Wirtschaft

Weniger Wachstum

WTO senkt Prognose für Welthandel drastisch

Der Konflikt der USA mit China und der EU sowie ein drohender harter Brexit belasten den Welthandel unerwartet stark. Die WTO rechnet für dieses Jahr mit deutlich weniger Wachstum als bislang.

AP/Wang chun - Imaginechina

Hafen von Lianyungang (China)

Dienstag, 02.04.2019   13:48 Uhr

Noch vor einem Jahr rechnete die Welthandelsorganisation WTO für 2019 mit einer Steigerung des globalen Warenaustausches um vier Prozent. Später senkte sie die Prognose auf 3,7 Prozent - und geht jetzt nur noch von einem Wachstum von 2,6 Prozent in diesem Jahr aus.

Grund sind die zahlreichen Konflikte, etwa der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie der EU, aber auch die Unsicherheit über die Art des Brexits. Im vergangenen Jahr war der Welthandel noch um drei Prozent gewachsen.

"Angesichts der enormen Handelsspannungen sollte sich niemand über diesen Ausblick wundern", sagte WTO-Generaldirektor Roberto Azevedo. "Der Handel kann seine Rolle als Wachstumstreiber nicht voll ausspielen, solange wir ein so hohes Maß an Unsicherheit haben." 2020 könnte es laut WTO mit 3,0 Prozent wieder ein etwas höheres Wachstum des Welthandels geben.

Als größtes Risiko gilt der Handelskonflikt zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China, die einander mit Strafzöllen überzogen haben. Beide Seiten verhandeln derzeit über eine Beilegung des Streits. Sollten die Spannungen zunehmen, könnte der Welthandel in diesem Jahr sogar nur um 1,3 Prozent wachsen, warnte die WTO. Umgekehrt könnte bei einer Lösung auch ein größeres Plus von bis zu vier Prozent herausspringen.

Die deutschen Exporteure rechnen ungeachtet der zahlreichen Risiken in diesem Jahr mit einem Umsatzrekord. Die Ausfuhren dürften um bis zu drei Prozent auf 1,357 Billionen Euro zulegen, sagte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) kürzlich voraus. Auch 2018 hatte es ein Plus in dieser Größenordnung gegeben.

fdi/Reuters

insgesamt 10 Beiträge
Annalu 02.04.2019
1. Prognosen kann man nicht senken.
Entweder Prognosen treffen zu oder sie sind falsch. Die WTO gab falsche Prognosen heraus, die noch nicht einmal für eine Jahr irgend einen Wert haben. Warum soll dann ihre nachgeschobene Prognose valide sein? Dabei geht die [...]
Entweder Prognosen treffen zu oder sie sind falsch. Die WTO gab falsche Prognosen heraus, die noch nicht einmal für eine Jahr irgend einen Wert haben. Warum soll dann ihre nachgeschobene Prognose valide sein? Dabei geht die WTO von einer Schrumpfung des Handels zwischen China und den USA aus. Das ist Unsinn. Seit 30 Jahren erfüllen die Chinesen die Planzahlen und der Handel zwischen diesen beiden gewichtigen Nationen ist 2018 (trotz der Querelen) gewachsen. Veranschlagt ist eine Steigerung von 6 % bei gleichzeitiger Glättung des Handelsbilanzüberschusses. Es ist also absurd, die schlecht möglichsten Annahmen zu verbreiten, um den Katastrophenmaler in den Medien Material zu liefern. Das internationale Kapital will Löhne drücken und macht das mit lancierten Tartarenmeldungen statt Prognosen.
Ein_denkender_Querulant 02.04.2019
2. Ist das ein Nachteil?
Brauchen wir aus ökologischen Günden denn mehr Handel? Wir im Westen können doch prinzipielln alles selber herstellen, wenn wir nur wollten, und nicht wie bisher nur Umweltverschmutzung und Energieverbrauch exportieren wollen? [...]
Brauchen wir aus ökologischen Günden denn mehr Handel? Wir im Westen können doch prinzipielln alles selber herstellen, wenn wir nur wollten, und nicht wie bisher nur Umweltverschmutzung und Energieverbrauch exportieren wollen? So sehr ich Trump verachte, so sehr stimme ich mit einigen Zielen von ihm überein. Der freie Handel hat zu viele Nachteile. Er nutzt den reichen Ländern, also uns, und schadet armen. Und das die USA ihr Handelsbilanzdefizit in den Griff bekommen müssen, ist auch klar. Aktuell leben die Amerikaner auf Kosten der restlichen Welt. Und wir Deutsche verteilen unsere Arbeit mit den Exporten in die Welt für Kreditzusagen, die in vielen Fällen mehr als wackelig sind. Handel ist wichtig und notwendig, exzessiver Handel aber muss nicht sein, siehe z.B. Fleischtransporte in Europa
Kritischer Geist III 02.04.2019
3. Aehm ja... und?
Abgesehen davon, dass das Unfug ist, Sie dass wissen, aber nicht mitteilen, laesst mitschwingen dass es sich eh um Propaganda handelt, aber bin ich hier ja gewohnt, also zum wesentlichen: Wir produzieren sowieso schon viel zu [...]
Abgesehen davon, dass das Unfug ist, Sie dass wissen, aber nicht mitteilen, laesst mitschwingen dass es sich eh um Propaganda handelt, aber bin ich hier ja gewohnt, also zum wesentlichen: Wir produzieren sowieso schon viel zu viel. Weniger Wachstum ist also kein Grund zur Warnung, sondern zur Freude, ausser fuer die jenigen, an die der Artikel eigentlich gerichtet ist, naemlich die 1%
stelzerdd 02.04.2019
4. Prognosen
sind eine schwierige Sache, weil sie sich auf die Zukunft beziehen. Seit allerdings das Märchen vom angeblich notwendigen (exponentiellen) Wachstum von allen maßgeblichen politischen Kräften und sogar von [...]
sind eine schwierige Sache, weil sie sich auf die Zukunft beziehen. Seit allerdings das Märchen vom angeblich notwendigen (exponentiellen) Wachstum von allen maßgeblichen politischen Kräften und sogar von Wirtschafts"wissenschaftlern" geglaubt und nicht mal hinterfragt wird (wie in "Des Kaisers neue Kleider"), halten wir tatsächlich eine Verringerung der (exponentiellen) Wachstumsrate für eine schlechte Prognose. Ist es aber nicht. Wachstum als Unternehmensziel oder gar Wirtschaftsziel inhumaner Blödsinn.
ddcoe 02.04.2019
5. Wem schadet das?
Ich denke, wenn wir es ernst meinen mit dem Klimaschutz, dann müssen wir uns eh vom ständigen Wachstum verabschieden. Wir haben nun einmal keine Ersatzerde und unsere Enkel und Urenkel haben den gleichen Anspruch auf lebenswerte [...]
Ich denke, wenn wir es ernst meinen mit dem Klimaschutz, dann müssen wir uns eh vom ständigen Wachstum verabschieden. Wir haben nun einmal keine Ersatzerde und unsere Enkel und Urenkel haben den gleichen Anspruch auf lebenswerte Verhâltnisse wie wir heute.

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