Wirtschaft

Neue Hauptquartiere

Amazon bekommt zwei Milliarden Dollar Subventionen

Amazon ist einer der umsatzstärksten Konzerne der Welt, trotzdem erhält das Unternehmen für seine neuen Hauptquartiere Milliardenbeihilfen. Zwei Orte an der US-Küste zahlen - und tun das offenbar gerne.

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Long Island City, Queens, New York

Dienstag, 13.11.2018   17:30 Uhr

Das große Buhlen hat ein Ende: Der weltgrößte Online-Händler Amazon ist bei seiner Suche nach weiteren Zentralen in den USA fündig geworden. Die Wahl sei auf Long Island City im New Yorker Stadtbezirk Queens und auf Arlington im US-Bundesstaat Virginia gefallen, teilte der Konzern mit.

"Wir freuen uns, unsere neuen Hauptquartiere in New York City und im Norden Virginias zu bauen", verkündete Vorstandschef Jeff Bezos. Zudem kündigte Amazon ein großes Logistikzentrum in Nashville an, das 5000 Arbeitsplätze schaffe.

Amazons Standortsuche war umstritten. Das Unternehmen verspricht zwar viele Stellen und hohe Investitionen - im Gegenzug erhält es aber massive Anreize wie etwa Steuernachlässe.

Zwar will Amazon an den neuen Standorten jeweils 2,5 Milliarden Dollar investieren und 25.000 Jobs schaffen. Dafür darf der Konzern in New York aber auch Subventionen von mehr als 1,5 Milliarden Dollar erwarten, vor allem durch Steuervergünstigungen. In Arlington sind es nach Rechnung des Konzerns 573 Millionen Dollar an Subventionen.

Zusammen beläuft sich die Subventionssumme damit auf mehr als zwei Milliarden Dollar.

Mit der offiziellen Bestätigung der neuen Zentralen endet der seit mehr als einem Jahr andauernde Rummel um das Großprojekt, bei dem sich etliche Städte, Bundesstaaten und Landkreise Nordamerikas mit teilweise skurrilen Bewerbungen um die Gunst von Amazon-Chef Bezos bemüht hatten. Nun gibt es auch Kritik, da letztlich nicht einer, sondern zwei Kandidaten den Zuschlag erhielten.

Amazon hatte im September 2017 angekündigt, neben seinem ersten Firmensitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ein weiteres Hauptquartier eröffnen zu wollen. In der vergangenen Woche dann die Überraschung: US-Medien berichteten, dass entgegen der ursprünglichen Ankündigung statt einer zwei zusätzliche Zentralen entstehen. Arbeitsplätze und Büroflächen würden geteilt.

Problem, genug geeignetes Tech-Personal zu finden

Als Grund gilt vor allem das Problem, genug geeignetes Tech-Personal zu finden. Hinzu kommen Bedenken, dass die geplante Expansion, die mit starkem Zuzug von Arbeitskräften verbunden sein dürfte, einen einzelnen Standort und dessen Infrastruktur überfordern könnte.

Amazon hatte die Suche öffentlichkeitswirksam betrieben und damit für viel Aufsehen gesorgt. Der US-Konzern, der zuletzt rund 613.300 Angestellte beschäftigte, erhielt 238 Bewerbungen von Städten.

Einige Kandidaten legten sich besonders ins Zeug:

Im Januar stellte Bezos' Konzern dann die 20 aussichtsreichsten Kandidaten vor, darunter waren etwa die Großstädte New York City, Chicago, Los Angeles und Toronto. Dass den Zuschlag letztlich Long Island City und Arlington erhalten würden, war bereits vor einigen Tagen durchgesickert.

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Amazon-Gründer Jeff Bezos

Während der New Yorker Stadtteil Amazon Zugang zu den vielen Tech-Profis in der Ostküstenmetropole verschafft, gilt Arlington wegen seiner Nähe zum Sitz der US-Regierung in Washington als attraktiv für den Konzern. Bezos ist privat Eigentümer der traditionsreichen "Washington Post".

Während sich Politiker bei solchen Standortentscheidungen gerne als Jobbeschaffer feiern, sehen Experten die Praxis skeptischer. Denn häufig werden Investitionen und Arbeitsplätze durch Steuergelder teuer erkauft, zudem erfüllen sich die Versprechen nicht immer.

Will Amazon die Infos der Bewerber für sich nutzen?

Vorbehalte gibt es auch hinsichtlich der Stadtveränderungen, die mit der Ankunft großer Konzerne oft einhergehen. So kann der Zuzug hochbezahlter Tech-Arbeitskräfte die Mieten und Lebenshaltungskosten für die restliche Bevölkerung kräftig in die Höhe treiben. Dieses Phänomen ist zum Beispiel in der kalifornischen Bay Area mit der Metropole San Francisco nahe der IT-Hochburg Silicon Valley zu beobachten, aber auch an Amazons bisher einzigem Hauptsitz in Seattle und in etlichen anderen Regionen - nicht nur in den USA.

Die vielen Bewerbungen gewährten Amazon zudem Einblicke in die Standortbedingungen zahlreicher Städte Nordamerikas. Dabei handelt es sich mitunter um wertvolle Daten, die Amazon möglicherweise gut für sich zu nutzen weiß. In den USA wurde deshalb bereits spekuliert, dass Bezos mehr versprochen hat, als er zu liefern bereit war, um an diskrete Details zu kommen, die beispielsweise beim weiteren Ausbau von Amazons Lieferinfrastruktur zu gebrauchen sein könnten.

yes/AFP/dpa

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