Wirtschaft

Entschädigungen für Verspätungen

Bahn-Kunden erhalten mehr Geld zurück

Jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn kam 2018 zu spät. Das kostet das Staatsunternehmen Dutzende Millionen Euro - und immer mehr Reisende nehmen ihre Rechte wahr.

ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX

ICE in Frankfurt Main (Archiv)

Montag, 18.02.2019   14:32 Uhr

Wegen Verspätungen muss die Deutsche Bahn ihren Kunden immer höhere Entschädigungen zahlen. Im vergangenen Jahr seien es im Nah- und Fernverkehr insgesamt 53,6 Millionen Euro gewesen, sagte eine Konzern-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Im Vorjahr ließen sich Bahn-Kunden 34,6 Millionen Euro erstatten.

Immer mehr Reisende nehmen den Angaben zufolge auch ihre Rechte wahr: 2,7 Millionen füllten im vergangenen Jahr das Fahrgastrechte-Formular aus, ein Drittel mehr als 2017. Auch die durchschnittliche Entschädigungssumme steigt: Knapp 20 Euro waren es 2018, im Vorjahr noch gut 19 Euro.

Bei der Entschädigung gilt: Kommt der Reisende mindestens eine Stunde zu spät, erhält er auf Antrag ein Viertel des Fahrpreises zurück. Ab zwei Stunden ist es die Hälfte.

Europaparlament fordert höhere Entschädigungen

Zahlreiche Eisenbahn-Unternehmen sind am Entschädigungssystem beteiligt, nicht nur die Deutsche Bahn. Die größten Summen betreffen aber den Fernverkehr, den fährt fast nur der Staatskonzern.

Jeder vierte Fernzug kam 2018 zu spät. Die Bahn verwies auf viele externe Einflüsse: Stürme, Starkregen, Blitzeinschläge und Trockenheit bremsten die Züge aus. Hinzu kam eine Streckensperrung nach dem Brand in einem ICE und ein Warnstreik im Dezember.

Künftig können sich geschädigte Kunden vielleicht noch mehr Geld zurückholen. Das EU-Parlament fordert, dass schon ab einer Stunde die Hälfte des Fahrkartenpreises fällig wird, ab eineinhalb Stunden dann drei Viertel. Bei mehr als zwei Stunden soll nach dem Willen der EU-Parlamentarier der volle Preis erstattet werden.

Verbraucherschützer fordern zudem seit Jahren eine Möglichkeit für Kunden, ihre Rechte auch online geltend zu machen. "Dass Geschädigte das Fahrgastrechte-Formular ausdrucken und per Briefpost zusenden müssen, ist nicht mehr zeitgemäß, sondern geradezu antiquiert", sagte Verkehrsexpertin Marion Jungbluth dem "Handelsblatt". Sie vermutet, dass die Kunden dann deutlich häufiger ihr Geld zurückfordern würden.

Nicht nur die Kunden verlangen Geld zurück, wenn die Bahn unpünktlich ist. Im Regionalverkehr kürzen die Besteller die vereinbarten Zahlungen, wenn die Unternehmen dem Fahrplan hinterher fahren. Allein der Deutschen Bahn entgehen so Jahr für Jahr mehr als 200 Millionen Euro. Sie hat im Regionalverkehr etwa 70 Prozent Marktanteil.

Die Entschädigungen schmälern damit den Gewinn, der 2017 bei einem Umsatz von 42,7 Milliarden Euro noch bei 765 Millionen Euro lag; Zahlen für 2018 werden im März veröffentlicht. Zur Einordnung: Ein neuer ICE kostet knapp 40 Millionen Euro.

apr/dpa

insgesamt 19 Beiträge
Lagrange 18.02.2019
1. richtig so!!!
fände ich auch gut. Nich weil ich umbedingt mehr Geld haben möchte, sondern weil man Anreize für die Bahn schaffen muss, dass es nicht mehr so häufig zu Verspätungen kommt. Ich fände es sogar gut, wenn die Bahn bei online [...]
fände ich auch gut. Nich weil ich umbedingt mehr Geld haben möchte, sondern weil man Anreize für die Bahn schaffen muss, dass es nicht mehr so häufig zu Verspätungen kommt. Ich fände es sogar gut, wenn die Bahn bei online gekauften Tickets das Geld unaufgefordert zurücküberweisen müsste - das gilt auch gür Sitzplatzreservierungen, falls das Sitzplatzsystem versagt hat.
someoneunreal 18.02.2019
2.
Der Titel des Artikels ist leider irreführend. Für einen Moment hab ich mich gefreut, dass es MEHR Geld zurück gibt - also eine Neuregelung bei Verspätungen. Stattdessen geht es um irgendeinen Durchschnitt über alle [...]
Der Titel des Artikels ist leider irreführend. Für einen Moment hab ich mich gefreut, dass es MEHR Geld zurück gibt - also eine Neuregelung bei Verspätungen. Stattdessen geht es um irgendeinen Durchschnitt über alle Fahrgäste hinweg, der mir als Verbraucher ziemlich Latte ist. Und "Forderungen der EU" sind ebenfalls nichts viel wert, da sie ebenfalls so oder so ähnlich seit Jahren bestehen. Und wo ist nun die News?
konib 18.02.2019
3. Richtige Richtung
Wenn man an die Entschädigungen im Flugverkehr denkt, klingt es vernünftig auch bei der Bahn die Entschädigungen zu erhöhen.
Wenn man an die Entschädigungen im Flugverkehr denkt, klingt es vernünftig auch bei der Bahn die Entschädigungen zu erhöhen.
jujo 18.02.2019
4. ...
Ich finde es gut, das immer mehr Leute ihre Rechte auf Erstattung wahrnehmen. Die Formulare dazu sind leicht und simpel in wenigen Minuten ausgefüllt. Bei mir erfolgte die Erstattung zeitnah. Ich war zufrieden.
Zitat von someoneunrealDer Titel des Artikels ist leider irreführend. Für einen Moment hab ich mich gefreut, dass es MEHR Geld zurück gibt - also eine Neuregelung bei Verspätungen. Stattdessen geht es um irgendeinen Durchschnitt über alle Fahrgäste hinweg, der mir als Verbraucher ziemlich Latte ist. Und "Forderungen der EU" sind ebenfalls nichts viel wert, da sie ebenfalls so oder so ähnlich seit Jahren bestehen. Und wo ist nun die News?
Ich finde es gut, das immer mehr Leute ihre Rechte auf Erstattung wahrnehmen. Die Formulare dazu sind leicht und simpel in wenigen Minuten ausgefüllt. Bei mir erfolgte die Erstattung zeitnah. Ich war zufrieden.
raoul2 18.02.2019
5. Wenn die DB weiterhin "spart",
anstatt ernsthaft daran zu arbeiten, die Gründe für Verspätungen zu bekämpfen, muß sie halt dazu "gezwungen" werden. Wobei man aber leider davon ausgehen muß, daß sich bei einem Betrieb, der sich anscheinend immer [...]
anstatt ernsthaft daran zu arbeiten, die Gründe für Verspätungen zu bekämpfen, muß sie halt dazu "gezwungen" werden. Wobei man aber leider davon ausgehen muß, daß sich bei einem Betrieb, der sich anscheinend immer noch und weiterhin als "Staatsbetrieb" versteht, trotz aller Beteuerungen so schnell nichts ändert. Es ist zwar beSCHEUERt - um sich einmal diesen Kalauer zu erlauben -, aber die (politischen) Bremser sind wohl nur durch schmerzhaften Zwang zu bewegen, sich wirklich zu bewegen ...

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