Wirtschaft

Finanzielle Lage der Deutschen

Der große Graben

Die Bundesbürger sind laut einer aktuellen Umfrage zufrieden mit ihrer finanziellen Lage. Nur eine Gruppe fällt dabei deutlich ab: Die Landbevölkerung fühlt sich beim Geld häufig abgehängt.

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Dienstag, 29.10.2019   06:34 Uhr

Die Weltpolitik in Turbulenzen, die deutsche Wirtschaft vermutlich in der Rezession - doch was die eigenen Finanzen angeht, sind die Deutschen immer noch zufrieden. Das geht aus einer neuen Umfrage im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) hervor, deren Ergebnisse an diesem Dienstag in Berlin vorgestellt werden. Demnach schätzen 43 Prozent der Befragten ihre Lage als "gut" oder "sehr gut" ein, nur 18 Prozent antworteten mit "schlecht" oder "eher schlecht".

Für die Umfrage "Vermögensbarometer 2019: Die Deutschen und ihr Geld" hat das Meinungsforschungsunternehmen Kantar Added Value von Mai bis Juni dieses Jahres 1000 Menschen telefonisch und 4806 Menschen online befragt.

Demnach hat sich der Anteil der positiven Antworten auf die Frage nach der persönlichen Finanzlage seit der ersten Umfrage dieser Art im Jahr 2005 mehr als verdoppelt und ist auch in den vergangenen drei Jahren noch einmal deutlich gestiegen. Doch dieser Rückblick ist wegen einer methodischen Umstellung mit Vorsicht zu verwenden: Die Ergebnisse aus den vergangenen Jahren, die nur telefonisch erhoben worden waren, wurden auf Basis der neuen Online-Umfragewerte umgerechnet, um sie vergleichbar zu machen.

Interessante Erkenntnisse liefert eine andere Neuerung: Die Forscher haben die Antworten dieses Jahr erstmals auch nach Wohnlage aufgeschlüsselt, in die vier Kategorien "Innenstadt", "Vorstadt", "ländlich, aber in Stadtnähe" sowie "ländlich, weit ab von der Stadt".

Während in den städtischen oder stadtnahen Wohnlagen sich alle Befragten ähnlich zufrieden mit der persönlichen finanziellen Situation zeigten, sieht es auf dem Land offenbar deutlich anders aus: Dort beurteilten nur 31 Prozent die eigene Lage als "gut" oder "sehr gut". Knapp jeder vierte dort sieht seine Finanzen dagegen als "eher schlecht" oder "schlecht" an.

Bei der Frage nach der finanziellen Lage lässt sich zudem auch ein kleines West-Ost-Gefälle beobachten: Den geringsten Anteil an "gut"- oder "sehr gut"-Antworten haben die Bundesländer Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit jeweils 38 Prozent - also 5 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt.

Damit gibt die Umfrage der Diskussion über gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Ost und West sowie zwischen Stadt und Land neue Nahrung. In vielen ländlichen Regionen, gerade im Osten Deutschlands, sieht sich ein Teil der Menschen abgehängt. Ob dies vor allem ein Gefühl ist oder ob sie wirklich materiell schlechter gestellt sind, ist dabei oft schwer zu beantworten.

Immer mehr Menschen wollen eine Immobilie

Auch ein anderer deutscher Trend scheint sich indes fortzusetzen: der Immobilienboom. Unter den Befragten zwischen 20 und 50 Jahren plant fast jeder Dritte (31 Prozent) den Erwerb einer Immobilie. Der Anteil ist damit noch einmal etwas höher als im vergangenen Jahr. In der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen gibt mittlerweile jeder zweite Befragte an, eine Immobilie kaufen zu wollen.

Wahrscheinlich wäre die Zahl derjenigen, die eine Wohnung oder ein Haus kaufen wollen noch größer, wenn sich die Kosten dafür in den vergangenen Jahren nicht so deutlich erhöht hätten.

Die Meinungsforscher haben in der relevanten Zielgruppe der 20- bis 50-Jährigen all jene, die keinen Immobilienkauf planen, zu den Gründen dafür befragt. Rund die Hälfte gab an, sie hätten nicht genügend Eigenkapital. Weitere 22 Prozent hatten bereits eine selbst genutzte Immobilie, nur 14 Prozent gaben an, die Immobilienpreise seien momentan zu hoch.

Die Zahlen zeigen, dass die Eigenkapitalanforderungen derzeit das wohl größte Hindernis beim Immobilienerwerb sind. Laut Faustformel sollten Haus- oder Wohnungskäufer zirka 20 Prozent des Kaufpreises selbst zahlen können, die restlichen 80 Prozent können sie sich über einen Kredit leihen.

