Wirtschaft

Aktionäre sprechen Misstrauen aus

Denkzettel für Bayer-Führung

Die Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto hat die Anteilseigner des Bayer-Konzerns verärgert. Wie sehr, das zeigte sich auf der Hauptversammlung in Bonn. Die Aktionäre fällten eine außergewöhnliche Entscheidung.

Maja Hitij/Getty Images

Es gab schon fröhlichere Zeiten bei der Bayer AG: Auf der Hauptversammlung wurde der Führungsspitze das Misstrauen ausgesprochen

Freitag, 26.04.2019   23:38 Uhr

Die Aktionäre der Bayer AG haben der Führungsspitze des Agrarchemie- und Pharmakonzerns bei der Hauptversammlung das Misstrauen ausgesprochen. 55,5 Prozent des anwesenden Grundkapitals stimmten in Bonn gegen eine Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates.

Für Konzernchef Werner Baumann ist dies ein herber Rückschlag: 2018 war der Vorstand noch mit rund 97 Prozent entlastet worden. Baumann hatte die umstrittene Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto im vergangenen Jahr durchgezogen - aus Sicht zahlreicher Großaktionäre war dies eine schlechte Entscheidung, auch weil durch eine Klagewelle in den USA hohe Schadenersatzzahlungen drohen.

Kritik an Monsanto-Übernahme

Sascha Steinbach/EPA-EFE/REX

Werner Baumann geriet auf der Hauptversammlung stark in die Kritik

Die Aktie des Traditionsunternehmens ist seit Langem im Keller, durch die Kursverluste haben Aktionäre Vermögenseinbußen hinnehmen müssen. Baumann verteidigte die Übernahme des US-Konkurrenten für rund 63 Milliarden Dollar als richtig und betonte, der Kauf werde sich auf lange Sicht auszahlen. Manche Aktionäre befürchten dagegen, dass Bayer selbst aufgekauft und zerschlagen werden könnte.

Ob Baumanns Stuhl nun wackelt, ist offen. Viele Kritiker hatten zwar die Entlastung verweigert, verstanden dies aber eher als Denkzettel. Aktionärsvertreter Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka, die zu den größten Anteilseignern von Bayer zählt, wies trotz seiner Kritik am Monsanto-Deal darauf hin, dass ein Stühlerücken an der Konzernspitze "das Chaos noch vergrößern" würde.

Der Aufsichtsrat gab dem Konzernlenker nach einer eilig einberufenen Sitzung am frühen Samstagmorgen demonstrativ Rückendeckung. Man stehe "geschlossen hinter dem Vorstand", hieß es von Seiten des Kontrollgremiums. Man werde den Vorstand dabei "unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre und weiterer Stakeholder in das Unternehmen und seine Strategie schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen".

hba/dpa

insgesamt 117 Beiträge
Faktomat 27.04.2019
1. Baumann muss weg
Wer sich so verschätzt muss weg. Die Übernahme von Monsanto barg und birgt ein existentielles Riskio, für jeden mit USA Erfahrung erkennbar. Ein Egomane, der ein solches Unternehmen aufs Spiel setzt muss weg, egal welche [...]
Wer sich so verschätzt muss weg. Die Übernahme von Monsanto barg und birgt ein existentielles Riskio, für jeden mit USA Erfahrung erkennbar. Ein Egomane, der ein solches Unternehmen aufs Spiel setzt muss weg, egal welche Turbulenzen daraus entstehen. Erinnert sich schon niemand mehr an den Egomanen Dormann, der Hoechst zerstörte ? Es geht nicht darum, ob Roundup (Glyphosat) faktisch gefährlich ist, es geht darum, dass Baumann aus Egogründen nicht kapiert hat, dass dies nicht die relevante Frage ist. Der nicht Belehrbare argumentiert immer noch mit Studienfakten, wo es doch um Emotionen geht. Weg, so schnell wie möglich.
realist12345 27.04.2019
2. Viel riskiert, viel verloren
Die Ursachen der Krebserkrankungen liegen vor der Bayer-Zeit. Bayer sollte die ehemaligen Besitzer entsprechend verklagen und die Kaufsumme weitgehend zurück erhalten. Einen so belasteten Betrieb zu verkaufen, grenzt an Betrug
Die Ursachen der Krebserkrankungen liegen vor der Bayer-Zeit. Bayer sollte die ehemaligen Besitzer entsprechend verklagen und die Kaufsumme weitgehend zurück erhalten. Einen so belasteten Betrieb zu verkaufen, grenzt an Betrug
tomdabassman 27.04.2019
3. Debakel mit Ansage
Wenn ein Konzern zum Verkauf steht, gibt es immer ein ernstes Problem, welches zu Grunde liegt. Das Geschäftsmodell von Monsanto steht seit Jahrzehnten im Kreuzfeuer von Umweltschützern und Regierungen vor Allem in Südamerika [...]
Wenn ein Konzern zum Verkauf steht, gibt es immer ein ernstes Problem, welches zu Grunde liegt. Das Geschäftsmodell von Monsanto steht seit Jahrzehnten im Kreuzfeuer von Umweltschützern und Regierungen vor Allem in Südamerika und Asien. Schon während des Übernahmeprozesses lagen die Karten auf dem Tisch, wie man in diesem nun geradezu prophetisch anmutendem Artikel nachlesen kann: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2016-09/monsanto-bayer-uebernahme-kauf-saatgut-pflanzenschutz-umweltschutz
thequickeningishappening 27.04.2019
4. Die GroßAktionäre sind genauso schuld wie Der Vorstand
Die Folgen waren bekannt und trotzdem wurde Die Uebernahme durchgewunken. So dumm kann Keiner sein weshalb Die Frage berechtigt ist ob Vorsatz im Spiel war ?!
Die Folgen waren bekannt und trotzdem wurde Die Uebernahme durchgewunken. So dumm kann Keiner sein weshalb Die Frage berechtigt ist ob Vorsatz im Spiel war ?!
ulrics 27.04.2019
5.
Hier rächt sich den Giftpanscher Monsanto gekauft zu haben und auch das Krebsgift Glyphosat wird nicht sauberer durch die Wiederholung von Behauptungen.
Hier rächt sich den Giftpanscher Monsanto gekauft zu haben und auch das Krebsgift Glyphosat wird nicht sauberer durch die Wiederholung von Behauptungen.

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