Wirtschaft

Amtsantritt von Jair Bolsonaro

Rechtspopulist löst Börsenfeuerwerk in Brasilien aus

Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro äußert sich frauenverachtend, rassistisch, homophob, und er will den Umweltschutz beschneiden. Die Finanzmärkte quittieren seine ersten Tage im Amt trotzdem mit Begeisterung.

REUTERS

Jair Bolsonaro bei seiner Amtseinführung am 1. Januar

Donnerstag, 03.01.2019   07:11 Uhr

In Brasilien hat die neue ultrarechte Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro mit einer Reihe von firmenfreundlichen Entscheidungen die Märkte beflügelt. An seinem ersten Arbeitstag übergab Bolsonaro am Mittwoch per Dekret die Verantwortung für Land, das von der indianischen Bevölkerung beansprucht wird, an das Landwirtschaftsministerium.

Er entmachtete damit die Behörde für indigene Angelegenheiten und schürte Ängste, dass die Interessen der Agarindustrie künftig mehr zählen könnten als die der Indianer und der Umweltschutz. Hinzu kamen Entscheidungen zur Privatisierung von Unternehmen, härteren Strafen für Kriminelle und einer nur leichten Anhebung des monatlichen Mindestlohns. Der Aktienindex der Börse in São Paulo stieg 3,6 Prozent, die brasilianische Währung kletterte zum Dollar um 2,4 Prozent.

Investmentbanker als Wirtschaftsminister

Der frühere Militär-Hauptmann und Nationalist Bolsonaro, der mit frauenverachtenden, rassistischen und homophoben Äußerungen für Empörung gesorgt hat, läutet nach drei Jahrzehnten linksorientierter Regierungen in Brasilien eine neue Ära ein. Investoren hoffen, dass sein Eintreten für freie Märkte Brasiliens Wirtschaft wieder in Schwung bringt.

Der neue Wirtschaftsminister Paulo Guedes - ein früherer Investmentbanker - gilt als ultraliberaler "Chicago Boy". Er will Steuern senken und das kostspielige Sozialsystem beschneiden. Bolsonaro, gelegentlich als "Trump Brasiliens" bezeichnet, ist ein bekennender Fan von US-Präsident Donald Trump. US-Außenminister Mike Pompeo, der der Vereidigung Bolsonaros in der Hauptstadt Brasilia beiwohnte, will mit der neuen Regierung enger zusammenarbeiten. "Wir haben die Möglichkeit, gemeinsam gegen autoritäre Regime vorzugehen", sagte er am Mittwoch nach Gesprächen mit seinem Amtskollegen Ernesto Araújo mit Blick etwa auf Venezuela.

AFP

Bolsonaro, US-Außenminister Pompeo

An der Börse legten die Aktien des größten brasilianischen Versorgers Centrais Eletricas Brasileiras um 14,5 Prozent zu, nachdem Energieminister Bento Albuquerque die Teilprivatisierung des Konzerns angekündigt hatte. Noch größer war der Sprung der Aktien des Waffenherstellers Forjas Taurus: Die Papiere legten fast 50 Prozent zu, weil Bolsonaro das Recht auf das Tragen von Waffen liberalisieren will.

beb/Reuters

insgesamt 39 Beiträge
spon_4_me 03.01.2019
1. Ich liebe
Das Wort Trotzdem in der Titelzeile. Es sagt mehr darüber aus, wie Ihr die Welt sehr und gerne hättet als ein Dutzend gelehrter Kommentare.
Das Wort Trotzdem in der Titelzeile. Es sagt mehr darüber aus, wie Ihr die Welt sehr und gerne hättet als ein Dutzend gelehrter Kommentare.
cyberpommez 03.01.2019
2. Kein Wunder.
Würde so jemand in D gewählt, würde der Dax auch steigen. Wenn die Politik sich von Umweltschutz und sozialen Dingen verabschiedet, dann freut das den Börsianer. Wir dürfen nie vergessen, das die Politik dafür da ist uns vor [...]
Würde so jemand in D gewählt, würde der Dax auch steigen. Wenn die Politik sich von Umweltschutz und sozialen Dingen verabschiedet, dann freut das den Börsianer. Wir dürfen nie vergessen, das die Politik dafür da ist uns vor diesen gierigen und skrupellosen Menschen zu schützen. Das verlange i h von einer Partei, die ich wähle und die meine Interessen vertreten soll. Leider gibt es diese Partei noch nicht, deswegen bleibe ich Wahlbeobachter. mfg
boraber1990 03.01.2019
3. Nicht "trotzdem", sondern "natürlich"
"Die Finanzmärkte quittieren seine ersten Tage im Amt trotzdem mit Begeisterung." Wundert sich irgendwer darüber das der Kapitalmarkt diesen Typen feiert? Das passt doch alles zur dunklen Seite des Kapitalismus...
"Die Finanzmärkte quittieren seine ersten Tage im Amt trotzdem mit Begeisterung." Wundert sich irgendwer darüber das der Kapitalmarkt diesen Typen feiert? Das passt doch alles zur dunklen Seite des Kapitalismus...
meinemutti 03.01.2019
4. Die Reaktion der Börse ....
zeigt wie Menschen- und Umweltverachtend unser internationales Wirtschaftssystem ist. Werden Rechte und Schutz aufgelöst jubelt die Börse. War nicht der Regenwald Brasiliens die große Lunge der Erde? Zum Wohle der Wirtschaft [...]
zeigt wie Menschen- und Umweltverachtend unser internationales Wirtschaftssystem ist. Werden Rechte und Schutz aufgelöst jubelt die Börse. War nicht der Regenwald Brasiliens die große Lunge der Erde? Zum Wohle der Wirtschaft weg damit und stattdessen Rinder weiden lassen oder Monokulturen anpflanzen. Ganz zu schweigen von den indigenen Völkern die man seit Entdeckung des Kontinents kontinuierlich bekämpfte.
marthaimschnee 03.01.2019
5. Trotzdem?
Wer das für erstaunlich hält, der hat das Wesen der Finanzmärkte wohl nicht so ganz verstanden.
Wer das für erstaunlich hält, der hat das Wesen der Finanzmärkte wohl nicht so ganz verstanden.

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