Wirtschaft

Fusionsgespräche von Commerzbank und Deutscher Bank

Aktien im Höhenrausch

Die Fusionsgespräche von Deutscher Bank und Commerzbank haben die Aktien der Institute kräftig steigen lassen. Auch Vermögensverwalter DWS legte zu - wird er für einen Zusammenschluss verkauft?

AFP

Montag, 18.03.2019   14:37 Uhr

Die Deutsche Bank und die Commerzbank verhandeln seit dem Wochenende offiziell über eine Fusion. Die Aktien der beiden Institute haben daraufhin an der Börse kurz nach Handelsstart um mehr als drei beziehungsweise knapp sechs Prozent zugelegt - und standen in ihren Indizes jeweils auf dem ersten Platz.

Gefragt waren auch die Papiere der DWS, die sich um rund fünf Prozent verteuerten. Anleger spekulieren, dass die Fondstochter der Deutschen Bank zum Verkauf gestellt werden könnte, um die Fusion zu finanzieren. Denn dafür bräuchte die Deutsche Bank voraussichtlich eine Milliardensumme.

Hat die Allianz Interesse an DWS?

Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge prüft Europas größter Versicherer Allianz bereits, ob eine Zusammenführung des DWS-Geschäfts mit seinen eigenen Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors (AGI) sinnvoll wäre. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf Insider jedoch, für die Allianz sei eine Übernahme der DWS derzeit kein Thema.

Commerzbank und Deutsche Bank hatten am Sonntag bekannt gegeben, über einen möglichen Zusammenschluss verhandeln zu wollen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, werben seit Monaten für starke deutsche Banken.

In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Berichte gegeben, die SPD-Politiker Scholz und Kukies hätten Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke gedrängt, ein Zusammengehen zu prüfen. Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, sieht bei einer möglichen Fusion der Deutschen Bank Chart zeigen und der Commerzbank kaum Wettbewerbsprobleme - aber ein Systemrisiko.

Offiziell macht die Bundesregierung ihre Haltung zu einer möglichen Fusion auch von einem Erhalt von Arbeitsplätzen abhängig. "Wir schauen natürlich auf die Zukunft der Arbeitsplätze, um die es geht", sagte Kanzleramtsminister Helge Braun bei einem "Bild"-Talk. "Das ist natürlich ein sehr, sehr relevanter Punkt." Wenn es - wie berichtet - zu Tausenden Arbeitsplatzverlusten käme, "dann ist das natürlich ein schwieriger Befund", sagte der CDU-Politiker.

Die Aufnahme der Gespräche zwischen beiden Banken war von Händlern erwartet worden. Die Commerzbank dürfte als Gewinner einer möglichen Fusion hervorgehen. JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein schrieb, die Commerzbank sei für jede am attraktiven deutschen Markt interessierte Bank eine gute Wahl.

Insgesamt startete der Dax nach seiner starken Vorwoche, die ihn in der Spitze mit über 11.700 Punkten auf das höchste Niveau seit Mitte Oktober klettern ließ, wenig verändert in die neue Woche. Die anstehende erneute Brexit-Abstimmung im britischen Unterhaus halte Anleger aber von weiteren größeren Engagements ab, sagten Börsianer. Premierministerin Theresa May will ihre bereits zweimal gescheiterte Scheidungsvereinbarung mit der EU erneut zur Abstimmung stellen.

