Wirtschaft

Kriselnder Konzern

Bilfinger-Chef Utnegaard hört überraschend auf

Der Baukonzern Bilfinger kommt nicht zur Ruhe. Nach nur elf Monaten gibt Vorstandschef Per Utnegaard seinen Job auf. Ein Nachfolger soll bereits in Sicht sein.

DPA

Scheidender Bilfinger-Chef Per Utnegaard

Mittwoch, 13.04.2016   17:17 Uhr

Bei Bilfinger gibt es überraschend schon wieder einen Chefwechsel. Per Utnegaard verlässt den Konzern nach nur elf Monaten. Er lege sein Amt als Vorstandsvorsitzender aus persönlichen Gründen Ende April nieder, teilte das Unternehmen mit. Darauf hätten sich der 56-jährige Manager und der Aufsichtsrat einvernehmlich verständigt. Das Kontrollgremium führe bereits Gespräche mit einem möglichen Nachfolger. Er solle in Kürze bekannt gegeben werden. Interimsweise übernehme Finanzvorstand Axel Salzmann den Vorstandsvorsitz.

Utnegaard war erst seit 1. Juni 2015 im Amt. Er hatte angesichts des laufenden Konzernumbaus für 2016 ein "Übergangsjahr" angekündigt und Besserung erst für 2017 in Aussicht gestellt. Die Zurückhaltung der Energiekonzerne nach der Energiewende in Deutschland sowie gekappte Investitionen in der Öl- und Gasindustrie im Zuge des Ölpreisverfalls hatten Bilfinger Chart zeigen in den vergangenen Jahren in die Bredouille gebracht. Zuletzt stand der Verkauf des wichtigen Bau- und Gebäudedienstleistungsgeschäfts zur Disposition. Dem Traditionskonzern, dessen Wurzeln bis 1880 zurückreichen, droht die Zerschlagung.

Auch Stellen wurden gestrichen. Bilfinger hat derzeit noch rund 56.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte vor gut einem Monat einen Rekordverlust von fast einer halben Milliarde Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert. Die Dividende wurde gestrichen, die Aktie brach ein.

Zusammen mit der Mitteilung über den Abgang des Chefs bestätigte Bilfinger nun den im März gegebenen Ausblick für das laufende Jahr.

An der Spitze von Bilfinger stand zeitweise auch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch. Eine Serie von Gewinnwarnungen hatte ihn 2014 den Job gekostet.

mmq/dpa/Reuters

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