Wirtschaft

Flugzeugunglücke

Jetzt hat Trump auch noch ein Boeing-Problem

Während Maschinen vom Typ 737 Max 8 weltweit am Boden bleiben müssen, dürfen sie in den USA weiter fliegen. Dabei geht es der Regierung wohl auch darum, den mächtigen Boeing-Konzern zu schützen.

DPA

Donald Trump, Boeing-Jet Air Force One

Von , Washington
Mittwoch, 13.03.2019   08:28 Uhr

Die Websites Flightview.com und Flightaware.com werden in diesen Tagen in den USA häufig besucht. Dort können Passagiere nachschauen, ob ihr nächster Flug womöglich mit einer Boeing vom Typ 737 Max 8 erfolgt. Wer auf Nummer sicher gehen will, bucht um.

Im Gegensatz zu viele anderen Ländern erlaubt die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) weiterhin den Flugbetrieb der Maschinen dieses Typs. Während die zuständigen Stellen in China, in einigen Staaten im Nahen Osten und in der EU nach den beiden schweren Unglücken in Äthiopien und Indonesien angeordnet haben, dass sämtliche Max-Flugzeuge zunächst am Boden bleiben müssen, sehen die Amerikaner bislang keine Veranlassung zu einer solchen Maßnahme. In den USA betreiben die wichtigen Fluggesellschaften American Airlines und Southwest jeweils einige Dutzend 737 Max Jets.

Die FAA hat ihre Position in einer neuen Mitteilung am Dienstagabend sogar noch einmal bekräftigt. Nach Überprüfung "aller verfügbaren Daten" sehe man keine Grundlage für ein Verbot. Bislang hätten die Überprüfungen der FAA keine "systemischen Leistungsprobleme" bei dem Flugzeugtyp ergeben, hieß es.

Ein Jet als Politikum

Dazu muss man wissen, dass die FAA in Sachen Sicherheit bislang eigentlich einen guten Ruf hat. Sie gilt als besonders streng und kann mit einigem Stolz darauf verweisen, dass es seit zehn Jahren in den USA kein schweres Unglück mehr in der zivilen Luftfahrt gegeben hat. Insgesamt ist Fliegen in Nordamerika heute so sicher wie nie zuvor in der Geschichte. Der letzte große Absturz ereignete sich 2009 im Bundesstaat New York, als eine Continental-Maschine verunglückte. 50 Menschen starben damals.

Trotzdem lautet die große Frage, wie lange die US-Luftfahrtbehörde ihre Position noch durchhalten kann. Denn der neue Boeing-Max-Jet wird zunehmend zum Politikum. Für US-Präsident Donald Trump und seine Regierung, die die FAA beaufsichtigt, geht es um viel: Plötzlich steht das Prestige der US-Luftfahrtindustrie infrage.

Boeing ist eine amerikanische Industrie-Ikone. Zehntausende von Arbeitsplätzen bei dem Hersteller im Bundesstaat Washington, aber auch bei vielen Zulieferern sind vom Erfolg des 737-Jets abhängig. Eine Krise bei dem Mammut-Konzern könnte gravierende Auswirkungen in vielen Teilen des Landes haben. In den vergangenen Tagen sackte der Kurs der Boeing-Aktie bereits um mehr als zehn Prozentpunkte ab. Darauf muss die Regierung bei allem, was sie nun tut, Rücksicht nehmen.

Zugleich wächst der Druck auf Trump, die Passagiere vor etwaigen Gefahren zu schützen. Mehrere Kongressabgeordnete - auch aus Trumps eigener Partei - fordern, den Betrieb des Flugzeugs zu untersagen, solange nicht eindeutig geklärt ist, ob es ein generelles Sicherheitsrisiko bei der Maschine gibt. Unterstützt wird der Appell unter anderem von der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren und vom alten Trump-Rivalen Mitt Romney.

Welche Rolle spielt der Boeing-Einfluss in Washington?

Zunehmende Kritik gibt es dabei auch an dem großen Einfluss von Boeing in der Hauptstadt Washington: Der Konzern pumpt jährlich Millionen von Dollars in die Lobby-Industrie, um seine Interessen zu wahren. Boeing unterstützte die Feier zur Amtseinführung des Präsidenten vor zwei Jahren und spendet Geld an etliche Abgeordnete beider Parteien. Konzern-Boss Dennis A. Muilenburg war zudem bei Trump in dessen Sommerresidenz Mar-a-Lago zu Gast.

Gleichzeitig ist das Unternehmen eng mit der Luftfahrtbehörde FAA verbandelt. Bei der Zertifizierung von Jets arbeiten FAA-Prüfer und Boeing-Ingenieure in den Fabriken des Konzerns Tür an Tür. Laut "New York Times" übernehmen Boeing-Mitarbeiter in dem Zertifizierung-Prozess für die Sicherheitsstandards auch direkt Aufgaben für die FAA. Das soll Zeit und Kosten sparen. Schon seit geraumer Zeit fordern Kritiker, diese Praxis zu überprüfen.

Trump selbst scheint derweil noch unsicher zu sein, was er von der ganzen Sache halten soll. In einem Telefonat ließ sich der Präsident von Boeing-Chef Muilenburg persönlich versichern, dass die Maschinen absolut sicher seien.

Doch fast zeitgleich schimpfte Trump via Twitter über die viele Technik an Bord moderner Jets. "Flugzeuge werden viel zu kompliziert, um sie zu fliegen", klagte Trump. Diese Komplexität erzeuge Gefahren. Statt Piloten seien heute Computer-Wissenschaftler notwendig. "Ich will aber nicht, dass Albert Einstein mein Pilot ist."

Indes: Eine direkte Anordnung an das Verkehrsministerium, sämtliche Boeing-Max-Jets vorerst stillzulegen, will auch Trump nicht geben.

Noch nicht.

insgesamt 130 Beiträge
steinbock8 13.03.2019
1. Geschäft geht vor Sicherheit.
Die Frage sei erlaubt, ob Herr Trump selbst mit dem Flugzeug fliegen würde. Das mit dem Update, haben wir in Deutschland gelernt, bringt nichts, sondern verschlimmbessert die gesamte Situation. Aber die Bedenken stören Trump [...]
Die Frage sei erlaubt, ob Herr Trump selbst mit dem Flugzeug fliegen würde. Das mit dem Update, haben wir in Deutschland gelernt, bringt nichts, sondern verschlimmbessert die gesamte Situation. Aber die Bedenken stören Trump nicht. Amerika First. Business First.
claus7447 13.03.2019
2. Man darf dann nur hoffen
Das bis zu finalen Klärung nichts, aber auch gar nichts mit diesem Flugzeugtyp passiert. Denn dann wäre die Verantwortung klar ausweisbar.
Das bis zu finalen Klärung nichts, aber auch gar nichts mit diesem Flugzeugtyp passiert. Denn dann wäre die Verantwortung klar ausweisbar.
Justitia 13.03.2019
3.
Das ist nun typisch Trump und seine Administration: Die gehen sogar im wahrsten Sinn des Wortes über Leichen! Ob auch US-Bürger zu Schaden kommen ist denen völlig egal, wenn es um US-Industrieinteressen geht. Bevor man einen [...]
Das ist nun typisch Trump und seine Administration: Die gehen sogar im wahrsten Sinn des Wortes über Leichen! Ob auch US-Bürger zu Schaden kommen ist denen völlig egal, wenn es um US-Industrieinteressen geht. Bevor man einen Dollar verliert, riskiert man lieber Menschenleben. Wenn die 737Max tatsächlich unbedenklich ist, dann soll doch Trump mit gutem Beispiel vorangehen und ab sofort anstelle mit der AirForce1 mit einer 737Max fliegen.
Teron 13.03.2019
4.
Natürlich geht es den USA darum Boeing zu schützen. Genauso wie es Irland darum geht dort ansässige Unternehmen zu schützen wie Facebook, siehe gescheiterte Digitalsteuer und Deutschland seine Autoindustrie schützt. alles aus [...]
Natürlich geht es den USA darum Boeing zu schützen. Genauso wie es Irland darum geht dort ansässige Unternehmen zu schützen wie Facebook, siehe gescheiterte Digitalsteuer und Deutschland seine Autoindustrie schützt. alles aus rein egoistischen Interessen und wider besseres Wissen. Wir sollten uns also in diesem Fall hüten mit dem Finger auf die USA zu zeigen.
vliege 13.03.2019
5. Der Wirtschaftliche Schaden
und der Imageverlust wäre bei einer von Boeing verursachten Schuld so groß, das ich befürchte der "Fehler" wird niemals eindeutig festzustellen sein oder niemals geklärt. Die Piloten anderer Airlines die denselben [...]
und der Imageverlust wäre bei einer von Boeing verursachten Schuld so groß, das ich befürchte der "Fehler" wird niemals eindeutig festzustellen sein oder niemals geklärt. Die Piloten anderer Airlines die denselben Typ geflogen sind, haben ähnliche Erfahrungen im Flugverhalten gemacht, aber zu oft hat die Erfahrung gezeigt, das Wirtschaft und Kapital vor Sicherheit und Menschen geht.

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