Wirtschaft

Strafzoll-Drohung gegen BMW und Co.

Trumps Einbahnstraße

Der künftige US-Präsident droht BMW mit hohen Strafzöllen - und spricht damit auch alle anderen deutschen Autobauer an. Dabei bemüht Trump einen unglücklichen Vergleich.

BMW

Spatenstich: BMW beginnt Bau eines Werks in San Luis Potosa (Mexiko, Juni 2016)

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Montag, 16.01.2017   15:17 Uhr

Die Verunsicherung ist groß: 35 Prozent Strafzoll für jedes Auto, das in die USA kommt - für Autohersteller, die maßgeblich vom US-Geschäft abhängen, ist das starker Tobak. Der designierte US-Präsident Donald Trump hatte die Drohkulisse im Interview mit der "Bild"-Zeitung aufgebaut. Aus seiner Sicht sollte jedes in den USA verkaufte Auto auch in den USA zusammengebaut worden sein.

Kein Wunder, dass zu Handelsbeginn die Aktien der deutschen Autohersteller zu den Verlierern gehörten. Die Anteilscheine von BMW Chart zeigen büßten rund ein Prozent ein. Für die Vorzugsaktien von Volkswagen Chart zeigen ging es um 1,64 Prozent nach unten, die Papiere von Daimler Chart zeigen verloren rund 1,5 Prozent.

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Autoproduktion: Für diese Autobauer steht in Mexiko viel auf dem Spiel

Mit öffentlichen Kommentaren halten sich die meisten Zentralen der deutschen Autobauer bislang zurück. Audi will die Aussage Trumps zunächst gar nicht kommentieren. Daimler ebenfalls nicht. BMW demonstriert dagegen Gelassenheit und kündigte an, an seinen Plänen für ein Werk in Mexiko festzuhalten.

Rückendeckung erhalten die Autobauer von ihrem Verband. In den vergangenen sieben Jahren hätten die deutschen Autobauer die Produktion in den USA auf 850.000 Einheiten vervierfacht - mehr als die Hälfte davon für den Export, teilte der VDA mit. Der VDA warnte ganz allgemein vor möglichen negativen Folgen für die Wirtschaft weltweit. "Mit dem Aufbau von Zöllen oder anderen Handelsbarrieren würden sich die USA langfristig ins eigene Fleisch schneiden", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Viele Arbeitsplätze in den USA

Strafzölle würden die deutschen Hersteller recht unterschiedlich treffen. Die größten Probleme hätte zweifellos Audi, weil die VW-Tochter den US-Markt vollständig aus dem Ausland bedient. Eigene Werke in den USA betreibt lediglich der Mutterkonzern Volkswagen, das größte davon in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee - mit insgesamt rund 3400 Arbeitsplätzen, wenn die aktuell geplante Ausbaustufe realisiert ist.

Das derzeit größte BMW-Werk steht auch in den USA: In Spartanburg in South Carolina. Landesweit sind nach Unternehmensangaben direkt und indirekt fast 70.000 Menschen mit dem Bau von BMW-Autos beschäftigt. "Die BMW Group ist in den USA zu Hause", teilte das Unternehmen am Montag mit.

Daimler kommt auf 22 Standorte in den USA, der größte davon ist in Tuscaloosa (Alabama), wo SUV-Modelle und die C-Klasse vom Band laufen. 22.000 Arbeitsplätze hängen damit zusammen.

Das Problem: Nicht alle in den USA verkauften Autos werden dort produziert. Das liegt daran, dass die Werke in der Regel spezialisiert sind. In den USA etwa laufen SUVs und Limousinen vom Band, die anschließend auch wieder nach Europa exportiert werden.

"Ich kann bing, bing, bing machen"

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Der Grund für Trumps Zoll-Drohung dürfte mit den Milliardeninvestitionen im benachbarten Mexiko zusammenhängen. BMW begann Mitte 2016 mit dem Bau eines neuen Werks in San Luis Potosí. Dort ist die Montage der 3er-Limousine ab 2019 geplant. Diese Produktion ist für den Weltmarkt bestimmt.

Audi eröffnete seinen dortigen Standort im Herbst vergangenen Jahres. Volkswagen betreibt in Mexiko seit mehr als 50 Jahren eines seiner größten Werke. Auch eine gemeinsame Fabrik von Daimler und Renault-Nissan soll noch in diesem Jahr in Aguascalientes die Produktion aufnehmen.

Rationale Diskussion unmöglich

Mexiko lockt mit zahlreichen Freihandelsabkommen und niedrigen Lohnkosten. Rund 80 Prozent der Autos, die in Mexiko vom Band laufen, werden exportiert. Etwa 100 Länder werden beliefert - der Großteil der Ausfuhren entfällt mit 72 Prozent auf die USA, gut zehn Prozent gehen an Kanada.

Der künftige US-Präsident hatte zuletzt auch dem japanischen Autobauer Toyota und dem US-Konzern General Motors mit hohen Strafzöllen gedroht, sollten sie Autos für den US-Markt in Mexiko herstellen. Ford hatte nach der Kritik von Trump angekündigt, eine geplante Milliardeninvestition in Mexiko zu streichen und stattdessen 700 Millionen Dollar in ein US-Werk zu investieren.

Doch ganz gleich, ob man auszurechnen versucht, ob nun der Zahl der verkauften Autos eine adäquate Zahl von Arbeitsplätzen gegenübersteht - eine rational geführte Diskussion über das Thema scheint derzeit ohnehin nicht möglich. Auf welchem Niveau sie inzwischen angekommen ist, illustriert ein Bonmot aus dem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Darin wirft Trump den deutschen Autobauern vor, unfair zu agieren. In manchen US-Straßen stünde vor jedem Haus ein Mercedes-Benz, in Deutschland aber nicht die entsprechende Zahl an US-Autos. "Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße."

Was Trump nicht sagt: General Motors hatte den Verkauf seiner Marke Chevrolet in Europa 2015 eingestellt, um seine deutsche Tochter Opel zu unterstützen.

Mit Material von dpa

insgesamt 187 Beiträge
Max Super-Powers 16.01.2017
1.
So wie ich das sehe, sind die einzigen Gegenargumente, die man liefern kann die, dass die Produktion für die nichtamerikanischen Autobauer sich dann verteuern würde - ich verstehe jedoch absolut nicht, warum das Trumps Problem [...]
So wie ich das sehe, sind die einzigen Gegenargumente, die man liefern kann die, dass die Produktion für die nichtamerikanischen Autobauer sich dann verteuern würde - ich verstehe jedoch absolut nicht, warum das Trumps Problem sein sollte. Der Mann wurde zum US-Präsidenten gewählt und hat damit zuallererst US-Interessen zu schützen, US-Arbeitnehmer zu stärken und US-Arbeitsplätze zu vermehren. Klar ist das in einer globalisierten Welt ein Stachel im Fleisch der Konzerne. Mit der 35%-Steuer werden ihre Autos in den USA nahezu unverkäuflich. Vielleicht schalten sie einfach mal um und bauen ihre Fabriken dann nordwärts der US-Mexiko-Grenze. Dann entfallen auch die Strafzölle und allen ist geholfen Jedoch nur auf Trump einzuschlagen, weil er seinen Job macht und damit zu allererst seinem Land dienlich ist, halte ich für billig.
mhwse 16.01.2017
2. wenn Trump BMW sagt
muss er das Echo aus Europa: Amazon, Apple, Google, Microsoft und Tesla akzeptieren. Es ist die Sache mit den Gläsern und Steinhäusern - bzw. eben umgekehert ..
muss er das Echo aus Europa: Amazon, Apple, Google, Microsoft und Tesla akzeptieren. Es ist die Sache mit den Gläsern und Steinhäusern - bzw. eben umgekehert ..
suplesse 16.01.2017
3. Es ist ja auch ein Problem
Die Konzerne produzieren dort, wo es am billigsten ist. Zahlen Steuern, dort wo sie am wenigsten zahlen und verkaufen überall dort, wo sie am meisten für Ihre Produkte bekommen. Das Ganze nennt man "Globalisierung". [...]
Die Konzerne produzieren dort, wo es am billigsten ist. Zahlen Steuern, dort wo sie am wenigsten zahlen und verkaufen überall dort, wo sie am meisten für Ihre Produkte bekommen. Das Ganze nennt man "Globalisierung". Das muss aufhören, ganz ganz schnell.
Fürstibürsti 16.01.2017
4. Chevrolet?
Wer stellt sich freiwillig solche Gurken in die Garage? Was hierzulande unter den Namen Chevrolet unterwegs ist, ist vor Jahren schon mal als Daewoo gefloppt. Vielleicht sollte Trump mit der Präsidentschaft jemanden beauftragen, [...]
Wer stellt sich freiwillig solche Gurken in die Garage? Was hierzulande unter den Namen Chevrolet unterwegs ist, ist vor Jahren schon mal als Daewoo gefloppt. Vielleicht sollte Trump mit der Präsidentschaft jemanden beauftragen, der sich damit auskennt, und selber als "Director Social Media" fungieren.
dr.u. 16.01.2017
5. Soll sich Trump doch freuen, dass die Automobilindustrie so viel in Mexiko investiert
Dann haben mehr Mexikaner bessere Jobs in ihrer Heimat und heben keine Notwendigkeit mehr (illegal) in die USA einzuwandern, um dort (in der Automobilindustrie) zu arbeiten und "guten" Amerikanern die Jobs weg zu nehmen.
Dann haben mehr Mexikaner bessere Jobs in ihrer Heimat und heben keine Notwendigkeit mehr (illegal) in die USA einzuwandern, um dort (in der Automobilindustrie) zu arbeiten und "guten" Amerikanern die Jobs weg zu nehmen.

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