Wirtschaft

Deutsche Bahn

Defekte Schweißnähte verhindern Auslieferung von neuen ICE-4-Modellen

Wieder Ärger für die Deutsche Bahn: An den neuen ICE-4-Zügen sind defekte Schweißnähte aufgetreten. Die Auslieferung ist deshalb gestoppt - obwohl das Modell dringend benötigt wird.

DPA

ICE 4

Von
Donnerstag, 04.04.2019   16:25 Uhr

Dem Bahnvorstand droht ein herber Rückschlag in puncto Pünktlichkeit: An den dringend benötigten ICE-Zügen der Generation 4 sind defekte Schweißnähte gefunden worden. Derzeit verweigert die Bahn deshalb die Abnahme von Zügen des Herstellers Siemens. Dabei waren sie für einen reibungslosen Bahnbetrieb in diesem Jahr fest eingeplant worden.

Die Qualitätsmängel sollen auch bei 15 Wagen aufgetreten sein, die bereits im Betrieb sind. Wegen der Reparatur werden sie über Monate ausfallen. Die nicht fachgerechten Schweißnähte befinden sich an den sogenannten Wagenkästen, dem Rohbau eines Waggons rund um den Passagierraum. Die defekte Schweißnaht ist beim Zulieferer der Wagen-Aufbauten, Bombardier, durch das Versehen eines Schweißers produziert worden. Eine Reparatur ist kompliziert, weil die Stellen zunächst freigelegt werden müssen.

Siemens und die Deutsche Bahn versichern aber, dass die 25 bisher ausgelieferten Züge sicher seien. Die Schäden seien nicht sicherheitsrelevant, man habe aber Meldung an das Eisenbahnbundesamt erstattet.

Die Auswirkungen auf den Betrieb sind noch nicht abzusehen. "Sobald wir von den Herstellern verlässliche Informationen dazu vorliegen haben, erstellen wir mit Hochdruck entsprechende Ersatzzug-Konzepte", sagte ein Bahn-Sprecher. Für die Kunden gebe es "aktuell keine Beeinträchtigungen".

Mehr als jeder fünfte Fernzug kam im ersten Vierteljahr zu spät

Für Bahn-Chef Richard Lutz und seinen Vorstand kommt die technische Panne zur Unzeit: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte ein Ultimatum bis zum Sommer gesetzt, um die Verspätungsbilanz zu verbessern. Bereits jetzt plagt die Bahn ein Engpass bei funktionstüchtigen Zügen, weil die Werkstätten nicht mit der Reparatur nachkommen.

Die Folge sind Zugausfälle oder Verspätungen. Mehr als jeder fünfte Fernzug kam im ersten Vierteljahr 2019 sechs oder mehr Minuten zu spät. Im März waren 78,4 Prozent der Fernzüge pünktlich - das heißt im System der Bahn, dass ein Zug spätestens fünf Minuten und 59 Sekunden nach der im Fahrplan vorgesehenen Zeit eintrifft. Mit durchschnittlich 78,2 Prozent pünktlicher Fernzüge im ersten Vierteljahr konnte sich die Bahn verglichen mit dem Vorquartal zwar verbessern. Sie blieb aber hinter dem ersten Quartal des schwachen Jahres 2018 zurück.

Sollten Lutz und sein Team die Probleme nicht in den Griff bekommen, könnte die Bundesregierung als Alleineigentümer einen personellen Neuanfang an der Bahnspitze verordnen.

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