Wirtschaft

Fehlende Daten

Bundesregierung führt Statistik zu Wohnungslosigkeit ein

Die Schätzungen, wie viele Menschen in Deutschland von Wohnungslosigkeit betroffen sind, gehen weit auseinander. Nun will die Bundesregierung eine verlässliche Statistik etablieren.

DPA

Auch Obdachlose sollen in der Statistik erfasst werden

Mittwoch, 25.09.2019   13:48 Uhr

Die Bundesregierung will erstmals die Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland bundesweit erfassen. Das Bundeskabinett verabschiedete in Berlin einen entsprechenden Gesetzentwurf des Arbeitsministeriums.

Wohnungslosigkeit sei "eine besonders schwere Form von Armut und sozialer Ausgrenzung", hob das SPD-geführte Ministerium hervor. Bislang lägen aber zu wenig verlässliche Daten darüber vor, auf deren Grundlage die Wohnungslosigkeit effektiv bekämpft werden könnte.

Schätzungen und Landesstatistiken zur Wohnungslosigkeit gingen sehr weit auseinander, teilte das Ministerium mit. Der Gesetzentwurf zielt nun darauf ab, diese Lücke zu schließen. Auf Grundlage der verbreiterten Wissensbasis sollten dann sozialpolitische Maßnahmen entwickelt werden, kündigte das Arbeitsministerium an.

Neue Statistik für Ende Januar 2022 geplant

Das Gesetz sieht die Einführung einer Wohnungslosenberichterstattung sowie einer Statistik zu untergebrachten wohnungslosen Menschen vor. Damit wird Ministeriumsangaben zufolge erstmals eine bundesweite Datengrundlage zum Ausmaß sowie zur Struktur von Wohnungslosigkeit in Deutschland geschaffen.

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass das Statistische Bundesamt jeweils zum Stichtag 31. Januar die Zahl untergebrachter wohnungsloser Menschen erfasst - also Wohnungslose, die Leistungen zur Unterbringung in Anspruch nehmen.

Dabei sollen Angaben zu Geschlecht, Alter, Staatsangehörigkeit, Haushaltstyp und -größe, Art der Unterkunft sowie das Datum des Beginns der Unterbringung erhoben werden. Erstmals ist die neue Bundesstatistik zum 31. Januar 2022 geplant.

Auch Obdachlose sollen erfasst werden

Mit der Wohnungslosenberichterstattung soll eine zusätzliche Datengrundlage über jene Formen von Wohnungslosigkeit zur Verfügung stehen, die über die statistische Erhebung hinausgeht. Hierbei handelt es sich Ministeriumsangaben zufolge etwa um Wohnungslose, die kurzzeitig bei Bekannten unterkommen oder auch um obdachlose Menschen, die ohne jeden Schutz auf der Straße leben.

An dem Bericht, der mindestens alle zwei Jahre vorgelegt werden soll, werden auch Wissenschaftler und Fachverbände beteiligt.

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Der Armutsexperte der Grünen-Fraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn, nannte die Einführung der Wohnungslosenstatistik einen "ersten Schritt". Es sei jedoch "unerlässlich, weiter zu gehen", sagte Strengmann-Kuhn.

"Der Bund muss gemeinsam mit den Ländern und Kommunen einen gemeinsamen Aktionsplan erarbeiten, der sich dem ambitionierten Plan verschreibt, die Obdachlosigkeit bis 2030 komplett zu beseitigen", forderte der Grünenabgeordnete.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzte die Zahl der Wohnungslosen für 2017 bundesweit auf 650.000. Ganz auf der Straße ohne jegliche Unterkunft lebten demnach etwa 48.000 Menschen. Wegen der rasch steigenden Wohnkosten sagte die Arbeitsgemeinschaft einen starken Anstieg der Betroffenenzahl voraus.

brt/AFP

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