Wirtschaft

Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank

Was für den neuen Bankenriesen spricht - und was dagegen

Deutsche Bank und Commerzbank verhandeln über eine Fusion. Doch wie soll das funktionieren? Und was hieße es für Mitarbeiter und Kunden? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

DPA

Türme von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt

Von und
Montag, 18.03.2019   16:55 Uhr

Seit dem Wochenende ist es offiziell: Die beiden größten deutschen Finanzinstitute wollen über einen Zusammenschluss verhandeln. Sollten Deutsche Bank und Commerzbank zusammengehen, entstünde daraus eine neue Riesenbank mit rund 38 Millionen Privat- und Firmenkunden und anfänglich rund 140.000 Mitarbeitern. Doch der Deal ist kompliziert, die Kritik schon jetzt groß. Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Dass die Bankenfusion überhaupt zum Thema wird, liegt vor allem an der schwierigen Lage der Deutschen Bank. Das größte deutsche Geldhaus gehörte einst auch zu den größten der Welt - unter Konzernchef Josef Ackermann spielte es in den Nullerjahren mit im großen Zockerspiel der Finanzgiganten. Doch nach der Finanzkrise wurde alles anders.

Während sich die amerikanischen Banken schnell erholten und heute längst wieder Milliardengewinne einfahren, ist die Deutsche Bank international weitgehend bedeutungslos geworden. Die Chefs kamen und gingen, viele Skandale kosteten noch mehr Geld, drei Mal in Folge musste das Finanzinstitut einen Jahresverlust melden. Erst 2018 kam zumindest wieder ein kleiner Gewinn von 341 Millionen Euro heraus - so viel hat die Bank früher in zwei Wochen verdient.

SPIEGEL ONLINE

Auch der Aktienkurs liegt darnieder. Waren Deutsche-Bank-Papiere vor vier Jahren noch 28 Euro wert, waren es Ende Dezember 2018 weniger als sieben Euro. Erst die neuen Fusionsnachrichten ließen den Kurs zuletzt wieder über acht Euro steigen. Dennoch ist die ganze Bank an der Börse gerade mal noch knapp 17 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Die größte US-Bank JP Morgan Chase, mit der die Deutsche Bank Chart zeigen einst konkurrierte, bringt es auf 308 Milliarden Euro Börsenwert.

Bei der Commerzbank Chart zeigen sieht es nur ein bisschen besser aus. Zwar konnte die Bank ihren Gewinn im vergangenen Jahr auf 865 Millionen Euro steigern. Doch auch sie hat an Bedeutung verloren, was zuletzt daran abzulesen war, dass sie im vergangenen September aus dem Dax-Index der 30 größten deutschen Börsenkonzerne fiel.

Zudem trägt auch die Commerzbank noch die Narben der Finanzkrise, als sie mit Milliarden vom deutschen Staat gerettet werden musste. So ist der Bund weiterhin mit rund 15 Prozent an der Bank beteiligt.

Angesichts der desolaten Lage der beiden deutschen Großbanken plant Finanzminister Olaf Scholz (SPD) eine Art Rettungsaktion: Durch den Zusammenschluss der beiden schwächelnden Institute soll ein starkes neues entstehen, das international wieder mitspielen kann. Die schlechten Teile, so die Überlegung, könnten dabei in eine sogenannte Bad Bank abgespaltenen werden. Und mit den guten könnte man weiterarbeiten.

Die Idee eines Zusammenschlusses ist zwar auch der Angst vor einer weiteren Abwärtsspirale bei der Deutschen Bank geschuldet. Sie folgt aber auch zwei durchaus plausiblen Argumenten: Zum einen ließen sich bei einer Fusion Kosten sparen. So braucht eine gemeinsame Bank längst nicht mehr so viele Filialen und Mitarbeiter. Zudem lohnt es sich in bestimmten Bereichen wie dem Transaktionsgeschäft, wenn man Mengenvorteile hat.

Das zweite Argument ist ein politisches: In Zeiten des zunehmenden Protektionismus wollen Scholz und seine Mitstreiter sich nicht auf ausländische Banken verlassen müssen - vor allem nicht auf amerikanische. Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt brauche eine starke Bank, um deutsche Unternehmen auch international zu begleiten, so das Argument. Und wenn es einmal einen europäischen Zusammenschluss geben soll, werde ein fusioniertes deutsches Institut wenigstens nicht mehr als Juniorpartner in diese Ehe gehen.

Eine ganze Menge. Fusionieren Commerzbank und Deutsche Bank, geht es dabei eigentlich gleich um vier Banken. Denn die Deutsche Bank hat noch nicht mal die Integration der Postbank vollständig abgeschlossen, die Commerzbank verdaut ihrerseits noch die Übernahme der Dresdner Bank, deren IT-Systeme teilweise immer noch dort laufen.

