Wirtschaft

Ver.di-Chef Bsirske

Zwei Finger für ein Halleluja

Frank Bsirske sorgt für Aufregung: Der Chef der Gewerkschaft Ver.di zeigte auf einer Massendemo den doppelten Stinkefinger - und wirft damit viele Fragen auf. Darf er das? Und wen wollte er beleidigen?

dapd

Ver.di-Chef Bsirske: Mehr hat er einfach nicht

Montag, 15.11.2010   14:59 Uhr

Hamburg - Je brachialer, desto besser. Bud Spencer ("Vier Fäuste für ein Halleluja") zeigte mit seinen Händen, was er von seinen Widersachern hält. Frank Bsirske tut es auch. Allerdings wählt er die Finger. Die Mittelfinger. Alle beide. Mehr hat er einfach nicht.

Es ist dieses "Zwei Finger für ein Halleluja"-Foto des Ver.di-Chefs, aufgenommen am Wochenende in der Dortmunder Westfallenhalle, das für Aufregung sorgt. Weil man so etwas noch nicht gesehen hat. Vor allem nicht bei einem Gewerkschaftschef.

Finger haben schon andere gezeigt: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann präsentierte im Mannesmann-Prozess das Victory-Zeichen. Diese Szene ist bis heute unvergessen. Stefan Effenberg streckte 1994 pfeifenden Fußballfans den ausgestreckten Mittelfinger entgegen - und flog bei der Fußball-WM aus dem Team.

Was sollte also Bsirskes Geste? Und: Wen wollte der Boss der einflussreichen Dienstleistungsgewerkschaft beleidigen?

Naheliegend ist, dass sein Fingerzeig an die Bundesregierung gerichtet war. Mit deren Politik kann die Gewerkschaft nichts anfangen. Sparkurs, Rente mit 67, der Umgang mit der Bankenszene - all das passt Bsirske und seinen Mitstreitern nicht. Den Auftritt vor 14.000 Gewerkschaftern nutzte der Arbeitnehmerboss auch für eine Art Abrechnung mit der Regierung Merkel. "Unten belasten und oben entlasten - das ist der falsche Weg", schimpfte er.

Es war nicht das erste Mal, dass der Ver.di-Chef seinen Stinkefinger rausholte

Ver.di erklärte auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage, Bsirskes Geste sei nicht gegen Berlin gerichtet. "Das ist Unsinn." Bsirske habe über die Rente gesprochen, als die Gefühle ihn übermannten. Es ging um Arbeitnehmer, die ein Leben lang schuften müssten, um im Alter auf Hartz-IV-Niveau leben zu können. Dies habe der Gewerkschaftschef mit den Pensionsansprüchen von Axel Wieandt verglichen, dem Ex-Manager der verstaatlichten Immobilienbank HRE, der ab seinem 60. Lebensjahr Ansprüche auf 20.000 Euro monatlich hat - nach 18 Monaten Arbeit bei der Skandalbank.

"Dieses Thema ärgert Frank Bsirske so sehr, dass er sich da schon einmal in Rage redet", sagt der Sprecher. Genau an dieser Stelle habe er seine Finger gezeigt. Zum wiederholten Mal übrigens, wie der Sprecher sagte. Beim ersten Mal sprach Bsirske vor 5000 Angestellten des Öffentlichen Dienstes in Hannover. Aber: Da waren keine Fotografen dabei.

Bewegt hat Öffentlichkeitsprofi Bsirske in Dortmund auf jeden Fall eines: Die 14.000 Zuhörer jubelten ihm zu.

yes

insgesamt 145 Beiträge
frubi 15.11.2010
1. .
2 Finger sollen aufregend sein? Da kenn ich einige Dinge die von der Bundesregierung verabschiedet wurden die wesentlich mehr Grund zur Aufregung in sich bergen. Ich mag solche rustikalen Aktionen. Weg von der Nettiquette, hin [...]
Zitat von sysopFrank Bsirske sorgt für*Aufregung: Der Chef der Gewerkschaft Ver.di zeigte auf einer Massendemo den doppelten Stinkefinger - und wirft damit viele Fragen auf. Darf er das? Und wen*wollte er*beleidigen? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729169,00.html
2 Finger sollen aufregend sein? Da kenn ich einige Dinge die von der Bundesregierung verabschiedet wurden die wesentlich mehr Grund zur Aufregung in sich bergen. Ich mag solche rustikalen Aktionen. Weg von der Nettiquette, hin zum Pöbel.
titurel 15.11.2010
2. Populistisch
Wirkt auf mich alles sehr populistisch. Und übrigens: Wie hoch ist wohl das Einkommen von Herrn B.? Und wie hoch mal seine Rente / Pension? Aber OK, wer's glaubt, soll ihm zujubeln.
Wirkt auf mich alles sehr populistisch. Und übrigens: Wie hoch ist wohl das Einkommen von Herrn B.? Und wie hoch mal seine Rente / Pension? Aber OK, wer's glaubt, soll ihm zujubeln.
wiegehtsweiter 15.11.2010
3. Vielleicht nicht die feine Art...
vielleicht wird es aber mal Zeit, daß jemand ganz klar macht, das es so wie jetzt nicht mehr lange gehen wird, ja gehen kann. Die Gewerkschaften haben eh einiges nachzuholen, wenn es um die Vertretung der Interessen des [...]
vielleicht wird es aber mal Zeit, daß jemand ganz klar macht, das es so wie jetzt nicht mehr lange gehen wird, ja gehen kann. Die Gewerkschaften haben eh einiges nachzuholen, wenn es um die Vertretung der Interessen des "kleinen" Mannes geht. Vielleicht können die den Sturm noch kanalisieren. Wenn sie mal aufhören, selber die Hände aufzuhalten und Posten zu schachern.
wendriner01 15.11.2010
4. Bild-Niveau
Und wieder einmal: SPON auf dem Niveau der Blöd-Zeitung. Wer soll denn hier entscheiden, ob "der" das darf. Spielt das ein Rolle? Nein! Was zählt, ist einzig die Empörung über 20.000 EUR monatliche Pension für einen [...]
Und wieder einmal: SPON auf dem Niveau der Blöd-Zeitung. Wer soll denn hier entscheiden, ob "der" das darf. Spielt das ein Rolle? Nein! Was zählt, ist einzig die Empörung über 20.000 EUR monatliche Pension für einen Versager. Wie man dieser Empörung Ausdruck verleiht tut nichts zur Sache. Wichtig ist lediglich, DASS man der Empörung Ausdruck verleiht!
gspotwagner 15.11.2010
5. Hannoveranischer Rock n Roll
Let´s get evil. Er ist halt ein alter Rock n Roller. Typisch für eine deutsche Gewerkschaft. Und furchteinfloessend. Mal gucken was die Granden von der IG Metall aus dem Zylinder zaubern. Jack Hammer Rape. Yeah.
Let´s get evil. Er ist halt ein alter Rock n Roller. Typisch für eine deutsche Gewerkschaft. Und furchteinfloessend. Mal gucken was die Granden von der IG Metall aus dem Zylinder zaubern. Jack Hammer Rape. Yeah.

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