Wirtschaft

Studie

Deutschlands Topkonzerne verlieren Anschluss an Weltspitze

Die größten deutschen Konzerne können bei Wachstum und Gewinnen nicht mehr mithalten. Die Exportnation leidet besonders unter der aggressiven US-Handelspolitik - doch das ist nicht der einzige Grund.

Carsten Koall/ Getty Images

VW-Fahrzeuge in der Volkswagen-Autostadt: Der Wolfsburger Konzern gehört noch zur Gewinn-Weltspitze

Dienstag, 11.06.2019   10:13 Uhr

Großkonzerne spielen in Deutschland zwar eine weniger wichtige Rolle als in anderen Staaten - die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ist stark vom Mittelstand geprägt. Nur 44 der 1000 umsatzstärksten börsennotierten Konzerne der Welt haben folgerichtig ihren Sitz in der Bundesrepublik. Dennoch ist eine Analyse des Beratungsunternehmens EY besorgniserregend: Deutschlands Topkonzerne haben demnach im vergangenen Jahr beim Wachstum den Anschluss an die Weltspitze verloren.

Die deutschen Konzerne landeten demnach in der Summe ganz am Ende der Liste, was das Wachstum betrifft: Ihr Umsatz stieg im Schnitt im Jahr 2018 lediglich um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Gewinn (Ebit) sank sogar um zehn Prozent.

Im Unterschied dazu steigerten die größten nordamerikanischen Unternehmen ihren Umsatz im vergangenen Jahr im Schnitt um 10,5 Prozent. Asiens Topkonzerne schafften ein Plus von 10,1 Prozent. Auch die europäischen Großunternehmen verbuchten insgesamt einen Zuwachs von 7,7 Prozent - trotz der deutschen Wachstumsschwäche. Bei der Auswertung wurden Banken und Versicherungen nicht berücksichtigt.

Ganz oben steht eine Branche, in der Deutschland nicht vorkommt

"Nach einigen sehr guten Jahren mussten deutsche Topunternehmen im vergangenen Jahr zahlreiche Rückschläge hinnehmen - auch weil sie so internationalisiert sind und damit überdurchschnittlich stark unter den internationalen Handelsspannungen leiden", sagte Alexander Kron, Mitglied der EY-Geschäftsführung.

Allerdings lässt sich die Schwäche der deutschen Konzerne nicht allein mit der aggressiven US-Handelspolitik und ihren Folgen erklären. Das wird deutlich, wenn man die Spitzenreiter des Gewinnrankings betrachtet. Ganz oben stand dort der iPhone-Hersteller Apple mit umgerechnet 60 Milliarden Euro. Platz zwei belegte der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung Chart zeigen mit gut 45 Milliarden Euro, gefolgt vom US-Softwarekonzern Microsoft Chart zeigen mit knapp 30 Milliarden Euro - allesamt also Technologiekonzerne. In dieser Branche gibt es kaum führende deutsche Unternehmen.

Das gewinnstärkste europäische Unternehmen war der Ölkonzern Royal Dutch Shell Chart zeigen auf Rang vier, der rund 27 Milliarden Euro operativen Gewinn erwirtschaftete. Volkswagen Chart zeigen kam als bester deutscher Konzern mit knapp 14 Milliarden Euro auf Platz 25. Insgesamt hatten sieben der zehn gewinnstärksten börsennotierten Konzerne ihren Sitz in den USA.

Großbritannien und Frankreich haben mehr Topkonzerne als Deutschland

"Die Top-US-Konzerne sind derzeit in vielen Branchen das Maß der Dinge. Sie profitieren vom großen und prosperierenden Heimatmarkt und von der hervorragenden Entwicklung der US-Technologie-Konzerne", sagte Kron. Dem habe Europa zurzeit wenig entgegenzusetzen. Was für Deutschland zutrifft, gilt also auch für den ganzen Kontinent: Das Wirtschaftswachstum schwächele, zudem litten auch viele andere europäische Unternehmen unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China, sagte Kron.

Den operativen Gewinn steigerten die nordamerikanischen und asiatischen Konzerne im Schnitt um 12,8 Prozent beziehungsweise 12,2 Prozent. Europas Topunternehmen verbuchten ein Wachstum von 11,6 Prozent.

Den Angaben zufolge zählten 299 Firmen aus den Vereinigten Staaten zu den 1000 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen weltweit. Aus Japan schafften es 146 Firmen auf die Liste, China folgte mit 79 Konzernen, aus Großbritannien und Frankreich kamen jeweils 45 Firmen und aus Deutschland 44.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
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Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
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Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
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Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi/dpa

insgesamt 187 Beiträge
wo_st 11.06.2019
1. Mehr Umweltschutz in Maßen
Viel mehr Umweltschutz und die Arbeitsplätze gehen verloren.
Viel mehr Umweltschutz und die Arbeitsplätze gehen verloren.
schwäbischalemannisch 11.06.2019
2. Bloße Aneinanderreihung von zahlen ist nicht aussagekräftig.
2018 ist aus vielerlei Gründen in Übergangsjahr. Zudem gab es in den USA große Steuersenkungen. Das Wachstum in Asien war schon immer hoch. Das darf man also nicht überbewerten. Unser Mittelstand wächst sehr gut und verhebt [...]
2018 ist aus vielerlei Gründen in Übergangsjahr. Zudem gab es in den USA große Steuersenkungen. Das Wachstum in Asien war schon immer hoch. Das darf man also nicht überbewerten. Unser Mittelstand wächst sehr gut und verhebt sich nicht mit Monsanto Übernahmen..,
3komma1415... 11.06.2019
3. So ein Blödsinn
Die deutschen Unternehmen verlieren immer mehr an Bedeutung weil sie eben nicht internationalisiert sind. Da wird sich fleissig auf alten Lorbeeren ausgeruht, aber eben nicht weiterentwickelt, was Standards, Management etc [...]
Die deutschen Unternehmen verlieren immer mehr an Bedeutung weil sie eben nicht internationalisiert sind. Da wird sich fleissig auf alten Lorbeeren ausgeruht, aber eben nicht weiterentwickelt, was Standards, Management etc betrifft.
Leser_01 11.06.2019
4.
Wenn die Studie belegt, was alle bereits gewusst haben, ist es keine unbelegte Behauptung mehr.
Wenn die Studie belegt, was alle bereits gewusst haben, ist es keine unbelegte Behauptung mehr.
Rocco Siffredi 11.06.2019
5. Super Idee.
...denn wenn dann wirklich alles kaputt ist, braucht auch keiner mehr Arbeit.
Zitat von wo_stViel mehr Umweltschutz und die Arbeitsplätze gehen verloren.
...denn wenn dann wirklich alles kaputt ist, braucht auch keiner mehr Arbeit.

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