Entsprechend kompliziert dürfte der neue Zusammenschluss werden. Der Konzern wäre jahrelang vor allem mit sich selbst und der Integration aller Geschäftsteile beschäftigt. Das fängt schon bei der Unternehmenskultur an: Wie die Londoner Investmentbanker der Deutschen Bank mit den bodenständigen deutschen Filialangestellten der Commerzbank klarkommen sollen, ist fraglich.

Andere Risiken wären noch größer: Viele Arbeitnehmer dürfte die Angst lähmen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, andere könnten das Weite suchen, sich der Konkurrenz anschließen - und ihre wichtigsten Kunden dorthin mitnehmen.

Außerdem werden die Gewerkschaften lautstark gegen Jobabbau trommeln, ihre Vertreter in beiden Aufsichtsräten haben bereits angekündigt, gegen die Fusion zu stimmen. Nach ihren Angaben stehen bis zu 30.000 Jobs auf dem Spiel.

Der Zusammenschluss der IT-Systeme wäre eine riesige Gefahr, denn in keinem Bereich entstehen so viele Pannen. So hat es die Deutsche Bank Chart zeigen nicht einmal eigenständig geschafft, ihr IT-Wirrwarr aus Dutzenden Systemen zu verschlanken und entsprechend Geld zu sparen. Das Thema wirkt auf Außenstehende abstoßend-öde, ist intern aber das größte Hindernis auf dem Weg zu einer noch größeren, schlankeren Bank.

Währenddessen gewinnt die Konkurrenz - daheim Sparkassen und Volksbanken, aus dem Ausland gewiefte, schlank operierende Angreifer wie ING, Santander oder auch BNP Paribas. Sie bekommen so die nötige Zeit, um ihren Vorsprung beim Banking des 21. Jahrhunderts noch zu vergrößern.

Hinzu kommt ein gewichtiges politisches Argument: Gerade die Finanzkrise hat gezeigt, dass große Banken besonders gefährlich werden können - weil sie zu groß sind, um sie im Notfall pleitegehen zu lassen. Die Deutsche Bank sollte deshalb nach Meinung vieler Kritiker deshalb eher schrumpfen als wachsen. Durch eine Fusion mit der Commerzbank entstünde ein neuer Riese, womöglich sogar mit Beteiligung des Staats. Und damit ein neues Megarisiko.

Die Kunden würde eine Fusion vor allem daran bemerken, dass es insgesamt weniger Filialen geben wird. Vielerorts liegen die Niederlassungen von Commerzbank und Deutscher Bank bisher nebeneinander oder gegenüber - dort dürfte jeweils eine wegfallen. Während so etwas in Großstädten eher unproblematisch ist, könnte es auf dem Land womöglich größere Umwege bedeuten.

Zudem birgt eine Fusion die Gefahr höherer Kosten für die Kunden. Denn schließlich wäre die neue Superbank mit vermutlich mehr als 25 Millionen Kunden stärker als die Einzelinstitute in der Lage, höhere Preise, etwa für die Kontoführung, am Markt durchzusetzen. Allerdings bleibt die Konkurrenz auch nach einem Zusammenschluss groß. Dafür sorgen neben Sparkassen und Genossenschaftsbanken auch ausländische Wettbewerber wie ING oder Santander.

Ab jetzt wird verhandelt. Beide Banken werden nun Verhandlungsteams aufstellen, um die verschiedenen Themenbereiche zu besprechen. Dabei geht die Commerzbank vergleichsweise gestärkt ins Rennen, wie auch Vorstandschef Martin Zielke in seinem Brief an die Mitarbeiter klarstellte. "Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht. Und das ist Ihr Verdienst. Darauf können wir sehr stolz sein und werden daher selbstbewusst in diese Gespräche gehen", heißt es darin.

Was Zielke meint: Kaum jemals zuvor lag die Marktkapitalisierung beider Banken näher beieinander als derzeit. Knapp 17 Milliarden Euro Börsenwert stehen rund neun Milliarden Euro gegenüber, die Deutsche Bank ist also nur noch etwa doppelt so groß wie ihr kleinerer Wettbewerber und möglicher Fusionspartner. In früheren Glanzzeiten war die Deutsche Bank ein Vielfaches mehr wert als die Commerzbank.

Am Donnerstag werden sich zunächst die Aufsichtsräte beider Banken mit dem Thema befassen. Dabei dürften die Arbeitnehmervertreter offen gegen die Fusion opponieren. Die Gespräche stoppen dürfte das aber nicht.

Zudem müssen die Verhandlungspartner mit ihren wichtigsten Investoren sprechen. Wenn die nicht mitziehen, kann es mit einer Fusion nichts werden.

