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Deutsche Bank und Commerzbank sagen Fusion offiziell ab

Deutsche Bank und Commerzbank wollen doch nicht fusionieren. Nach wochenlangen Verhandlungen haben sie die Gespräche nun offiziell beendet.

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Donnerstag, 25.04.2019   10:42 Uhr

Deutsche Bank und Commerzbank haben einer Fusion der beiden Geldhäuser eine Absage erteilt. Nach gründlicher Prüfung habe sich herausgestellt, dass ein solcher Zusammenschluss nicht im Interesse der Aktionäre sowie anderer Interessengruppen beider Unternehmen wäre, teilten beide Banken mit.

Ein Zusammenschluss würde keinen ausreichenden Mehrwert bieten - "auch mit Blick auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration einhergehen".

Die Vorstände beider Banken hatten seit Mitte März über eine Fusion verhandelt. Nach SPIEGEL-Informationen war es nun vor allem Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der vor dem Schritt zurückschreckte. Zu komplex scheinen ihm der Zusammenschluss der zwei Großbanken und die damit verbundenen Aufgaben.

Hälfte der Deutschen gegen Fusion

Hinzu kommt, dass es die Befürworter einer Bankenfusion versäumt haben, die Öffentlichkeit vom Sinn des Vorhabens zu überzeugen. Einer Umfrage zufolge war zuletzt etwa die Hälfte der Deutschen gegen die Fusion.

Das liegt auch daran, dass bei einem Zusammenschluss bis zu 30.000 Jobs weggefallen wären. Die Gewerkschaften liefen deshalb seit dem Bekanntwerden der Pläne Sturm. Auch große Investoren der Deutschen Bank, darunter das Emirat Katar und der chinesische Mischkonzern HNA, sahen eine Fusion skeptisch.

Es sei durchaus "sinnvoll" gewesen, die Option einer innerdeutschen Konsolidierung zu prüfen, teilten Sewing sowie Commerzbank-Chef Martin Zielke mit. "Für uns war aber von Anfang an klar: Mit einem Zusammenschluss müssten wir höhere und nachhaltigere Renditen für unsere Aktionäre erreichen und die Leistungen für unsere Kunden verbessern können", teilten beide Banken wortgleich mit.

Deutsche Bank macht mehr Gewinn als erwartet

Die Deutsche Bank gab am Donnerstag zugleich vorläufige Geschäftszahlen für das erste Quartal des Jahres bekannt. So rechnet sie für die Monate Januar bis März mit einem Gewinn von rund 200 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Bank 120 Millionen Euro Gewinn erzielt. Von der Bank befragte Analysten hatten für das erste Quartal 2019 im Schnitt lediglich mit einem Nettogewinn von 29 Millionen Euro gerechnet.

"Unsere vorläufigen Ergebnisse zeigen die Stärke unseres Kundengeschäfts", sagte Sewing. "Wir sind bei Krediten und Einlagen gewachsen, haben das verwaltete Vermögen wieder steigern können und unsere Marktanteile im Emissions- und Beratungsgeschäft verbessert."

Mit Einsparungen habe die Bank niedrigere Erträge weitgehend ausgleichen können. "Wir sind auf einem sehr guten Weg, unser Kostenziel von 21,8 Milliarden Euro für das Jahr 2019 zu erreichen." Das vollständige Zahlenwerk will die Bank am Freitag präsentieren.

stk/dpa

insgesamt 58 Beiträge
timtonic 25.04.2019
1. Als Commerzbank-Kunde
kann ich nur sagen: Gott sei Dank!
kann ich nur sagen: Gott sei Dank!
bigfraggle007 25.04.2019
2.
Fein, die Großbanken im Ausland reiben sich schon die Hände. Bin gespannt, wer zuerst von beiden geschluckt wird...
Fein, die Großbanken im Ausland reiben sich schon die Hände. Bin gespannt, wer zuerst von beiden geschluckt wird...
Bibendumx 25.04.2019
3. it's economy, stupid
Also wenn die Gewerkschaften meinen, dass die infrage stehenden 30000 Arbeitsplätze ohne eine Fusion nun sicherer wären - ich glaube es nicht. Dafür sind beide Banken zu marode und was kann die Commerzbank, was andere Banken [...]
Also wenn die Gewerkschaften meinen, dass die infrage stehenden 30000 Arbeitsplätze ohne eine Fusion nun sicherer wären - ich glaube es nicht. Dafür sind beide Banken zu marode und was kann die Commerzbank, was andere Banken nicht können? Nix!
Pragmatiker 307 25.04.2019
4. Gut so!
Die Deutsche Bank hat so einen sagenhaft schlechten Ruf und beteiligt sich weiterhin an der Nahrungsmittelspekulation, die mehr Opfer fordert als alle Kriege zusammengenommen. Will die Commerzbank nicht in diesen Strudel [...]
Die Deutsche Bank hat so einen sagenhaft schlechten Ruf und beteiligt sich weiterhin an der Nahrungsmittelspekulation, die mehr Opfer fordert als alle Kriege zusammengenommen. Will die Commerzbank nicht in diesen Strudel hineingeraten, so bleibt sie besser eigenständig.
kraut&ruebe 25.04.2019
5. Heide Simonis lässt grüssen
Olaf Scholz so: "Und was wird aus mir?"
Olaf Scholz so: "Und was wird aus mir?"

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