Wirtschaft

Glyphosat-Prozesse

US-Richter fordert Bayer zur gütlichen Einigung auf

Wegen mutmaßlicher Krebsgefahr durch den Unkrautvernichter Glyphosat liegen Tausende Klagen vor. Ein US-Richter fordert nun vom Bayer-Konzern und Klägern ein Entgegenkommen - notfalls soll ein Mediator bestellt werden.

Sascha Steinbach / EPA

Bayer-Logo an Firmengebäude

Freitag, 12.04.2019   10:03 Uhr

Zwei Niederlagen hat Bayer bereits in Prozessen der Tochter Monsanto durch angebliche Krebsrisiken von Glyphosat-Produkten bereits kassiert. Zugleich liegen Tausende weitere Klagen vor. Ein US-Richter unternimmt nun einen Vorstoß, um langwierige Gerichtsverfahren abzukürzen.

Der zuständige US-Richter Vince Chhabria, bei dem mehrere Hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt sind, forderte die Kläger und Bayer auf, einen Mediator einzuschalten. Sollten sich die beiden Seiten nicht einigen können, werde ein Mediator gerichtlich bestellt.

Zudem strich der Richter einen für Mitte Mai angesetzten Prozess. Bereits in der vergangenen Woche hatte es Spekulationen über eine Aufforderung zur Mediation gegeben.

"Wir werden selbstverständlich dem Beschluss des Gerichts hinsichtlich des Eintritts in eine Mediation Folge leisten", sagte Bayer-Sprecher Rolf Ackermann. Allerdings sei der Verfahrenskomplex nach erst zwei Jury-Urteilen noch in einer frühen Phase, zumal in keinem Fall die Berufung durchlaufen worden sei. Bayer konzentriere sich daher weiterhin darauf, die eigenen glyphosatbasierten Herbizide und deren Sicherheit vor Gericht zu verteidigen.

Bayer Chart zeigen hatte Ende März einen richtungweisenden Fall am Bundesbezirksgericht in San Francisco unter Vorsitz von Chhabria verloren. Die Geschworenen-Jury urteilte, dass die Bayer-Tochter Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup haftbar ist und dem 70-jährigen Kläger Edwin Hardeman Schadensersatz in Gesamthöhe von 80,3 Millionen Dollar (71,4 Millionen Euro) zahlen muss. Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Jury Monsanto in einem anderen Fall zu einer Millionenzahlung verpflichtet.

Aktuell läuft ein weiteres Verfahren - allerdings bei einem Landgericht - im kalifornischen Oakland. Bei den Klägern handelt es sich um ein krebskrankes Rentnerehepaar, das jahrelang mit dem glyphosathaltigen Mittel Roundup hantierte und den Unkrautvernichter für sein Leiden verantwortlich macht.

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Ende Januar lagen Bayer bereits etwa 11.200 Klagen vor. Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan geht davon aus, dass die Zahl auf mindestens 15.000 steigen wird. Er rechnet mit Belastungen für Bayer in Höhe von fünf Milliarden Euro.

Auch in Europa gibt es Klagen gegen Monsanto wegen möglicher Gesundheitsschäden. Am Donnerstag hat ein französischer Landwirt in einem entsprechenden Verfahren Recht bekommen. Ein Berufungsgericht in Lyon entschied, dass Monsanto wegen "fehlerhafter Produkte" verantwortlich sei.

Zuletzt hat Bayer-Chef Werner Baumann eingeräumt, dass die Glyphosat-Prozesse dem Image von Bayer schaden. "Wir haben zwei Fälle erstinstanzlich verloren. Aufgrund dieser Tatsache ist das Unternehmen ziemlich massiv betroffen, Sie sehen es an unserem Aktienkurs", sagte Baumann am Donnerstag bei einer Tagung in Köln.

Deutlich werde dies an den Reputationswerten vor allem in Deutschland und Frankreich, weniger in den USA. "Und deshalb sind die Herausforderungen in diesem Bereich mit der Akquisition von Monsanto erheblich gestiegen", sagte der Bayer-Chef. "Es wird viel Politik, viel Stimmung und Meinung gemacht, die vollkommen dem derzeitigen Regulierungsstatus unserer Produkte entgegensteht."

Kürzlich hatte Baumann noch bekräftigt: "Der Monsanto-Kauf war und ist eine gute Idee." Die milliardenschwere Übernahme des Glyphosat-Entwicklers habe Bayer mit "größter Sorgfalt" geprüft. Der Kauf von Monsanto kostete Bayer gut 63 Milliarden Dollar. Seit August hat der Konzern gut 31 Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt.

mmq/dpa/Reuters

insgesamt 16 Beiträge
klichti 12.04.2019
1.
Wenn die nachweisen können, daß sie alles mit der einem Kaufmann anstehenden Sorgfalt geprüft haben, bleibt nur eine Schlußfolgerung. irgendwie haben die vorherigen Eigner es geschafft, die Haftungsrisiken zu verschleiern. [...]
Wenn die nachweisen können, daß sie alles mit der einem Kaufmann anstehenden Sorgfalt geprüft haben, bleibt nur eine Schlußfolgerung. irgendwie haben die vorherigen Eigner es geschafft, die Haftungsrisiken zu verschleiern. Logischer Schritt dann: Verkäufer in Regreß nehmen, strafrechtliche Schritte einleiten. Da es vermutlich mehr um die Lizenzrechte als um die operativen Erfolge bei Monsanto ging, als sie die Gurke gekauft haben, kann man das Ding ja schlicht und einfach beerdigen, indem man alle entstehenden Zahlungsrisiken auf diese Einheit beschränkt. Die wird dann zahlungsunfähig, den Rest soll der Verkäufer berappen.
birdie 12.04.2019
2. Die Entscheidung des Richters könnte als Hinweis ...
darauf verstanden werden, dass ein einwandfreier Nachweis für die generwelle Schädlichkeit
darauf verstanden werden, dass ein einwandfreier Nachweis für die generwelle Schädlichkeit
w.diverso 12.04.2019
3. Mich würde wirklich interessieren
wieso Herr Baumann den Kauf von Monsanto so forciert hat. Dass der Kauf wegen dem Glyphosat ein Risiko ist, sollte ja schon vor Jahren klar gewesen sein. Monsanto hatte doch schon diverse Prozesse deswegen am Hals gehabt. Hatte [...]
wieso Herr Baumann den Kauf von Monsanto so forciert hat. Dass der Kauf wegen dem Glyphosat ein Risiko ist, sollte ja schon vor Jahren klar gewesen sein. Monsanto hatte doch schon diverse Prozesse deswegen am Hals gehabt. Hatte Herr Baumann so große Prämien in Aussicht, dass ihm jedes Risiko egal war? Auffällig ist aber auch, dass in Amerika die Prozessmaschinerie erst richtig angelaufen ist, sobald Bayer Monsanto übernommen hatte. Die Amerikaner sind wie es z.B. VW und Boeing gut zeigt, bei amerikanischen Firmen viel zurückhaltender. Aber egal, der Kauf von Monsanto war in der Art wie er erfolgt ist, keine gute Idee. Herr Baumann ist scheinbar nicht so gut wie seine Bezahlung vermuten ließe.
Beat Adler 12.04.2019
4. Zur Abwechslung einmal Wissenschaft statt Gefuehle. Warum nicht?
Zur Abwechslung einmal Wissenschaft statt Gefuehle. Warum nicht? Gerichtsurteiel nach Gefuehl, politische Entscheidungen nach Gefuehl, gehoert zur neuen Zeit, wo Gefuehle verbreitet auf/im/bei Facebook alles in den Schatten [...]
Zur Abwechslung einmal Wissenschaft statt Gefuehle. Warum nicht? Gerichtsurteiel nach Gefuehl, politische Entscheidungen nach Gefuehl, gehoert zur neuen Zeit, wo Gefuehle verbreitet auf/im/bei Facebook alles in den Schatten stellen, die Rationalitaet und die Wisenschaft in die Flucht schlagen. mfG Beat
birdie 12.04.2019
5. Der Vorschlag des Richters könnte als Hinweis ...
darauf verstanden werden, dass ein juristisch einwandfreier Nachweis für die generelle Schädlichkeit von Glyphosphat zur Zeit noch nicht möglich erscheint. Wenn sich das bestätigt, kann eine Sammelklage nicht bearbeitet [...]
darauf verstanden werden, dass ein juristisch einwandfreier Nachweis für die generelle Schädlichkeit von Glyphosphat zur Zeit noch nicht möglich erscheint. Wenn sich das bestätigt, kann eine Sammelklage nicht bearbeitet werden. Das wiederum würde dazu führen, dass eine Riesenzahl von Einzelklagen abgearbeitet werden müssten, was einen Zeitrahmen von mehr als 10 Jahren vorgeben würde. Der Hinweis des Richters könnte daher als Warnung an die Kläger verstanden werden, den Bogen nicht zu überspannen.

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