Im Zuge des Immobilienbooms der vergangenen zehn Jahre sind die Kaufpreise drastisch gestiegen - in einigen Großstädten um mehr als hundert Prozent. Zugleich sind allerdings auch die Zinsen für Immobilienkredite deutlich gesunken, sie liegen mittlerweile bei unter einem Prozent. Das macht den Kaufpreisanstieg in guten Teilen wett, die monatlichen Kreditraten sind also für viele Interessenten immer noch erschwinglich. Allerdings wird es immer schwieriger, den geforderten Eigenkapitalanteil aufzubringen, weil dieser mit den steigenden Kaufpreisen stetig wächst.

insgesamt 163 Beiträge
marc.koch 29.10.2019
1. Abgehängt - Unwort des Jahrzehnts
Man kann es kaum noch hören, dieses Wort. Woran soll das alles liegen, daß es im ländlichen Raum mit hohen Löhnen nicht klappen will? Nicht so viele Unternehmen? Landwirtschaft? Hm, die sind allerdings nicht ganz so arm. Wenn [...]
Man kann es kaum noch hören, dieses Wort. Woran soll das alles liegen, daß es im ländlichen Raum mit hohen Löhnen nicht klappen will? Nicht so viele Unternehmen? Landwirtschaft? Hm, die sind allerdings nicht ganz so arm. Wenn man alle ziehen läßt und nur zusieht, dann kann man nicht erwarten, daß das Einkommen hoch sein soll. Es muß von beiden Seiten ein Engagement kommen: Vom Staat und von den Bürgern. Allerdings muß endlich auch klar sein, daß der Staat keine Arbeitsplätze schafft, sondern nur die Rahmenbedingungen, vor Ort müssen sich die Leute schon noch selbst engagieren.
Phil2302 29.10.2019
2. Sehe die Tabellen nicht
Das Problem hatte ich vorher noch nie. Welches von den 11 noch geblockten Skripten muss ich denn erlauben, damit ich die Tabellen sehen kann?
Das Problem hatte ich vorher noch nie. Welches von den 11 noch geblockten Skripten muss ich denn erlauben, damit ich die Tabellen sehen kann?
Fuxx2000 29.10.2019
3. Soviel zum Thema Mieten ì
Dort wo die Mieten hoch sind, gib es Zufriedenheit mit der finanziellen Lage. Und die EK Anforderungen sind zu hoch. Wer kauft muss keine Miete zahlen! Und das wichtigste Eigenkapital sind die Kaufnebenkosten, die meist um die 14% [...]
Dort wo die Mieten hoch sind, gib es Zufriedenheit mit der finanziellen Lage. Und die EK Anforderungen sind zu hoch. Wer kauft muss keine Miete zahlen! Und das wichtigste Eigenkapital sind die Kaufnebenkosten, die meist um die 14% liegen. Ist doch ganz einfach: Bestellerprinzip beim Makler wird die Kosten dritteln. Grunderwerbssteuer für selbstgenutze Immobilie abschaffen. Notarvertrag für selbstgenutze Immobilie zum Festpreis, bzw. die Sätze halbieren. Das wäre mal eine wirksame Maßnahme für die Immobilienkäufer zum Eigennutz.
apeface 29.10.2019
4. Aussagekraft?
Im Osten nichts Neues würde man sagen. Was soll ich jetzt mit der Info anfangen? Das ist alles bekannt. Schon seit der Römerzeit. In Friedenszeiten ist der Wohlstand in den Städten tendenziell höher. In Kriegszeiten ist es [...]
Im Osten nichts Neues würde man sagen. Was soll ich jetzt mit der Info anfangen? Das ist alles bekannt. Schon seit der Römerzeit. In Friedenszeiten ist der Wohlstand in den Städten tendenziell höher. In Kriegszeiten ist es tendenziell eher umgekehrt. Und was ist gefühlt und was real? Wenn die Umfrage in 5 Jahren wiederholt wird kommt nochmal dasselbe raus...
thequickeningishappening 29.10.2019
5. Soso
Es geht Den Leuten also im Schnitt finanziell besser und mehr wollen Eine Immobilie was allerdings wegen Der EK Anforderung immer schwieriger wird ?! Wer findet Den Fehler ?
Es geht Den Leuten also im Schnitt finanziell besser und mehr wollen Eine Immobilie was allerdings wegen Der EK Anforderung immer schwieriger wird ?! Wer findet Den Fehler ?

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