Wirtschaft

US-Handelskonflikt mit China

Trump will Zölle ab Freitag mehr als verdoppeln

Die Gespräche laufen noch, doch der US-Präsident prescht vor: Donald Trump hat höhere Zölle auf chinesische Produkte angekündigt - auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Manuel Balce Ceneta/DPA

Sonntag, 05.05.2019   18:44 Uhr

Im Handelsstreit zwischen den USA und China zeigt Donald Trump erneut, wie wenig er von diplomatischer Geduld hält: In einer via Twitter verbreiteten Mitteilung beklagte der US-Präsident zu langsame Verhandlungen und kündigte für Freitag eine Erhöhung von Zöllen an.

Der Tarif für nicht zur Hochtechnologie zählende Güter soll demnach von bisher 10 auf dann 25 Prozent steigen. Dies werde einen Warenwert von 200 Milliarden Dollar betreffen.

Warenimporte im Wert von 325 Milliarden Dollar blieben zunächst frei von Sonderzöllen. Dies werde sich aber kurzfristig ändern, schrieb Trump weiter. "Der Handelsdeal mit China geht weiter, aber zu langsam, weil sie versuchen, nachzuverhandeln", erklärte er und fügte hinzu: "Nein!"

Stabschef hatte von nahender Streitbeilegung gesprochen

Trumps Wendung in den Verhandlungen kommt überraschend. Erst vergangenen Freitag hatte er erklärt, die Handelsgespräche würden "ziemlich gut" laufen. Zudem hatte sein Stabschef gesagt, der Handelskonflikt werde in den kommenden zwei Wochen beigelegt.

Die USA und China haben sich seit vergangenem Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet. Im Dezember hatten sich beide Seiten beim G20-Gipfel in Argentinien auf eine vorläufige Pause im Streit verständigt und beschlossen, Verhandlungen aufzunehmen. Für weitere Importe im Volumen von 50 Milliarden Dollar ist der Satz bereits bei 25 Prozent.

Die USA wollen bewirken, dass sich das US-Handelsdefizit verringert und fordern

Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, da dies den Wettbewerb verzerre.

US-Haushalt profitiert von Zolleinnahmen

Trump argumentierte, die in den vergangenen zehn Monaten erhobenen Zölle hätten zum Erfolg der US-Wirtschaft und zum Wachstum in den USA beigetragen. "Diese Zahlungen sind teilweise verantwortlich für unsere großartigen wirtschaftlichen Ergebnisse", schrieb der Präsident. Allerdings werden Einfuhrzölle in der Regel zunächst einmal vom Importeur bezahlt. Dieser kann sie über den Preis an die Verbraucher weitergeben oder auch versuchen, einen Ausgleich über günstigere Einkaufspreise zu erlangen - oder Einfuhren aus dem Land zurückfahren. Nur dann würde China belastet.

Für den US-Haushalt allerdings sind die Zölle eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Einnahmen seien im Oktober 2018 im Jahresvergleich um rund 40 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar gestiegen, berichteten die "New York Times".

Ob die Handelsgespräche in den nächsten Tagen - wie eigentlich vorgesehen - nun in Washington weitergehen, ist unklar. In weniger als zwei Wochen steht auch eine Entscheidung über mögliche Sonderzölle auf die Einfuhr von Autos und Autoteilen aus der EU an - dies könnte vor allem die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. Die EU versucht, ein Abkommen über Zollfreiheit bei allen Industrieprodukten, inklusive Autos, zu verhandeln.

yes/kko/dpa/Reuters

insgesamt 162 Beiträge
claus7447 05.05.2019
1. Mach ein Abkommen mit
Donald und wenn die Tinte trocken ist gilt es nicht mehr. Nun, es werden harte Zeiten auf die US Industrie zukommen. Wenn die nabelschnur ihrer chinawerke nicht mehr funktioniert und teuer wird... ok, Donald ist ja [...]
Donald und wenn die Tinte trocken ist gilt es nicht mehr. Nun, es werden harte Zeiten auf die US Industrie zukommen. Wenn die nabelschnur ihrer chinawerke nicht mehr funktioniert und teuer wird... ok, Donald ist ja wirtschaftsfachmann, da kann man ihm vertrauen:-)
Freidenker10 05.05.2019
2.
Einen westlichen Politiker der handelt sind die Chinesen nicht gewohnt. Normalerweise werden still und leise die Menschenrechte angesprochen und dann gehts zum Geschäftlichen und hierbei sitzen die Chinesen meist am längeren [...]
Einen westlichen Politiker der handelt sind die Chinesen nicht gewohnt. Normalerweise werden still und leise die Menschenrechte angesprochen und dann gehts zum Geschäftlichen und hierbei sitzen die Chinesen meist am längeren Hebel. Ich finde es gut wenn denen mal eine Kontra gibt, die unseren wären dazu absolut nicht fähig...!
quark2@mailinator.com 05.05.2019
3.
Immer wenn ich was über derartige Tweets lese, kommen mir die Worte "Emser Depesche" in den Kopf. Ich finde, Twitter sollte Politikern generell die Nutzung der Plattform verbieten, um spontane Eskalationen zu [...]
Immer wenn ich was über derartige Tweets lese, kommen mir die Worte "Emser Depesche" in den Kopf. Ich finde, Twitter sollte Politikern generell die Nutzung der Plattform verbieten, um spontane Eskalationen zu vermeinden. Was nun die US-Zölle angeht ... schon faszinierend, wie ausgerechnet das Land, das über Jahrzehnte die Abschaffung der Zollschranken gefordert hat, nun selbst die Wände wieder hochzieht. Niedrige Zölle sind immer ganz toll, wenn man selbst die besseren und preiswerteren Produkte hat. Protektionismus zum Schutz der eigenen Wirtschaft braucht man nur, wenn man nicht wettbewerbsfähig ist. Und wenn ich mir so ansehe, wo auf der Welt die Wolkenkratzer gebaut werden ... Wir sitzen auf einem morschen Ast.
j.w.pepper 05.05.2019
4. Wie üblich...
...verbreitet Trump mal wieder Lügen und sonstigen Blödsinn. Die Zölle zahlt mitnichten China, sondern die amerikanischen Importeure, und die geben sie auf den weiteren Ebenen weiter. Es mag sein, dass sich dadurch nach und [...]
...verbreitet Trump mal wieder Lügen und sonstigen Blödsinn. Die Zölle zahlt mitnichten China, sondern die amerikanischen Importeure, und die geben sie auf den weiteren Ebenen weiter. Es mag sein, dass sich dadurch nach und nach die Kunden von chinesischen Produkten abwenden - was inzwischen vielfach kaum noch möglich sein dürfte, weil die USA keine eigenen Produkte dieser Art mehr herstellen. Aber jedenfalls sind es die US-Verbraucher, die die durch die Zölle erhöhten Preise zahlen, und nicht die chinesischen Exporteure.
palef 05.05.2019
5. ...auch als Vereinigte Staaten kann man eine Menge aushalten...
...aber nicht alles...Du kannst dem Iran drohen, Nordkorea, China, der EU, Mittelamerika, dem Nahen Osten außer Israel, Russland...dazu noch Kalifornien und weiteren 'Abtrünnigen'.... Dann gibt's halt nicht mehr viel...
...aber nicht alles...Du kannst dem Iran drohen, Nordkorea, China, der EU, Mittelamerika, dem Nahen Osten außer Israel, Russland...dazu noch Kalifornien und weiteren 'Abtrünnigen'.... Dann gibt's halt nicht mehr viel...

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP