Wirtschaft

Klage gegen Bankhaus Oppenheim

Middelhoffs letzte Millionen

Thomas Middelhoffs nächster Prozess: Der inhaftierte Manager will sich Millionen vom Bankhaus Sal. Oppenheim zurückholen - es geht um seine wirtschaftliche Existenz. Doch das Gericht lässt durchblicken, wie schlecht die Chancen stehen.

AP

Middelhoff am Tag seiner Verurteilung: Diesmal erschien der Ex-Manager gar nicht

Aus Köln berichtet
Dienstag, 18.11.2014   18:12 Uhr

Die wohl zweitgrößte Demütigung seines Lebens blieb Thomas Middelhoff erspart. Beim Prozessauftakt im Zivilverfahren gegen die Deutsche Bank erschien der derzeit inhaftierte Manager nicht vor dem Landgericht Köln. Kein öffentliches Vorführen, womöglich in Handschellen, flankiert von Justizwachtmeistern und Polizeibeamten.

In dem Verfahren verklagen Middelhoff und seine Ehefrau Cornelie die mittlerweile zur Deutschen Bank gehörende Privatbank Sal. Oppenheim: Sie fordern 101 Millionen Euro als Auszahlung von Festgeldern und Rückzahlung von Zins- und Tilgungsraten auf Kredite für Immobilienfonds.

Die Bank wiederum verklagt den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Bertelsmann und Arcandor auf etwa 78 Millionen Euro - weil er die Kredite, mit denen er die Fonds finanziert hat, nicht mehr bedient.

Die Schmach blieb also aus und Middelhoff in Untersuchungshaft. Wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in drei Fällen hatte ihn das Landgericht Essen am vergangenen Freitag zu drei Jahren Haft verurteilt und wegen Fluchtgefahr noch im Gerichtssaal festnehmen lassen. Das dürfte die wohl größtmögliche Demütigung in Middelhoffs bisherigem Leben gewesen sein.

Ein weiterer Tiefpunkt könnte schon bald folgen: Der Vorsitzende Richter im Kölner Zivilverfahren ließ bereits nach wenigen Minuten durchblicken, dass Middelhoffs Klage ein Schuss nach hinten sein könnte. Nach derzeitigem "Sach- und Kenntnisstand" gebe es "sehr ungünstige Aussichten für die Klage", sagte Richter Stefan Singbartl.

Für den einstigen Top-Verdiener und fünffachen Vater Middelhoff geht es in diesem Verfahren um die wirtschaftliche Existenz: Wenn er diesen Prozess verliert, ist er finanziell am Ende. Spätestens dann ist Schluss mit den Ausreden gegenüber seinen Gläubigern, die er seit Jahren damit vertröstet, dass er liquide sei, das Geld aber in jenen Festgeldkonten von Sal. Oppenheim stecke.

Geld für den Paten

Im Kölner Klüngel hatte Middelhoff vor Jahren das große Geld vermutet: Er überließ mehrere Millionen Euro Privatvermögen dem Bauunternehmer Josef Esch und der Privatbank Sal. Oppenheim, seiner Hausbank. Sie sollten sein Vermögen verdoppeln oder verdreifachen: Man investierte steuersparend und über Kredite in acht geschlossene Immobilienfonds, sogenannte Oppenheim-Esch-Fonds.

Esch war mehr als der wichtigste Immobilienentwickler von Sal. Oppenheim: Er war der Strippenzieher, nach dem Tod des Bankchefs Alfred Freiherr von Oppenheim eine Art Pate. Und: Middelhoffs persönlicher Vermögensberater.

Trotzdem sei Middelhoff über die Gefahren der Geldanlage nicht ausreichend aufgeklärt worden, argumentieren nun seine Anwälte. Sal. Oppenheim habe gewusst, dass die Fonds als konservatives Investment "untauglich" gewesen seien, so Winfried Holtermüller. Ihm gegenüber sitzen die Anwälte des beklagten Bankhauses. "Wenn Herrn Middelhoff die Kosten gestört hätten, hätte er sie nicht gekauft", sagt Rechtsanwalt Stefan Blum.

Es reichen wenige Minuten der Beobachtung, um zu verstehen, warum eine außergerichtliche Einigung zwischen diesen beiden Parteien nicht möglich ist. Die gegenseitigen Vorstellungen seien "zu weit voneinander entfernt", sagt Blum vor Gericht.

Wurde "Big T." getäuscht?

Hätte Middelhoff - als erfahrener Anleger - die Gefahr erkennen müssen? Wurde "Big T.", wie ihn Weggefährten nannten, wirklich getäuscht?

Middelhoff müsse sich im Klaren gewesen sein, dass er die Immobilienbeteiligungen nicht einfach hätte verkaufen können wie Aktien, sagt Richter Singbartl. Middelhoff verfüge in dieser Hinsicht über ein anderes Wissen als ein Normalanleger: "Es geht um Tatsachenkenntnis."

Was die Klage von Cornelie Middelhoff betreffe, gehe das Gericht davon aus - "bei einer einigermaßen lebensnahen Betrachtung" -, dass im Hause Middelhoff auch über die Anlagen gesprochen worden sei. Middelhoff-Anwalt Holtermüller protestiert: "Das darf er gar nicht." Das Gericht scheint nicht überzeugt.

Holtermüller nimmt einen weiteren Anlauf: Es könne nicht angehen, dass die Bank ihr originäres Geschäft an den Vermögensverwalter Esch und dessen Firmen outsourcen durfte. Diese Pflichtverletzung sieht das Gericht ebenfalls nicht. Vielmehr müsse man genau prüfen, ob Middelhoffs Ansprüche nicht ohnehin längst verjährt seien, sagt der Richter.

Wie Middelhoff wehren sich weitere Investoren juristisch gegen Sal. Oppenheim und behaupten, sie seien über die komplexen Verflechtungen innerhalb des Oppenheim-Esch-Gewerbes nicht aufgeklärt worden: Viele haben die Prozesse verloren. Außer Axel Pfeil, ehemaliger Vorstand der Deutsche-Bank-Tochter DB-Invest, der in einen Fonds investiert hatte, der eine Immobilie für Karstadt umbaute und vermietete. Durch die Pleite der Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor geriet das Investment in Schieflage.

So wie jetzt Middelhoffs Leben. "Eine gütliche Einigung konnte nicht erzielt werden", spricht Richter Singbartl in sein Diktiergerät und beendet die Verhandlung. Am 3. Februar soll die Entscheidung verkündet werden.

insgesamt 47 Beiträge
never-stop 18.11.2014
1.
Keine Sorge - wenn es keine Millionen gibt, die ein Luxuskörper wie Ihrer scheinbar braucht, es gibt letztlich immer noch HartzIV. Auch für Leute wie Sie. Das ist doch beruhigend, oder? Gelegenheit mal ein bisschen zu [...]
Keine Sorge - wenn es keine Millionen gibt, die ein Luxuskörper wie Ihrer scheinbar braucht, es gibt letztlich immer noch HartzIV. Auch für Leute wie Sie. Das ist doch beruhigend, oder? Gelegenheit mal ein bisschen zu meditieren, und wieder an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen...
dbrown 18.11.2014
2. Auweia!
Wer einer Figur wie diesem Esch seine Kohle anvertraut, der ist doch selber schuld! Es kann mit wahrer Intelligenz bei Herrn M. ja so weit nicht her sein, wenn er diesem Maurer vertraut hat.
Wer einer Figur wie diesem Esch seine Kohle anvertraut, der ist doch selber schuld! Es kann mit wahrer Intelligenz bei Herrn M. ja so weit nicht her sein, wenn er diesem Maurer vertraut hat.
großwolke 18.11.2014
3.
Nichts für ungut, aber der Mann hat einfach auf zu großem Fuß gelebt. Hier auf SPON gabs mal eine ungefähre Aufstellung der verschiedenen Einkünfte und finanziellen Verpflichtungen, die Middelhoff über die Jahre so am Laufen [...]
Nichts für ungut, aber der Mann hat einfach auf zu großem Fuß gelebt. Hier auf SPON gabs mal eine ungefähre Aufstellung der verschiedenen Einkünfte und finanziellen Verpflichtungen, die Middelhoff über die Jahre so am Laufen hatte, und da hab ich mir schon gedacht, mein lieber Schwan, selbst für so einen Großverdiener (der er ja eine ganze Weile war) lebt er eigentlich über seine Verhältnisse. Speziell als mit Arcandor Schluss war und er hätte erkennen können, dass ein neuer Top-Job so schnell nicht kommen würde und es höchste Zeit wäre, zu konsolidieren, hat er offenbar nicht die Reißleine gezogen. Wenn man sich im Gegensatz dazu anschaut, was hier schon so z.B. über Josef Ackermann oder Wendelin Wiedeking zu erfahren war, bleibt da nur ein Urteil: Größenwahn. Wenn er nicht noch irgendwo ein paar Quieker in Sicherheit gebracht hat, verbringt der seinen Lebensabend auf Stütze. Wenigstens das sollte man ihm aber gönnen. Genug Einkommenssteuer wird er im Laufe der Zeit wohl abgedrückt haben.
pull 18.11.2014
4. Insider nicht über Risiken aufgeklärt
Wer soll das glauben? Dass die Vermietung von Immobilien an Karstadt ein Risiko bergen sollte der ex Vorstandsvorsitzende von KarstadtQuelle besser gewusst haben als andere. So überzeugt von der sicheren Anlage war er, dass er [...]
Wer soll das glauben? Dass die Vermietung von Immobilien an Karstadt ein Risiko bergen sollte der ex Vorstandsvorsitzende von KarstadtQuelle besser gewusst haben als andere. So überzeugt von der sicheren Anlage war er, dass er das Investment mit Krediten finanzierte. Hat womöglich sogar dieser Insider dem Sal. Oppenheim Management und Esch Risiken verschwiegen? Letzteres unter Umständen unbeabsichtigt aufgrund der eigenen krassen Fehleinschätzung der Lage. Eine Chance für Middelhoff ist nicht mal im Ansatz zu erkennen. Umgekehrt wird Sal. Oppenheim bzw. Deutsche Bank die Rückzahlung der Kredite durch Middelhoff zum großen Teil mangels Masse abschreiben müssen.
gruii001 18.11.2014
5. Ihr Photo über dem Artikel, das
man in der Vergrößerung betrachten sollte, sagt mehr als alles, was man über diesen Herrn schreiben könnte.
man in der Vergrößerung betrachten sollte, sagt mehr als alles, was man über diesen Herrn schreiben könnte.
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