Wirtschaft

Nach Monsanto-Übernahme

Bayer-Aufsichtsratschef bedauert Kursverluste

Vor der Halle der Bayer-Hauptversammlung demonstrieren Hunderte gegen die Produkte des Konzerns und der Tochter Monsanto. Drinnen verteidigt Aufsichtsratschef Wenning die umstrittene Übernahme.

Maja Hitij / Getty Images

Werner Wenning vor den Aktionären

Freitag, 26.04.2019   12:13 Uhr

Der Bayer-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning hat sich bei den Aktionären des Pharma- und Agrarchemiekonzerns entschuldigt. Bayer habe an der Börse starke Kursverluste hinnehmen müssen, "das bedauern wir sehr", sagte Wenning zum Auftakt der Hauptversammlung in Bonn.

Vorstandschef Werner Baumann sagte, es gebe angesichts der Kursverluste "nichts zu beschönigen". Er stellte den Kauf des US-Konkurrenten Monsanto aber dennoch als richtigen Schritt dar, um langfristig vorwärtszukommen.

Bayer hat in den USA zuletzt zwei Gerichtsniederlagen hinnehmen müssen: Krebskranke hatten Schadensersatz wegen des glyphosathaltigen Monsanto-Produkts Roundup gefordert. Sie sehen darin den Grund für ihre Erkrankung. Ein Geschworenen-Gericht hatte im vergangenen August einem Krebspatienten hohen Schadensersatz zugesprochen, im März wurde Bayer ebenfalls in einem Geschworenen-Prozess zu rund 80 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt.

Dämpfer für Baumann erwartet

Vor allem wegen dieser beiden Urteile ist der Kurs der Bayer-Aktie stark abgerutscht, binnen eines Jahres hat sie mehr als ein Drittel an Wert verloren. Bayer geht gegen beide Urteile vor und hofft, dass Berufsrichter die Sache in der nächsten Instanz anders einschätzen als die Geschworenen.

Baumann wiederholte auf der Versammlung den Standpunkt, dass Glyphosat "bei sachgerechter Anwendung ein sicheres Produkt" sei. Mit Blick auf die krebskranken Kläger sagte Baumann: "Glyphosat-basierte Produkte sind nicht der Grund für ihre schweren Erkrankungen." In den USA muss sich Bayer mittlerweile insgesamt 13.400 Produkthaftungsklagen stellen.

Auch mit Blick auf die Rechtsrisiken durch die Monsanto-Übernahme hatten Großaktionäre von Bayer vor der Hauptversammlung Widerstand angekündigt. Der traditionell hohe Zustimmungswert für den Vorstand könnte daher bei dem diesjährigen Aktionärstreff einbrechen. Dies wäre ein herber Dämpfer für Konzernchef Baumann.

Hunderte demonstrieren

Vor den Türen des Kongresszentrums hatten sich mehrere Hundert vor allem junge Menschen versammelt, um gegen die aus ihrer Sicht negative Wirkung von Bayer-Produkten zu demonstrieren. "Wir sind hier, um unseren Protest direkt vor die Aktionärsversammlung zu tragen", sagte der Aktivist Felix Pohl von der Protestbewegung "Fridays for Future". Den Veranstaltern zufolge gab es bis zu 700 Teilnehmer. Von der Polizei gab es zunächst keine Angaben.

Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hatte zu einer Kundgebung aufgerufen. Die langjährigen Bayer-Kritiker werfen dem Konzern vor, auf Gentechnik zu setzen und verwiesen dabei auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel Dicamba.

Mit Dicamba-resistenten Gentechnikpflanzen und Spritzmitteln sei Bayer für hohe Ernteeinbußen verantwortlich, sagte Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL. Seine Organisation warnt vor dem Einfluss von Großkonzernen wie Bayer, die Bauern in Abhängigkeit treiben und der Landwirtschaft damit langfristig schaden würden.

Auch einige Imker waren unter den Demonstranten. Sie sehen die Schuld für das Sterben Tausender Bienen auch bei Bayer und anderen Konzernen, deren Chemikalien die Natur belasteten.

brt/dpa

insgesamt 13 Beiträge
Beat Adler 26.04.2019
1. Gefuehle bei Glyphosat und Wissenschaft bei den Neonicotinoiden
Gefuehle bei Glyphosat und Wissenschaft bei den Neonikotinoiden: Mit Beidem muss Bayer umgehen lernen. Neonikotinoide: 1999 alarmierten Imker in Frankreich die Behoerden: Sie zeigten mit ihren Fingern auf Gaucho, Wirkstoff [...]
Gefuehle bei Glyphosat und Wissenschaft bei den Neonikotinoiden: Mit Beidem muss Bayer umgehen lernen. Neonikotinoide: 1999 alarmierten Imker in Frankreich die Behoerden: Sie zeigten mit ihren Fingern auf Gaucho, Wirkstoff Imidacloprid, Hersteller Bayer, das damals zur Saatbeizung von Sonnenblumenkernen zugelassen war und erzaehlten den Fachleuten, dass sich ihre Bienen nicht mehr normal verhalten. Wenn ein Bauer erklaert, dass seine Kuh Mareili heute schlechte Laune hat, glaubt ihm die Fachwelt sofort. Bei Imkern, die behaupten, dass ihre Bienen herum spinnen, sich nicht mehr "normal" verhalten, war das damals LEIDER NICHT so! Haetten die Experten diese Imker fuer glaubwuerdig gehalten, waere der Welt viel Unheil erspart geblieben! Erschwerend kam damals dazu, dass sich die Varoamilbe ausbreitete und die Imker alle moeglichen Massnahmen, inklusive Behandlung mit Akariziden innerhalb der Bienenstoecke arbeiteten, um dieser Plage Herr zu werden. Heute wissen wir, wissenschaftlich hieb -und stichfest bewiesen, dass geringste Mengen von Neonikotinoidrueckstaenden genuegen, um die Gehirne von Insekten, allen Insekten, zu beeinflussen. Bisher gibt es keine Beweise dafuer, dass neuartige Neonikonioid Wirkstoffe KEINEN Einfluss auf Insektengehirne haben. 1999 war ein einfach nachzuweisen das die geringen Rueckstaende des Imidacloprid in den Pollen der Sonnenblumen, Monate nach der Saatbeizung, KEINE Bienentoxizitaet aufweisen. Von Verhaltensstoerung war damals noch nicht die Rede! Folgene wissenschaftliche Versuche in dieser Richtung ergaben keine Resultate, weder negative noch positiv, sie ware nicht auswertbar, nie statistisch signifikant. Neonikatinoide waren bei ihrer Markteinfuehren regelrechte Wundermittel gegen Insekten. Sie wurden schnell Rund um den Globus zum neuen Standard in der Insektenbekaempfung. Ob sie Mit-Schuld sind am globalen Rueckgang der Insektenpopulationen, in Kombination mit der Umweltveraenderung durch die Globale Erwaermung, ist wiederum sehr schwer wissenschaftlich hieb –und stichfest zu beweisen. Glyphosat ist und bleibt ein Wundermittel bei der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. mfG Beat
Hinrich7 26.04.2019
2. ein Schuß in den Ofen
so sagt man in hausbackenen Kreisen, der Kauf von Monsanto,eingefädelt von zwei Kaufleuten, ein studierter und ein ehemaliger Kaufmann aus dem Bayer- Konzern, was hat Wenning und Baumann geritten? Dekkers der ehemalig [...]
so sagt man in hausbackenen Kreisen, der Kauf von Monsanto,eingefädelt von zwei Kaufleuten, ein studierter und ein ehemaliger Kaufmann aus dem Bayer- Konzern, was hat Wenning und Baumann geritten? Dekkers der ehemalig Konzernchef, ein studierter Chemiker fand die Übernahme von Monsanto zu toxisch - deshalb mußt er gehen. Eigentlich sollten mal wieder Chemiker und Ingenieure in der Konzernspitze den Ton angeben. Als Glyphosat-König findet man sicher noch woanders einen Job.
Hinrich7 26.04.2019
3. ein Schuß in den Ofen
so sagt man in hausbackenen Kreisen, der Kauf von Monsanto,eingefädelt von zwei Kaufleuten, ein studierter und ein ehemaliger Kaufmann aus dem Bayer- Konzern, was hat Wenning und Baumann geritten? Dekkers der ehemalig [...]
so sagt man in hausbackenen Kreisen, der Kauf von Monsanto,eingefädelt von zwei Kaufleuten, ein studierter und ein ehemaliger Kaufmann aus dem Bayer- Konzern, was hat Wenning und Baumann geritten? Dekkers der ehemalig Konzernchef, ein studierter Chemiker fand die Übernahme von Monsanto zu toxisch - deshalb mußt er gehen. Eigentlich sollten mal wieder Chemiker und Ingenieure in der Konzernspitze den Ton angeben. Als Glyphosat-König findet man sicher noch woanders einen Job.
espressotime 26.04.2019
4.
Bayer ist reingelegt worden. Jahrzehntelang war es eine amerikanische Firma und es gab keine Klagen, kaum war es in deutscher Hand wachten die schlafenden Hunden auf und eine Klage nach der anderen flogen rein.
Bayer ist reingelegt worden. Jahrzehntelang war es eine amerikanische Firma und es gab keine Klagen, kaum war es in deutscher Hand wachten die schlafenden Hunden auf und eine Klage nach der anderen flogen rein.
gerosr 26.04.2019
5. Hoffentlich
.. geht es Bayer nicht so wie der Deutschen Bank, die auch "International" spielen wollte "auf Teufel komm raus", und anschliessend durch verlorene Prozesse wieder auf das (nationale) Parkett zurück gehen und [...]
.. geht es Bayer nicht so wie der Deutschen Bank, die auch "International" spielen wollte "auf Teufel komm raus", und anschliessend durch verlorene Prozesse wieder auf das (nationale) Parkett zurück gehen und "Kleinere Brötchen backen" muss! Wie will denn die Bayer- Aktie denn wieder auf Kurse von über 100€ steigen? Nur Arbeitsplätze streichen und dann weiter so wird wohl nicht reichen! Schuster bleib bei deinen Leisten!!!

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