Wirtschaft

Verlierer der geplatzten Bankenfusion

Drei Männer und ihr Baby

Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren doch nicht. Das ist vor allem für drei Männer peinlich, die sich für den Zusammenschluss starkgemacht haben - und damit krachend gescheitert sind.

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Achleitner, Scholz, Kukies: die Verlierer der Fusion

Ein Kommentar von
Donnerstag, 25.04.2019   19:53 Uhr

Als alles vorbei war, meldete sich Olaf Scholz dann doch noch mal zu Wort. "Die global agierende deutsche Industrie braucht konkurrenzfähige Kreditinstitute, die sie in aller Welt begleiten können", ließ der Finanzminister und Vizekanzler mitteilen. Fusionen wie von Deutscher Bank und Commerzbank hätten aber "nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechnen und auf ein belastbares Geschäftsmodell zusteuern".

Das war alles. Mehr hatte der Mann nicht zu sagen, mit dem, wenn man den Erzählungen in der Branche glauben darf, alles begonnen hatte. Im vergangenen Spätsommer blies Scholz auf einer Bankentagung in Frankfurt zur industriepolitischen Offensive: Es sei ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche, dass die hiesigen Banken "nicht die notwendige Größe haben, um die Unternehmen zu begleiten", monierte er damals.

Es war der Beginn eines politisch begleiteten Fusionsdramas, das an diesem Donnerstag sein jähes Ende fand - und bei dem Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies eine ähnlich unglückliche Rolle spielten wie der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner.

Alle drei wollten den Zusammenschluss der beiden größten privaten Banken des Landes - und alle drei sind damit gescheitert.

Scholz stellte sich dabei besonders ungeschickt an, weil er die Fusion zusammen mit Ex-Investmentbanker Kukies zunächst hinter den Kulissen antrieb, öffentlich aber praktisch verstummte, sobald klar wurde, dass die Pläne bei den Gewerkschaften und großen Teilen der Bevölkerung wenig Zuspruch fanden.

Man kann darüber streiten, ob eine Megabank überhaupt sinnvoll wäre (und vieles spricht dafür, dass sie es nicht wäre) - aber wenn Scholz von der Fusion wirklich überzeugt ist, hätte er stärker dafür einstehen müssen. Stattdessen war monatelang praktisch gar nichts mehr von ihm dazu zu hören. So bleibt der Eindruck, dass da einer die Finger weggezogen hat, als es ihm zu heiß wurde.

Foto: Frank Rumpenhorst / DPA

Auch Paul Achleitner spann lieber die Fäden im Hintergrund, statt sich öffentlich zu äußern. Er war der wohl größte Befürworter des Deals innerhalb der Deutschen Bank - und schaffte es weder, die Aufsichtsräte von dem Plan zu überzeugen noch die großen Investoren noch seinen eigenen Vorstandschef, Christian Sewing. Ein Komplett-Debakel.

Für Achleitner ist es nicht der erste Fehlschlag dieser Art. Schon vor knapp 20 Jahren versuchte er als Finanzvorstand des Versicherungsriesen Allianz die Deutsche Bank mit der Dresdner Bank zusammenzubringen. Erfolglos. Und auch als Oberaufseher der Deutschen Bank machte er schwere Fehler - zum Beispiel, als er viel zu lange an Bankchef Anshu Jain festhielt, der mit seinen Investmentbankern den Konzern erst in die verzweifelte Lage gebracht hat, aus der dieser bis heute nicht mehr herausfindet.

Während Vorstandschef Sewing aus dem Fusionsdrama einigermaßen unbeschadet rauskommen dürfte, weil er sich nie ganz verbiegen ließ, ist Achleitner nun angeschlagener denn je. Er hat womöglich seine letzte Chance verspielt, in der Geschichte der Deutschen Bank später einmal als einer der Guten aufzutauchen.

