Wirtschaft

Nach Schmiergeld-Skandal

Brasilianischer Odebrecht-Konzern ist insolvent

Das Unternehmen wurde von Nachfahren deutscher Einwanderer gegründet und steht im Zentrum von massiven Korruptionsvorwürfen: Nun hat der brasilianische Odebrecht-Konzern Insolvenz angemeldet.

Nacho Doce / REUTERS

Zentrale von Odebrecht in São Paulo

Dienstag, 18.06.2019   08:34 Uhr

Medien sprechen von der größten Firmenpleite in der brasilianischen Wirtschaftsgeschichte: Der Mischkonzern Odebrecht hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen wolle Schulden in Höhe von 51 Milliarden Reais (11,7 Milliarden Euro) restrukturieren, teilte Odebrecht mit.

Der in São Paulo eingereichte Antrag gelte für den Mutterkonzern Odebrecht S.A. und eine Reihe von Tochtergesellschaften. Andere Firmenteile wie beispielsweise die Petrochemie-Sparte Braskem S.A. seien von dem Insolvenzverfahren zunächst nicht betroffen.

Zunächst werde die Firma ihre wirtschaftlichen Aktivitäten fortführen und versuchen, sich finanziell zu stabilisieren, hieß es in der Mitteilung von Odebrecht. Ziel sei es, möglich viele der verbliebenen Arbeitsplätze zu erhalten. Aufgrund der schleppenden Wirtschaftsentwicklung und der juristischen Probleme des Großkonzerns war die Belegschaft in den vergangenen fünf Jahren bereits von 180.000 Mitarbeitern auf zuletzt 48.000 Beschäftigte geschrumpft.

Odebrecht wurde von Nachfahren deutscher Einwanderer gegründet und steht im Zentrum des größten Korruptionsskandals Lateinamerikas. Jahrelang schmierte Odebrecht Politiker und Beamte, um an lukrative Aufträge zu kommen.

Insgesamt soll der Konzern nach Schätzungen der US-Justiz 785 Millionen Dollar an Schmiergeld gezahlt haben. Odebrecht bekannte sich 2016 in den USA schuldig und nahm eine Strafe in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar hin. Es handelte sich damals nach Angaben des US-Justizministeriums um die größte Strafsumme, auf die sich die Prozessbeteiligten jemals in einem internationalen Korruptionsfall geeinigt hätten.

Hunderte Politiker im Visier der Ermittler

In zahlreichen lateinamerikanischen Ländern wird gegen Hunderte Politiker, Unternehmer und Beamte ermittelt. In Brasilien verbüßt der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wegen Bestechlichkeit eine langjährige Freiheitsstrafe. Auch gegen den ehemaligen Staatschef Michel Temer wird wegen Korruption ermittelt.

In Peru stehen praktisch alle Ex-Präsidenten der vergangenen Jahre im Fokus der Ermittler. Auch in Argentinien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Panama, Guatemala, Mexiko, der Dominikanischen Republik, Angola und Mosambik soll Odebrecht kräftig geschmiert haben.

mmq/dpa-AFX

insgesamt 2 Beiträge
Grummelchen321 18.06.2019
1. Je größer
ein konzern desto größer die wahrscheinlichkeit von Korruption.Odebrecht ist mit Sicherheit nur eine Spitze des Internationalen Eisbergs.Wäre mal interesant zu erfahren welche konzerne auf einer internationalen [...]
ein konzern desto größer die wahrscheinlichkeit von Korruption.Odebrecht ist mit Sicherheit nur eine Spitze des Internationalen Eisbergs.Wäre mal interesant zu erfahren welche konzerne auf einer internationalen Korruptionsrangliste auftauchen.Mit Sicherheit sind auf den ersten 50 Plätzen auch deutsche Konzerne vertreten.
max Kistler 19.06.2019
2. falscher Verdacht
dass in dem Artikel ausgerechnet der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva als einziger Schmiergeldempfänger mit Namen genannt wird, ist absurd. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass gerade er mit falschen [...]
dass in dem Artikel ausgerechnet der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva als einziger Schmiergeldempfänger mit Namen genannt wird, ist absurd. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass gerade er mit falschen Beschuldigungen aus dem Wahlkampf geputscht wurde. Sinn der Aktion war es, die von der linken Regierung geführten Korruptionsermittlungen zu verhindern.

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