Ahnung von der Mentalität der Chinesen.
dirk.resuehr 07.08.2019
5. Die Zukunft
spricht für China. Das hat nunmal 3x mehr Menschen, also Verbraucher. Da kann in die USA migrieren, wer will. reicht nicht. Und Chinesen haben kulturell viel mehr Geduld als die US- Amerikaner, die kaum Kultur haben, außer der [...]
spricht für China. Das hat nunmal 3x mehr Menschen, also Verbraucher. Da kann in die USA migrieren, wer will. reicht nicht. Und Chinesen haben kulturell viel mehr Geduld als die US- Amerikaner, die kaum Kultur haben, außer der importierten Kultur der abgehängten Europäer der letzten Jahrhunderte, Trump inkl.. Trump hat den kulturellen und intellektuellen Abstieg der USA eingeleutet, die Zeiten, dass sich die USA alles, was ihnen fehlt, Geist eingeschlossen, kaufen konnten, ist vorbei. Der wächst heute auf anderen Böden.

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP