Wirtschaft

Weltkrise privat

Herr Minister, ein Hund muss her!

Erst Primadonna der deutschen Politik, dann zum Abschuss freigegeben - Karl-Theodor zu Guttenberg erlebt gerade, wie schnell ein Politiker abstürzen kann. Aber es gibt einen Ausweg: ein Tier adoptieren. Zu Weihnachten. Am besten den Superstar von RTL.

DDP

Von SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist
Dienstag, 22.12.2009   11:18 Uhr

Bei der Primadonna des Bundeskabinetts, , steht das Weihnachtsfest unter keinem guten Stern. Offenkundig hat man ihn über den bevorstehenden Heiligabend unzureichend, falsch oder gar nicht informiert - und zwar nicht nur im Verteidigungsministerium, sondern auch im Kreise seiner Familie. Wichtige Dokumente (Spekulatiusrezepte, Wunschzettel etc.) seien ihm zu lange vorenthalten worden. Sein Vater soll womöglich die Unwahrheit gesagt haben, was den genauen Zeitpunkt der Bescherung angeht (Punkt achtzehnhundert, Fürstensaal). Vielleicht hat er aber auch nur gelogen.

Die böse Ahnung einer unehrenhaften Entlassung (von wem auch immer) steht im Raum und bleibt da stehen, weil das fränkische Gesinde über die Feiertage Urlaub ohne Lohnausgleich bekam. Sollten Guttenbergs Kinder für den Müll in ihren Zimmern keine Abzugsperspektive bieten, müssen sie ohne Zapfenstreich zu Bett. "Nicht jeder Aufständische bedroht gleich die westliche Gemeinschaft", versuchte Guttenberg am Wochenende in völlig anderem Zusammenhang abzuwiegeln. Die gezielte Tötung einer Weihnachtsgans sei indes nie in Erwägung gezogen worden. Auf Basis der Uno-Resolution 1833/1890 will der Minister weitere sinnlose Blutbäder proaktiv verhindern, über die sinnvollen wird künftig einfach nicht mehr geredet.

Dennoch bleibt die Lage unübersichtlich. Dauernd tauchen neue Bundeswehrvideos auf, die alles mögliche beweisen, u.a. dass die Bundeswehr Kameras besitzt. Manche stammen aus dem Feldlager-Supermarkt und dokumentieren das alltäglich gewordene Grauen unserer Jungs in Kunduz. Ein Beispiel von Freitag, 18. Dezember, 15.32 Uhr: StUffz Schmidt kauft 30 Packungen Chipsletten, eine Mario-Barth-DVD und zwei Fläschchen Kleiner Feigling. Das sagt eigentlich alles. Als authentischer gilt nur grobkörniges Nachtsichtgeräte-Gekrissel, weil man darauf gar nichts erkennt. Muss der Verteidigungsminister dafür seinen Stuhl räumen?

Ein Hund würde gut zu seinem Afghanistan-Outfit passen

Trotz der aktuellen Witterungsbedingungen gilt sein Stuhl gar nicht als verschneit. Einen Rücktritt lehnt Guttenberg ab, zumal er noch Interviewanfragen bis März 2011 hat. Auch der Opposition scheint nicht klar, was eine Bundesregierung ohne die blaublütige Primadonna bedeuten würde: Dann säße plötzlich Annette Schavan bei Gottschalk, Lanz, Jauch, Illner, Will und dem N24-Chefredakteur, dessen Namen man sich nie merken kann.

Aber nicht nur Guttenberg stellte sich am vergangenen Samstag wieder die Schicksalsfrage: Befindet sich Deutschland im Krieg? Oder reicht es, von kriegsähnlichen Zuständen zu sprechen? Was können wir für den deutschen Nachwuchs tun, der da erneut den Kopf hinhalten musste? Warum wurden wieder einmal Menschenrechte mit Füßen getreten, während wir Zuhause in der warmen Stube unsere Filzpantoletten aneinander schubberten?

Im Klartext: Wie lange darf Marco Schreyl noch RTL-Shows wie "Das Supertalent" in Grund und Boden moderieren? Am Ende gewann beim diesjährigen Finale übrigens weder ein taubstummes Vorschulkind mit Migrationshintergrund noch ein tätowierter Koloratursopran, der seinen Auftritt einem frisch verstorbenen Verwandten widmete. "Supertalent 2009" wurde ein Durchschnittstyp, der mit seinem Fiffi eine Hundedressur zeigte.

Möglicherweise ist Deutschland auf dem Weg in eine neue Normalität. Man muss aber die endgültigen Auswertungen der RTL-Videos durch das Oberkommando der Isaf-Truppen abwarten. Imagemäßig könnte es Guttenberg helfen, wenn er den Hund adoptiert. Er würde farblich gut zu seinen sportlich-legeren Afghanistan-Outfits passen. Und das Tier heißt: Primadonna.

insgesamt 6 Beiträge
olicrom 22.12.2009
1. Lieber Autor
im Ansatz ja nicht schlecht, aber m.E. nicht weit genug gedacht. Sie verkennen den Willen des Volkes. Oder, um es zuzuspitzen, wollen des Volkes Willen nicht anerkennen. Denn nachdem die Deutschen nun wehklagen, dass ihr adeliger [...]
im Ansatz ja nicht schlecht, aber m.E. nicht weit genug gedacht. Sie verkennen den Willen des Volkes. Oder, um es zuzuspitzen, wollen des Volkes Willen nicht anerkennen. Denn nachdem die Deutschen nun wehklagen, dass ihr adeliger Held von der landesverräterischen Presse derart böse malträtiert wird, ist das Votum doch wohl eindeutig: nachdem Jauch abgewunken hat und der Freier von und zu schwächelt fordern die Deutschen konsequent einen Hund als Kanzler. Jawohl: der Fifi soll Angela beerben. Daran gibt es nichts zu deuteln. Und es ist durchaus fiffig gedacht, denn er würde zwar genau so wenig bewirken wie seine Vorgängerin (Finanz- und Wirtschaftskrise, Klimapolitik), aber da niemand ernsthaft Erfolge von ihm erwartet, kann auch keiner enttäuscht sein. Das Paradies wäre äher gerückt. Denn das ist es nämlich, was die Deutschen wirklich wollen: Harmonie. Anstand. Aufrechte Gesinnung. Wer würde dies besser erfüllen als des Menschen treuester Kamerad? Edel bis in den Untergang (frage ich mich gerade: wo war eigentlich Blondi, als Adolf und Eva im Kampf um Berlin fielen?) Wie auch immer: Ein Wauwau als oberster Politiker wäre die ersehnte Erlösung. Eine Volksabstimmung braucht es nicht mehr, RTL hat ja schon abgestimmt!!! Also: Fifi for Kanzler.
Rainer Daeschler 22.12.2009
2. Narrenfreiheit durch Hund, klappt immer
... ein Hund muss her! Das gehört zur Grundausstattung amerikanischer Präsidenten. Was immer man über die denken mag, z.B. George W. Bush, Barney und Miss Beazley sprühten den Charme aus, der Herrchen fehlte, wenn es sich [...]
... ein Hund muss her! Das gehört zur Grundausstattung amerikanischer Präsidenten. Was immer man über die denken mag, z.B. George W. Bush, Barney und Miss Beazley sprühten den Charme aus, der Herrchen fehlte, wenn es sich wieder als Pyromane der Weltpolitik betätigte. Warum sollte ein Hund, medial gut aufbereitet, nicht auch einem deutschen Veteidigungminister dienlich sein? Zumindest gibt es ihm ein Stück Narrenfreiheit, wie Bush es ja bereits vorgemacht hatte.
Katzenfreund 22.12.2009
3. Warum?
Wieso ein Hund?Warum keine Katze?Vieleicht eine aus dem Tierheim? Das Image einer Katze ist doch positiver.Die Hauskatze steht für Scnurren und Gemütlichkeit. Und das alles ohne Aggresionen. Eine tolle Exit Strategie für [...]
Wieso ein Hund?Warum keine Katze?Vieleicht eine aus dem Tierheim? Das Image einer Katze ist doch positiver.Die Hauskatze steht für Scnurren und Gemütlichkeit. Und das alles ohne Aggresionen. Eine tolle Exit Strategie für Afgahnistan. Meint der katzenfreund
Thomas Tuma DER SPIEGEL 22.12.2009
4. Ne Katze?
Ja, gut, ich mein, dann geht auch ein Schabrackentapir oder ein Nacktmulch... alles liebe Tiere ;-)
Zitat von KatzenfreundWieso ein Hund?Warum keine Katze?Vieleicht eine aus dem Tierheim? Das Image einer Katze ist doch positiver.Die Hauskatze steht für Scnurren und Gemütlichkeit. Und das alles ohne Aggresionen. Eine tolle Exit Strategie für Afgahnistan. Meint der katzenfreund
Ja, gut, ich mein, dann geht auch ein Schabrackentapir oder ein Nacktmulch... alles liebe Tiere ;-)
Medb 22.12.2009
5. Mull an die Macht
Falsch. Angela Merkel adoptiert einen Nacktmull (Mulch ist das, was auf dem Beet liegt; nicht das, was drunter krabbelt ;-)) als Verteidigungsminister. Da sich ein Nacktmull von Natur aus durch Schmerzunempfindlichkeit [...]
Falsch. Angela Merkel adoptiert einen Nacktmull (Mulch ist das, was auf dem Beet liegt; nicht das, was drunter krabbelt ;-)) als Verteidigungsminister. Da sich ein Nacktmull von Natur aus durch Schmerzunempfindlichkeit auszeichnet, wäre er prädestiniert für dieses Amt...
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