insgesamt 23 Beiträge
serum_user 25.04.2019
1. Ich bin glücklich!
Fusion ist keine Lösung. Die Banken sollten einmal Umdenken und kundenfreundlicher werden. Wir befinden uns nicht mehr in der Steinzeit.
Fusion ist keine Lösung. Die Banken sollten einmal Umdenken und kundenfreundlicher werden. Wir befinden uns nicht mehr in der Steinzeit.
cecile10 25.04.2019
2.
Herrn Scholz möge man sein industriepolitisches Engagement verzeihen - er ist Politiker. Herr Achleitner ist als Aufsichtsratschef eine Schande. Leider wird er aber an diesem Anker festhalten. Sehr zum Schaden der Aktionäre der [...]
Herrn Scholz möge man sein industriepolitisches Engagement verzeihen - er ist Politiker. Herr Achleitner ist als Aufsichtsratschef eine Schande. Leider wird er aber an diesem Anker festhalten. Sehr zum Schaden der Aktionäre der Deutschen Bank. Gott sei Dank wurden die Comerzbank-Aktionäre von diesem wichtigtuenden Kapitalvernichter verschont. Ob dies die Aussichten der Commerzbank jedoch wesentlich verbessern wird, bleibt abzuwarten. Immerhin besser aber als wenn die Commerzbank der Faustpfand zur Resturkturierung der Deutschen Bank geworden wäre - man Bedenke nur, wie aus Badwill Eigenkapital geworden wäre.
kraut&ruebe 25.04.2019
3. Achleitner
Paul Achleitner ist seit 2012 der bestbezahlte und gleichzeitig erfolgloseste AR-Vorsitzende eines DAX-Konzerns. Er hat sich zum wiederholten Mal verhoben, nach 7 Jahren sollte auf der kommenden HV Schluss sein. Andernfalls sollte [...]
Paul Achleitner ist seit 2012 der bestbezahlte und gleichzeitig erfolgloseste AR-Vorsitzende eines DAX-Konzerns. Er hat sich zum wiederholten Mal verhoben, nach 7 Jahren sollte auf der kommenden HV Schluss sein. Andernfalls sollte die HV ihm die Entlastung verweigern.
jufo 25.04.2019
4. Besser so
Eine politisch verordnete Fusion hätte vermutlich kein gutes Ergebnis gebracht. Die Niedrigzinsphase macht den Banken und Sparern das Leben schwer, sie gehört beendet denn sie steigert nur den Verschuldungswillen der Staaten [...]
Eine politisch verordnete Fusion hätte vermutlich kein gutes Ergebnis gebracht. Die Niedrigzinsphase macht den Banken und Sparern das Leben schwer, sie gehört beendet denn sie steigert nur den Verschuldungswillen der Staaten ohne Investitionen zu fördern.
rosinenzuechterin 25.04.2019
5. Unangemessene Berichterstattung
Man kann es aber auch übertreiben mit der Berichterstattung, den Hineindeutereien, den Unkenrufen usw. Die Fusion war halt eine Idee, die ins Spiel gebracht wurde und von der ergebnisoffen geprüft wurde, ob sie gut ist. Manche [...]
Man kann es aber auch übertreiben mit der Berichterstattung, den Hineindeutereien, den Unkenrufen usw. Die Fusion war halt eine Idee, die ins Spiel gebracht wurde und von der ergebnisoffen geprüft wurde, ob sie gut ist. Manche waren dafür, manche dagegen. Man ist - BEVOR man überhastet zwei Banken zusammengeschmissen hat - zu dem Ergebnis gekommen, dass die Idee nicht das hervorbringt, was man sich erhofft hat, und lässt es nun bleiben. Herr Scholz und seine Strohpuppen nehmen das zur Kenntnis. Ich finde nicht Anrüchiges daran, eine Idee zu haben, mit der man sich nicht durchsetzen kann. Man hat eben - auch als Minister, Banker oder Ex-Banker - nicht immer Recht. Oder man hat Recht, müsste dies aber mit der Brechstange durchsetzen, wovon die Herren wohlbesonnen Abstand nehmen. Das alles sollte uns nicht davon abhalten, auch weiterhin Ideen zu haben und zu entwickeln. Eine solche Berichterstattung wäre allenfalls angebracht gewesen, wenn Herr Scholz - so er es überhaupt hätte können - die Fusion gegen alle Widerständen und den gesunden Menschenverstand durchgesetzt hätte.

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