Beim angeschlagenen Autozulieferer und Kabelspezialist Leoni ist der Start ins neue Jahr jedoch missglückt. In den ersten zwei Monaten habe sich die anhaltend schwierige Situation in unerwartetem Umfang fortgesetzt, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Leoni-Aktien gaben um gut 14 Prozent nach.

apr/Reuters/dpa

insgesamt 13 Beiträge
Der Kempf 18.03.2019
1. 80 % aller Fusionen führen zum Verlust des Aktienkapitals.
Die meisten dieser Zusammenschlüsse sind doch nur eine Herauszögerung der Pleite. Wenn ein Geschäft nicht läuft, läuft es auch nicht besser, wenn ein Namen vom Markt verschwindet. Siehe Kaufhof-Karstadt, siehe [...]
Die meisten dieser Zusammenschlüsse sind doch nur eine Herauszögerung der Pleite. Wenn ein Geschäft nicht läuft, läuft es auch nicht besser, wenn ein Namen vom Markt verschwindet. Siehe Kaufhof-Karstadt, siehe Thyssen-Krupp, siehe Daimler-Chrysler, siehe Commerzbank-Dresdner Bank. Diese "Mergers" waren doch alles nur verhinderte Pleiten. Gross ist nicht gleichbedeutend mit wirtschaftlich erfolgreich. Ökonomie beschäftigt sich nicht mit Riesenwuchs, sondern mit optimalen Betriebsgrößen. Die man an der Profitabliltät erkennt, nicht an den langjährig geschriebenen Verlusten.
wire-less 18.03.2019
2. Banken = Risikokapital
mein Portfolio enthält keine einzige Bankaktie. Ich sehe momentan nicht mit welchem Geschäftsmodell die auf dem momentanen Niveau weitermachen wollen. An Krediten ist nicht mehr viel verdient und ich sehe auch nicht das die [...]
mein Portfolio enthält keine einzige Bankaktie. Ich sehe momentan nicht mit welchem Geschäftsmodell die auf dem momentanen Niveau weitermachen wollen. An Krediten ist nicht mehr viel verdient und ich sehe auch nicht das die EZB die Zinsen in absehbarer Zeit anheben kann. Bei Zahlungsdienstleistungen/Kontoführung stehen große Umbrüche an. Die Digitalisierung macht Personal überflüssig und kann Kontoführung beliebig billig machen. Und da werden Apple, Amazon, Google und co. einbrechen. D.h. ich sehe einen schnellen Schrumpfungsprozess bei den Banken. Den aktuellen Kurssprung werden viele Nutzen um sich von den Aktien zu befreien.
gersois 18.03.2019
3. Höhenrausch?
Lächerlich! Die DB-Aktie ist gerade über die 8-Euro-Marke gekommen, die Com-Aktie liegt bei 7,60. Wo ist da die Höhe? Wirecard hat 1,50 zugelegt und Amazon 26 USD in NY.
Lächerlich! Die DB-Aktie ist gerade über die 8-Euro-Marke gekommen, die Com-Aktie liegt bei 7,60. Wo ist da die Höhe? Wirecard hat 1,50 zugelegt und Amazon 26 USD in NY.
unaufgeregter 18.03.2019
4. Keiner wird bleiben
Commerzbank und Deutsche Bank sind Fälle für die Abwicklung. Der Zusammenschluss wird lediglich mehr Kosten für den Steuerzahler bedeuten, der die neue Großbank dann "retten" muss. Systemrelevanz und so.
Commerzbank und Deutsche Bank sind Fälle für die Abwicklung. Der Zusammenschluss wird lediglich mehr Kosten für den Steuerzahler bedeuten, der die neue Großbank dann "retten" muss. Systemrelevanz und so.
Patenting 18.03.2019
5. Zwei Nullen ergeben - eine grösser Null !
Der Niedergang der Banken ist politisch gewollt, eine logische Folge der Null- bzw. Negativzins-Politik zum Zwecke der Staatsfinanzierung. Die Verstaatlichung der Banken ist die logische Folge. Die Zeche zahlt am Ende, wie immer, [...]
Der Niedergang der Banken ist politisch gewollt, eine logische Folge der Null- bzw. Negativzins-Politik zum Zwecke der Staatsfinanzierung. Die Verstaatlichung der Banken ist die logische Folge. Die Zeche zahlt am Ende, wie immer, der Bürger als Sparer und Steuerzahler ... Neue Wirtschaftspolitik = Sozialistische Planwirtschaft!

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