Wirtschaft

Bayer-HV nach Monsanto Übernahme

Großinvestor spricht von "Scherbenhaufen"

"Eine Schande", "ein Scherbenhaufen", die Rechtsrisiken seien "offenbar völlig unterschätzt" worden - die Bayer-Führungsriege musste sich auf der Hauptversammlung harsche Worte von den Aktionären anhören.

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Werner Baumann verteidigt die Monsanto-Übernahme

Freitag, 26.04.2019   18:40 Uhr

Aktionäre und Demonstranten haben auf der Hauptversammlung von Bayer den Kauf des US-Konzerns Monsanto heftig kritisiert. Vor der Kongresshalle protestierten Hunderte Menschen. Drinnen meldeten sich zahlreiche Großaktionäre zu Wort, die mit Vorstand und Aufsichtsrat hart ins Gericht gingen.

Mit Blick auf Imageschäden durch die Glyphosat-Klagewelle in den USA und den rapiden Kursverfall der Bayer-Aktie an der Börse sagte Mark Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): "Nie zuvor hat ein Dax-Konzern Reputation und Wert so schnell eingebüßt - das ist eine Schande."

Seit 2018 hat Bayer in den USA zwei Niederlagen vor Gericht hinnehmen müssen, der Konzern wurde zu hohem Schadenersatz an Krebskranke verurteilt. Bayer geht gegen die Urteile in Berufung.

Insgesamt müssen sich die Leverkusener, die 2018 den Konkurrenten und Saatguthersteller Monsanto übernommen hatten, in den USA mittlerweile 13.400 Schadenersatzklagen wegen Glyphosat stellen - und die Zahl dürfte weiter steigen.

Bau mann bezeichnet Glyphosat als sicher

Kritik kam auf der Versammlung auch vom Analysten Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment: "Die Bayer-Führung hat die Rechtsrisiken des Monsanto-Deals offenbar völlig unterschätzt."

Bayer-Chef Werner Baumann sagte erneut, dass Glyphosat "bei sachgerechter Anwendung ein sicheres Produkt" sei. Mit Blick auf die krebskranken Kläger in den USA sagte der Manager: "Glyphosat-basierte Produkte sind nicht der Grund für ihre schweren Erkrankungen."

Die Rechtsrisiken durch Monsanto seien für das 1863 gegründete Traditionsunternehmen "riesig und unkalkulierbar", kritisierte Nicolas Huber von der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS. "Wir Aktionäre haben große Bedenken um den Fortbestand einer 150 Jahre alten und größtenteils erfolgreichen deutschen Industriegeschichte."

Großinvestor spricht von "Scherbenhaufen"

Ingo Speich von der Deka, die zu den größten Anteilseignern von Bayer zählt, sprach von einem "Scherbenhaufen" und sagte mit Blick auf den Kursverfall: "Innerhalb von nur zwei Jahren ist der einstige Pharmagigant zu einem Zwerg mutiert." Es gebe die Gefahr, übernommen oder sogar zerschlagen zu werden.

Baumann blieb jedoch bei seiner Linie: Man dürfe angesichts der Kurseinbußen zwar nichts beschönigen, dennoch sei der Monsanto-Kauf auf lange Sicht der richtige Schritt gewesen. "Wir halten die Monsanto-Akquisition nach wie vor für werthaltig und strategisch richtig."

Kritik bei Aktionärstreffen ist - auch bei Bayer - durchaus üblich. Unüblich waren hingegen ihre Schärfe und die Ankündigung mehrerer Großaktionäre, Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten zu wollen. Noch vor einem Jahr konnte Baumann hierbei eine Zustimmung von gut 97 Prozent einholen, nun zeichnete sich aber ein deutlich niedrigerer Wert ab.

Mehr als 60 Redner

Im Jahr 2002 hatte es wegen des Lipobay-Skandals für den damaligen Vorstand nur 90 Prozent gegeben - zuvor hatte Bayer den Cholesterinsenker, der im Zusammenhang mit mehreren Todesfällen stand, vom Markt genommen.

Die Hauptversammlung wurde zum Sitzungsmarathon, mehr als 60 Redner standen auf der Liste. Ein Ende war am Abend noch nicht absehbar. Zum Auftakt der Veranstaltung bedauerte der Versammlungsleiter und Aufsichtsratschef Werner Wenning die Kursverluste.

In dem Bonner Kongresszentrum WCCB fanden sich rund 3600 Aktionäre ein, vor den Türen des Gebäudes sorgten bis zu 700 Demonstranten für lautstarken Protest - die meisten von ihnen waren junge Menschen aus der "Fridays-for-Future"-Bewegung.

brt/dpa

insgesamt 19 Beiträge
biesi61 26.04.2019
1. "Wir halten die Monsanto-Akquisition nach wie vor für werthaltig und
strategisch richtig." Angesichts von so viel Ignoranz fehlen einem die Worte! (Und dabei meine ich noch nicht einmal die von Monsantos Profitgier weltweit ausgerotteten Insekten-Populationen.) Die Aktionäre habe es in der [...]
strategisch richtig." Angesichts von so viel Ignoranz fehlen einem die Worte! (Und dabei meine ich noch nicht einmal die von Monsantos Profitgier weltweit ausgerotteten Insekten-Populationen.) Die Aktionäre habe es in der Hand, den Konzern von so einem Minderleister in der Vorstandsetage zu befreien!
telarien 26.04.2019
2. Aufsichtsrat
Da fragt man sich schon, was hat der gemacht? War Schnittchen futtern und das fette Geld kassieren zu anstrengend für etwas echte Kontrolle? Wer kauft sich denn eine Bude ein, gegen die im teuren US-Recht Milliarden Strafen [...]
Da fragt man sich schon, was hat der gemacht? War Schnittchen futtern und das fette Geld kassieren zu anstrengend für etwas echte Kontrolle? Wer kauft sich denn eine Bude ein, gegen die im teuren US-Recht Milliarden Strafen drohen? Von Moral mal ganz zu schweigen.
anark 26.04.2019
3.
In endlicher Zeit wird der Abbaumann seinen gutbezahlten Abschied erhalten - in der Gewißheit, dass die nächste Knallerbude schon bereit steht, seine unterirdischen Leistungen für viel Kohle in Anspruch zu nehmen. Wenn es darum [...]
In endlicher Zeit wird der Abbaumann seinen gutbezahlten Abschied erhalten - in der Gewißheit, dass die nächste Knallerbude schon bereit steht, seine unterirdischen Leistungen für viel Kohle in Anspruch zu nehmen. Wenn es darum geht, sich gegenseitig Zaster bis zum Abwinken in den Arsch zu schieben kennt man sich schließlich.
wilam 26.04.2019
4. Glyphosat vermehrt die Umweltbelastung
egal wie es eingesetzt wird. Das hat die Herrschaften überhaupt nicht interessiert, weil noch nicht justiziabel. So könnte man die Folgen nur gerecht finden, wenn sie nicht die Belegschaft tragen müsste. Wenigstens nett, dass [...]
egal wie es eingesetzt wird. Das hat die Herrschaften überhaupt nicht interessiert, weil noch nicht justiziabel. So könnte man die Folgen nur gerecht finden, wenn sie nicht die Belegschaft tragen müsste. Wenigstens nett, dass sogar ein Aktionär über die "Giftbude" geschimpft hat.
ddcoe 26.04.2019
5. Zum Kursverlust
der Aktien kommt der Imageverlust von Bayer. Und um Glyphosan für ungefâhrlich zu halten. muss man schon der geborene Optimist sein, oder Klöckner hei?en. Bekanntlich sehen das Viele deutlich anders und das sind nicht alle [...]
der Aktien kommt der Imageverlust von Bayer. Und um Glyphosan für ungefâhrlich zu halten. muss man schon der geborene Optimist sein, oder Klöckner hei?en. Bekanntlich sehen das Viele deutlich anders und das sind nicht alle Spinner.

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