Wirtschaft

Weltkrise privat

Banken im Bann der Illuminaten

Warum erschien Dan Browns neues Buch ausgerechnet am 15. September - dem Todestag von Lehman Brothers? Wer steckt wirklich hinter der Wirtschaftskrise? Schenkte der Satan selbst uns den Kapitalismus? Die Welt braucht neue Antworten.

Sony Pictures / Cinetext

Audrey Tautou, Tom Hanks ("Da Vinci Code"): Es wird düster und bitter

Von SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist
Donnerstag, 17.09.2009   15:49 Uhr

Dan Brown hat in der Verschwörungstheorie-Industrie mittlerweile ein Quasi-Monopol erreicht. Am Dienstag erschien sein neues Buch "The Lost Symbol" - zunächst auf Englisch. Nach Welterfolgen wie "Illuminati" und "Sakrileg" ist damit zu rechnen, dass sich auch der neue Thriller mindestens eine Milliarde Mal verkaufen wird. Wenn der Vatikan einen Bannfluch ausspräche, wäre die zweite Auflagen-Milliarde gesichert.

Die Verhandlungen laufen, die Gewinnbeteiligungen an den Online-Mobilfunk-Viertverwertungrechten sind noch ungeklärt. Dabei war der Inhalt von "Lost Symbol" vorher so geheim, dass Brown die letzten hundert Seiten nur mit verbundenen Augen schrieb und am Ende selbst nicht mehr wusste, worum es geht. Die jetzt eilends bestallten sechs deutschen Übersetzer dürfen jeweils nur jedes sechste Wort übersetzen, damit keiner von ihnen den Gesamtüberblick hat.

Diese Kolumne verrät Ihnen den Inhalt dennoch. Inklusive nagelneuer Gerüchte und Bonusmaterial. Überlegen Sie daher gut, ob Sie weiterlesen. Es wird düster und bitter. Und Sie werden damit zum ultrageheimen Geheimnisträger.

Es geht schon damit los, dass Brown nur ein Pseudonym sein soll. Eigentlich heißt er Doris Heinze und war jahrelang als Fernsehspielchefin beim Norddeutschen Rundfunk tätig, wo er unter falschem Namen Drehbücher geschrieben hat. Deshalb dauerte es auch so lange, bis "The Lost Symbol" fertig wurde, in dem es übrigens - top secret! - um ein verlorenes Symbol geht. Außerdem spielen eine Rolle: diverse geheimbündlerische Eliten, Washington D. C. und die Erkenntnis, dass alles mit allem zusammenhängt. Es klingt also ein bisschen wie Weltwirtschaft - nur mit mehr Weihrauch.

Überhaupt sind sich Brown-Bücher und Finanzkrise sehr ähnlich: Beide verfügen über allerlei verblendete Jünger und Sektierer, kryptisches Altherrengeschwätz und Typen, die's später immer schon vorher gewusst haben. Auch deshalb ist es Zeit, dass die Wirtschaftskrise eine eigene zünftige Verschwörungstheorie erhält.

Hallo? Klingelt was?

Nicht von ungefähr startete "The Lost Symbol" am 15. September. Wir Älteren erinnern uns: Am gleichen Tag des Jahres 921 wurde Ludmilla von Böhmen auf Befehl ihrer heidnischen Schwiegertochter erdrosselt. 333 Jahre später folgte Marco Polos Geburt. Mal zwei ist 666, das Zeichen des Leibhaftigen. Hallo? Klingelt was? Am 15. September 1867 eröffnete Italiens König Viktor Emanuel II. die nach ihm benannte Einkaufspassage in Mailand. Am 15. September 2008 dann brach Lehman zusammen, das wiederum KEIN Anagramm von Brown ist, der zudem die deutsche "Abwrackprämie" nicht kennt, die im Althebräischen weitere Rätsel aufgibt, womit sich der Kreis schließt - zu was auch immer. So bimmelt der Dreiklang aus Krieg, Kapital und Kommerz.

Haben finanziell heruntergekommene Illuminaten die Subprimekrise ausgelöst? Hat womöglich Satan selbst uns den Kapitalismus geschenkt? In den USA wirkt wenigstens das Wall-Street-Personal verschlagen genug für solche Fragen. Aber in Deutschland?

Da sieht man dann Leute wie Georg Funke, Ex-Chef des Unfassbar-viele-Milliardengrabes Hypo Real Estate. Funke ist geheimnisvoll wie ein Hydrokultur-Gummibaum. So einer will nicht die Weltherrschaft, sondern allenfalls seine Pensionsansprüche geltend machen. Ach, wäre er wenigstens Großmeister einer Freimaurer-Splittergruppe, die für die Klon-Wiedergeburt von Maria Magdalena viel Geld brauchte. Das hätte zwar auch keinen Sinn, aber wenigstens Stil.

Überhaupt wäre jede noch so absurde Erklärung weniger schmerzhaft als die dröge Wahrheit, dass diese Krise drei Ursachen hatte: Gier, Größenwahn und Blödheit. Wir haben Ihnen gesagt, dass es düster wird und bitter. Aber das müssen Sie jetzt für sich behalten!

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