Aus der Deutschen Bank heißt es, dass die Gespräche bis spätestens Ende April abgeschlossen sein müssten, mit welchem Ergebnis auch immer. Eine längere Hängepartie sei weder den Kunden noch vor allem den Mitarbeitern zuzumuten.

Am 26. April steht auch die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das erste Quartal an. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will mit positiven Ergebnissen eigentlich die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass er in der Lage ist, die Deutsche Bank zu sanieren, ohne sie fusionieren zu müssen. Ob diese Rechnung noch aufgeht, ist ungewiss, denn womöglich ist die Fusion am 26. April schon ausgehandelt - und vielleicht fallen auch die Ertragszahlen nach dem monatelangen Hin und Her schlecht aus.

insgesamt 43 Beiträge
diefans 18.03.2019
1.
Warum will Finanzminister Olaf Scholz die Fusion? Die Deutsche Bank ist Pleite und die Politik möchte diese Tatsache im Angesicht der Derivatbombe noch etwas verscheiern.
Warum will Finanzminister Olaf Scholz die Fusion? Die Deutsche Bank ist Pleite und die Politik möchte diese Tatsache im Angesicht der Derivatbombe noch etwas verscheiern.
xcver 18.03.2019
2. Niemand
Niemand bei klarem Geist hält das für eine gute Idee. wie im Artikel schon erwähnt haben die Banken archaische IT Systeme und sind nicht in der Lage daran was zu ändern bzw. gekaufte Banken zu integrieren. warum sollte sich [...]
Niemand bei klarem Geist hält das für eine gute Idee. wie im Artikel schon erwähnt haben die Banken archaische IT Systeme und sind nicht in der Lage daran was zu ändern bzw. gekaufte Banken zu integrieren. warum sollte sich daran jetzt etwas ändern? mir wird auch nicht schlüssig dargestellt wo sich die neue Bank verbessern würde?
baba1 18.03.2019
3. Für die beiden involvierten Banken
die optimalste Lösung. VR und GL beider Banken können ihre satten Boni abzocken, die Banken wären saniert - Freude herrscht! Für den deutschen Steuerzahlenr aber das absolute Horrorszenario! TO BIG TO FAIL!!! Mit anderen [...]
die optimalste Lösung. VR und GL beider Banken können ihre satten Boni abzocken, die Banken wären saniert - Freude herrscht! Für den deutschen Steuerzahlenr aber das absolute Horrorszenario! TO BIG TO FAIL!!! Mit anderen Worten: der deutsche Steuermichel HAFTET RÜCKWIRKEND UND KÜNFTIG FÜR SÄMTLICHE VERBINDLICHKEITEN DER DB UND DER CB - UNBEGRENZT! Leute, das Leben kann so schön sein! Man muss nur auf der richtigen Seite stehen!!
virginia 18.03.2019
4. immer wieder Scholz
der schlechteste Buergermeister Hamburgs in Jahrzehnten. Ein Mann, der glaubt, mit staatlichen Eingriffen zwei marode Banken retten zu koennen. 1. werden die Steuerzahler wieder zuerst dran sein, sollte das ganze Unternehmen [...]
der schlechteste Buergermeister Hamburgs in Jahrzehnten. Ein Mann, der glaubt, mit staatlichen Eingriffen zwei marode Banken retten zu koennen. 1. werden die Steuerzahler wieder zuerst dran sein, sollte das ganze Unternehmen scheitern (und es wird scheitern) und 2. sollte Scholz seine Planwirtschaftsidee ganz schnell vergessen...........
ambulans 18.03.2019
5. wenn
finanzminister scholz von einer "international handlungsfähigen bank" spricht (und wahrscheinlich auch träumt), meint er wohl irgendwas aus reichlich grauer vergangenheit wie etwa eine "deutsche bank" z.zt. [...]
finanzminister scholz von einer "international handlungsfähigen bank" spricht (und wahrscheinlich auch träumt), meint er wohl irgendwas aus reichlich grauer vergangenheit wie etwa eine "deutsche bank" z.zt. von hermann josef abs, dem legendären chef der deuba (neben ihm gabs - natürlich: nix). alles spätere ist nichts mehr wert: deuba - nach ackermann? dreba - abgesoffen, heute coba; coba himself - hat, dank staatshilfe, "überlebt". was diese jungs & mädels da in ihren "bücher" führen, ist noch nicht mal den preis des papiers wert. und deshalb: allen überflüssigen/unfähigen jegliche hilfe verweigern; jede zweite bank kann nix, kennt ihr geschäft nicht - und ist damit überflüssig. was übrig bleibt, übernehmen gläubiger und andere interessenten; der rest ist und bleibt dann halt - wertlos ...

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP