Wirtschaft

Drohende US-Strafzölle

Die Angst der deutschen Autobosse

Verhängt Donald Trump Strafzölle auf deutsche Autos? Möglich ist alles, sicher ist nichts - ganz so, wie es dem US-Präsidenten gefällt. Der Stand des Streits im Überblick.

DPA

Verladung von VW-Modellen in Emden (Archivbild)

Von
Montag, 18.02.2019   17:03 Uhr

Donald Trump sieht sich als Verhandlungsprofi. Die "Kunst des Deals" heißt sein 1987 erschienenes Buch mit autobiografischen Zügen. Eine Verhandlungsstrategie verwendet der frühere Immobilienunternehmer als US-Präsident immer wieder: die Gegenseite mit Drohungen aufschrecken und dann lange im Unklaren lassen.

Jüngstes Beispiel dafür ist ein Bericht des US-Handelsministeriums, der Autoimporte aus Europa als Gefahr für die nationale Sicherheit einstufen könnte. Ob dies tatsächlich geschieht, war zu Wochenbeginn ungewiss. Der Bericht wurde Trump zwar übergeben, sein Inhalt aber war zunächst nicht bekannt. Noch unklarer ist, ob Trump auf Grundlage des Berichts tatsächlich Strafzölle verhängt.

Doch allein die Aussicht darauf alarmiert Autohersteller und Politiker bis hin zur Bundeskanzlerin. Als "erschreckend" bezeichnete Angela Merkel am Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Aussichten. Trump hat die anderen mal wieder da, wo er sie am liebsten hat: alarmiert und im Ungewissen.


Womit droht die US-Regierung?


Der US-Präsident könnte den Bericht zum Anlass nehmen, Sonderzölle von voraussichtlich 25 Prozent auf Autoimporte aus der Europäischen Union zu verhängen. Gedroht hat er damit immer wieder. Unter Berufung auf ein Gesetz von 1962 bräuchte Trump keine Zustimmung des US-Kongresses, sofern die nationale Sicherheit bedroht ist.

Unklar ist, ob die Zölle tatsächlich für sämtliche Fahrzeuge gelten würden. Alternativ könnte Trump sie auch nur für bestimmte Modelle oder auch einzelne Komponenten verhängen.

Dass er bereit ist, seine Drohungen in der Handelspolitik wahrzumachen, hat der Präsident bereits bewiesen. Im vergangenen Jahr verhängte er auf Stahlimporte aus der EU einen Strafzoll von 25 Prozent, auf Aluminium zehn Prozent. Auch hier argumentierte Trump mit der inneren Sicherheit: Die einheimische Produktion müsse geschützt werden, damit die US-Rüstungsindustrie ausreichend Zugang zu den Metallen habe.


Was wollen die USA damit erreichen?


Trumps eigentliche Sorge gilt weniger der inneren Sicherheit als dem großen Handelsungleichgewicht zwischen den USA und Ländern wie Deutschland oder China. Von dort importieren die USA deutlich mehr Waren, als sie exportieren. Trump vermutet hinter der Schieflage unfaire Handelsbedingungen. Als Beleg nannte er schon vor fast 30 Jahren in einem Interview die Tatsache, dass deutlich mehr Autos in den USA verkauft werden als umgekehrt.

Die Handelsungleichgewichte kritisieren auch Ökonomen als mögliche Ursache neuer Wirtschaftskrisen. Tatsächlich erhebt die EU auf importierte Autos aus den USA bislang Zölle von durchschnittlich zehn Prozent, während umgekehrt im Schnitt nur 2,5 Prozent fällig werden. Bei Pick-ups und Trucks, die einen Großteil der US-Produktion ausmachen, schirmen sich jedoch die USA deutlich stärker ab.

Allein durch Zollhöhen lässt sich das Ungleichgewicht ohnehin nicht erklären. Gerade bei Oberklassewagen sind deutsche Modelle international schlicht beliebter. So haben deutsche Branchenvertreter auch bei mehreren Treffen mit Trump argumentiert. Entweder hat ihn das nicht überzeugt und er glaubt tatsächlich, dass die Politik mächtiger ist als Konsumentenentscheidungen. Oder aber die Autozölle sind für Trump nur ein besonders wirksames Drohmittel im Kampf um insgesamt veränderte Handelsbeziehungen.

Jim Lo Scalzo/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Trump (r.) und Juncker in Washington

Dafür spricht das Ergebnis eines Treffens von Trump mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Juli vergangenen Jahres. Damals verabredeten beide Seiten Gespräche über ein Industriezollabkommen - auch bekannt als "TTIP light". Zudem machte Juncker die - wenn auch vage - Zusage, dass die Europäer verstärkt US-Produkte wie Sojabohnen oder Flüssiggas einführen. Im Gegenzug sagte Trump zu, vorerst auf weitere Strafzölle zu verzichten.


Wie groß wäre der Schaden?


Hierzu gibt es mit Blick auf die deutsche Autobranche ziemlich unterschiedliche Prognosen. Zuletzt veröffentlichte das Ifo-Institut eine Prognose, laut der sich die deutschen Autoexporte in die USA langfristig halbieren könnten, was einem jährlichen Rückgang von gut 18 Milliarden Euro entsprechen würde. Ifo-Experte Gabriel Felbermayr sprach von einer "wirklich existenziellen Bedrohung" für deutsche Hersteller.

Als "weltfremd" bezeichnete solche Warnungen der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er hält die Zölle auch deshalb nicht für eine große Gefahr, weil die Käufer deutscher Oberklasse-Modelle den Aufschlag leichter verkraften könnten als Kunden in unteren Preisklassen. Laut Berechnungen des American Automotive Policy Council würden Importautos in den USA durch Strafzölle im Schnitt um 5800 Dollar teurer.

Auch das Prognos-Institut kam kürzlich in einer Simulation zu dem Schluss, dass die Folgen von Strafzöllen für die deutsche Wirtschaft "relativ moderat" wären. Ein Argument dabei war, dass das Volumen der Autoexporte in die USA viel geringer ist als das anderer Länder (siehe Grafik).

Allerdings wurden dabei nur die unmittelbaren Auswirkungen von US-Zöllen berücksichtigt, keine weiteren Effekte wie ein Rückgang von Investitionen aus Unsicherheit oder Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder. Dominoeffekte drohen auch deshalb, weil die Autohersteller und ihre Zulieferer international stark verwoben sind.

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Produktionsstandorte BMW

Quelle: Eigene Recherchen

Produktionsstandorte Daimler

Quelle: Eigene Recherchen

Produktionsstandorte VW

Quelle: Eigene Recherchen

Wie geht es weiter?


Donald Trump hat jetzt 90 Tage Zeit, um Strafzölle zu verhängen. Sollte er sich dazu entschließen, wird die EU Vergeltungszölle beschließen. Man werde dann "schnell und angemessen reagieren", sagte ein Sprecher von Kommissionspräsident Juncker am Montag.

Schon im Stahlstreit ließen nach Trump auch die Europäer ihren Worten Taten folgen. Sie verhängten Strafzölle auf beliebte US-Waren wie Jeans, Erdnussbutter oder Motorräder und zielten dabei auf Hersteller in den Wahlkreisen von Trump-Verbündeten.

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Erdnussbutter aus den USA

Zudem dürfte die EU die von Trump und Juncker vereinbarten Handelsgespräche stoppen. Der Kommissionssprecher erinnerte daran, dass beide Seiten während der Verhandlungen von weiteren Strafzöllen Abstand nehmen wollten. Juncker vertraue "dem Wort von Präsident Trump".

Wie viel Trumps Zusage wert ist, dürfte auch von der sonstigen politischen Lage abhängen. Der US-Präsident ist parallel in einen Konflikt mit China verwickelt, bei dem es ebenfalls um Strafzölle in Milliardenhöhe geht. Und er streitet - wie auf der Münchner Sicherheitskonferenz deutlich wurde - mit den Europäern noch über viele andere Fragen wie das Atomabkommen mit Iran, die Höhe von Verteidigungsausgaben oder die deutsch-russische Gaspipeline Nord Stream 2.

Je nachdem, wie sich diese Fragen entwickeln, hat Trump ein Interesse, den Streit um Autozölle zu eskalieren, beizulegen - oder die Gegenseite einfach noch eine Weile im Ungewissen zu lassen.

insgesamt 32 Beiträge
anitawulfel 18.02.2019
1. Angst der Autobosse - und Redakteure
Scheinbar bekommen die Redakteure nicht mit, wie oft die Leser von der deutschen Automobilindustrie mit Fahrzeugvorschlägen beworben werden. Ohne die Autowerbung keine oder sehr viel weniger Redakteure bei spiegel.de.
Scheinbar bekommen die Redakteure nicht mit, wie oft die Leser von der deutschen Automobilindustrie mit Fahrzeugvorschlägen beworben werden. Ohne die Autowerbung keine oder sehr viel weniger Redakteure bei spiegel.de.
spiegelleser987 18.02.2019
2.
und wie war es bisher mit den Zöllen? Auto aus USA in die EU: 10% EU-Importzoll Auto aus EU in die USA: 2,5% in USA-Importzoll Schweinefleisch aus USA in EU 16% EU-Importzoll Rindfleisch aus den USA in die EU: 69% [...]
und wie war es bisher mit den Zöllen? Auto aus USA in die EU: 10% EU-Importzoll Auto aus EU in die USA: 2,5% in USA-Importzoll Schweinefleisch aus USA in EU 16% EU-Importzoll Rindfleisch aus den USA in die EU: 69% EU-Importzoll Das kam mal im ZDF
m.klagge 18.02.2019
3. Ist hier die Rede von den gleichen Autobossen,
die sich einen Dreck um die Gesundheit ihrer Kunden und die Einhaltung von Gesetzen scheren? Also den Leuten, die ausser ihrem persönlichen Machtanspruch keine andere Instanz kennen. Nachdem sie mit ihrer Arroganz jetzt gearde [...]
die sich einen Dreck um die Gesundheit ihrer Kunden und die Einhaltung von Gesetzen scheren? Also den Leuten, die ausser ihrem persönlichen Machtanspruch keine andere Instanz kennen. Nachdem sie mit ihrer Arroganz jetzt gearde ein bisschen auf die Fresse gefallen waren sitzen sie jetzt schon wieder auf dem hohen Roß und wir sollen Mitleid mit den Nieten in Nadelstreifen haben. Nie und nimmer! Wer ganz allgemein nicht mal Überlegungen und erst recht keine Maßnahmen für besondere Situationen im Ärmel hat sollte besser die Lehrwerkstatt ausfegen statt Millionen als Honorar zu kassieren.
GlobalerOptimist 19.02.2019
4. Die Angst der deutschen Autobosse?
Aha, nur die Autobosse haben Angst? Wie kann man nur so viel Unsinn schreiben? Die Autos werden doch gerade abgeschafft, dank Umwelthilfe, Grüne ... und nun auch SPON stimmt munter ein. Im Ausland lacht man schon über die [...]
Aha, nur die Autobosse haben Angst? Wie kann man nur so viel Unsinn schreiben? Die Autos werden doch gerade abgeschafft, dank Umwelthilfe, Grüne ... und nun auch SPON stimmt munter ein. Im Ausland lacht man schon über die Deutschen. Der Ast, auf dem man sitzt, wird gerade abgesägt.
hansriedl 19.02.2019
5. Die Angst der deutschen Autobosse
Toyota Bild 8/10 - Toyota RAV 4: Der US-Kunde zahlt keine 16 000 Euro, in Deutschland sind mindestens 26 600 Euro fällig. Preisdifferenz: mehr als 10 000 Euro oder 40 Prozent. VW Bild 10/10 - VW Golf mit 170 PS: In den USA kostet [...]
Toyota Bild 8/10 - Toyota RAV 4: Der US-Kunde zahlt keine 16 000 Euro, in Deutschland sind mindestens 26 600 Euro fällig. Preisdifferenz: mehr als 10 000 Euro oder 40 Prozent. VW Bild 10/10 - VW Golf mit 170 PS: In den USA kostet er rund 11 000 Euro, in Deutschland 24 450 Euro. Der Smart Fortwo kommt in den USA auf knapp 9000 Euro, in Deutschland auf 9650 Euro. Preisdifferenz: ca. 650 Euro. Wo werden Autofahrer abgezockt?

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