Wirtschaft

Nach Mitarbeiterbeschimpfung

Liqui-Moly-Chef will sich zurückziehen

"Jämmerlicher Spesenbetrüger" - so soll der Chef des Motorölherstellers Liqui Moly einen entlassenen Mitarbeiter in einer E-Mail an die gesamte Belegschaft genannt haben. Nach der öffentlichen Aufregung zieht er nun die Konsequenzen und will nicht mehr in der Öffentlichkeit auftauchen.

Liqui Moly

Liqui-Moly-Chef Prost: "Ich will in Frieden meine Arbeit machen"

Freitag, 25.05.2012   16:42 Uhr

Ulm - Um markige Worte war Ernst Prost noch nie verlegen. Egal ob gegen die Banker oder für den Mindestlohn - der Chef des Ölherstellers Liqui Moly gibt sich gern als Vorkämpfer der einfachen Leute. 2011 war er der Unternehmer mit den meisten Auftritten in deutschen Talkshows. Auch in der Werbung war sein Gesicht bisher allgegenwärtig. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Prost will sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

"Ich habe unterschätzt, welche Reaktionen ich auslöse an allen Ecken und Enden", sagte Prost. Er wolle nicht mehr auf Plakaten und im Fernsehen für die Firma werben. Auch in Talkshows wolle er nicht mehr auftreten. Auf Facebook schreibt er: "Ich will in Frieden meine Arbeit machen."

Grund für den Rückzug ist ein Pressebericht über harsche Umgangstöne bei Liqui Moly. Der "Stern" hatte aus einer E-Mail des Firmenchefs an alle Mitarbeiter aus dem Jahr 2009 zitiert. Darin heißt es über eine entlassene Führungskraft: "Er ist ein jämmerlicher Spesenbetrüger, geht hinterfotzig auf Firmenkosten mit seinem angetrauten Mann mehr auf Lustreisen als auf Dienstreisen." Und weiter: "Nichts gearbeitet, der Firma geschadet, gelogen und betrogen. Ich sage Ihnen, ich könnte brechen."

Der 55-jährige Prost, der auf einem Schloss wohnt und gern schnelle Autos fährt, will künftig leiser werden. Die Redaktionen von Markus Lanz und anderen Talkshows hätten nach dem Artikel bei ihm angerufen. "Ich habe ihnen gesagt: Nein, ich mach das nicht mehr", sagte Prost.

In der Sache fühlt er sich weiterhin im Recht. Neben dem in der E-Mail angegriffenen Manager habe er drei weitere Führungskräfte seit 1994 entlassen müssen, sagte er. Sie hätten mit ihrem Verhalten Firma und Arbeitsplätze gefährdet. "Ich würde ähnliche Fälle wieder in der Firma öffentlich machen", sagte er. Die Mitarbeiter hätten ein Recht darauf, zu wissen, was passiert. "Für mich ist die Firma eine Familie. Und wer die Firma betrügt, der betrügt die gesamte Mannschaft."

Drei Jahre nach der zitierten E-Mail habe er aber dazugelernt, versichert Prost. "Ich würde wahrscheinlich nicht mehr so impulsiv reagieren und auch an meiner Wortwahl feilen." Die internen E-Mails müssten so geschrieben sein, dass er sie auch auf Facebook stellen könnte.

stk/dapd

insgesamt 37 Beiträge
sappelkopp 25.05.2012
1. Es nervt, sobald jemand mal...
...kein Blatt vor den Mund nimmt, die Dinge beim Namen nennt, ist sofort jemand da, der sich angegriffen fühlt, einen vermeintlichen Skandal ans Tageslicht bringen will oder mit Klage droht. Hey, der einzige, der sich [...]
Zitat von sysopLiqui Moly"Jämmerlicher Spesenbetrüger" - so soll der Chef des Motorölherstellers Liqui Moly einen entlassenen Mitarbeiter in einer Mail an die gesamte Belegschaft genannt haben. Nach der öffentlichen Aufregung zieht er nun die Konsequenzen und will nicht mehr in der Öffentlichkeit auftauchen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,835299,00.html
...kein Blatt vor den Mund nimmt, die Dinge beim Namen nennt, ist sofort jemand da, der sich angegriffen fühlt, einen vermeintlichen Skandal ans Tageslicht bringen will oder mit Klage droht. Hey, der einzige, der sich wehren könnte, wäre der betroffene Mitarbeiter. Hat er aber nicht, wird also was dran sein. Immer nur Kuschelkurs und Geschmuse mit jedermann geht nicht. Es muss mehr Tacheles geredet werden, in diesem Land.
sukowsky 25.05.2012
2. Gelogen und betrogen-da muss man doch dies Worte sagen
Wenn nun der entlassene Mitarbeiter unehrlich gehandelt hat so hat er sich bei dieser harten Wortwahl nicht zu beklagen! Liqui-Moly-Chef hat wohl gehandelt bei dieser Angelegenheit.
Wenn nun der entlassene Mitarbeiter unehrlich gehandelt hat so hat er sich bei dieser harten Wortwahl nicht zu beklagen! Liqui-Moly-Chef hat wohl gehandelt bei dieser Angelegenheit.
OskarVernon 25.05.2012
3. Wird ja auch:
Was Herr Prost da losgelassen hat, ist doch ein laues Lüftchen - gemessen an all dem, was allein in diesem Forum schon so alles in bezug auf angestellte Führungskräfte zu lesen gewesen ist: Nix anderes nämlich sind Herr [...]
Zitat von sappelkopp...kein Blatt vor den Mund nimmt, die Dinge beim Namen nennt, ist sofort jemand da, der sich angegriffen fühlt, einen vermeintlichen Skandal ans Tageslicht bringen will oder mit Klage droht. Hey, der einzige, der sich wehren könnte, wäre der betroffene Mitarbeiter. Hat er aber nicht, wird also was dran sein. Immer nur Kuschelkurs und Geschmuse mit jedermann geht nicht. Es muss mehr Tacheles geredet werden, in diesem Land.
Was Herr Prost da losgelassen hat, ist doch ein laues Lüftchen - gemessen an all dem, was allein in diesem Forum schon so alles in bezug auf angestellte Führungskräfte zu lesen gewesen ist: Nix anderes nämlich sind Herr Ackermann und andere Topmanager oder auch die berüchtigten Bezirksleiter von Aldi, Lidl & Co. ;-) Man fragt sich in der Tat, wo hier nun das Problem liegen soll... oO
kantundco 25.05.2012
4. Aber an seinen Worten muss er wirklich noch feilen...
"Nichts gearbeitet, der Firma geschadet, gelogen und betrogen. Ich sage Ihnen, ich könnte brechen." Statt "Ich könnte brechen" sagt man doch lieber "Ich könnte kotzen!", das ist wenigstens ein [...]
"Nichts gearbeitet, der Firma geschadet, gelogen und betrogen. Ich sage Ihnen, ich könnte brechen." Statt "Ich könnte brechen" sagt man doch lieber "Ich könnte kotzen!", das ist wenigstens ein Stabreim und weiter verbreitet.
vogelskipper 25.05.2012
5. Schade
Sehr schade, denn seine Ansichten in Talk-Shows waren sehr klar, bodenständig und auf das Allgemeinwohl bedacht. So etwas findet man bei Managern selten.
Sehr schade, denn seine Ansichten in Talk-Shows waren sehr klar, bodenständig und auf das Allgemeinwohl bedacht. So etwas findet man bei Managern selten.

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