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Französisches Gericht widerruft Zulassung für Glyphosat-Unkrautvernichter

Der Bayer-Konzern hat in Frankreich eine Niederlage erlitten: Das Verwaltungsgericht in Lyon widerrief die Zulassung für das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup Pro 360.

REUTERS

Bayer AG

Dienstag, 15.01.2019   19:49 Uhr

Die 63 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto macht dem Bayer-Vorstand zu schaffen. Am Dienstag etwa, als ein Verwaltungsgericht in Lyon die Zulassung für Roundup Pro 360 widerrief. Das Unkrautvernichtungsmittel enthält Glyphosat das im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Im aktuellen Fall kamen die Richter zu dem Schluss, dass die staatliche Agentur für Lebensmittelsicherheit Anses einen Fehler gemacht habe, als sie Roundup im März 2017 die Zulassung erteilte. Auch wenn Glyphosat von der Europäischen Union freigegeben sei, hätten wissenschaftliche Studien und Tierversuche gezeigt, dass das Unkrautvernichtungsmittel aufgrund seiner Zusammensetzung giftiger als Glyphosat sei. Das Produkt sei möglicherweise krebserregend für Menschen und schädige die Umwelt.

Bayer hält die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Lyon für falsch. Die Entscheidung werde nun analysiert, rechtliche Optionen geprüft, sagte ein Konzernsprecher. Von der Anses war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Da es nur um die Zulassung dieses einen speziellen Produkts gehe, dürften die finanziellen Auswirkungen für Bayer gering sein, urteilten die Analysten von Bernstein. Die Bayer-Aktie schloss am Dienstag leicht im Plus.

Glyphosat wurde von Monsanto entwickelt und von den Amerikanern und nun auch von Bayer unter dem Markennamen Roundup vertrieben. Das Herbizid wird aber auch von anderen Firmen hergestellt, da das Patent seit Jahren abgelaufen ist. Bayer sieht sich wegen des Unkrautvernichters in den USA mit etwa 9300 Klägern konfrontiert.

Die Leverkusener vertreten den Standpunkt, dass Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung sicher sei, und berufen sich dabei auf mehr als 800 wissenschaftliche Studien. Die EU-Kommission hatte Ende 2017 die Zulassung von Glyphosat um fünf Jahre verlängert.

mik/Reuters

insgesamt 24 Beiträge
fkfkalle3 15.01.2019
1. Pech gehabt
Nun müssen wir die Synegieelemente zur Anwendung bringen. Werte Belegschaft, danke für eure gute Arbeit. Wir hatten endlich Gelegenheit, jede Menge des Geldes zu verbrennen. Ihr werdet sicher einsehen, dass wir, umkostensparend [...]
Nun müssen wir die Synegieelemente zur Anwendung bringen. Werte Belegschaft, danke für eure gute Arbeit. Wir hatten endlich Gelegenheit, jede Menge des Geldes zu verbrennen. Ihr werdet sicher einsehen, dass wir, umkostensparend zu produzieren, die Anzahl der Mitarbeiter korrigieren, ... kommt demnächst .
at.engel 15.01.2019
2.
Konkret geht es hier nur um das Produkt "Roundup Pro 360". Langfristig sollen aber alle Produkte auf Glyphosat-Basis verboten werden. Das entsprich laut "Liberation" allein in der EU einem Markt von einer [...]
Konkret geht es hier nur um das Produkt "Roundup Pro 360". Langfristig sollen aber alle Produkte auf Glyphosat-Basis verboten werden. Das entsprich laut "Liberation" allein in der EU einem Markt von einer Milliarde Euro. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Roundup in Deutschland langfristig weiter verwendet wird, wenn es in anderen Ländern schon verboten wird. Ich weiß auch nicht, wie Bayer in Europa Glyphosat als unschädlich verteidigen will, wenn schon Staaten es verbieten. Das dürfte langsam eng werden für Bayer.
hoeffertobias 15.01.2019
3. Völlig sinnfrei!
Andere Herbizide sind was Mobilität, Toxizität gegenüber Säugetieren und Langlebigkeit im Verhältnis zur Wirkung deutlich nachteiliger, demnach umweltschädlicher. Ergo gibt es nur die Möglichkeit, vollständig auf [...]
Andere Herbizide sind was Mobilität, Toxizität gegenüber Säugetieren und Langlebigkeit im Verhältnis zur Wirkung deutlich nachteiliger, demnach umweltschädlicher. Ergo gibt es nur die Möglichkeit, vollständig auf Pflanzenschutzmittel zu verzichteten (wobei der Konsument dann bereit sein muss, die daraus resultierenden Kosten zu tragen), oder aber der Landwirt muss Roundup durch deutlich schädlichere Mittel ersetzen, um die selbe Wirkung zu erzielen. Die Richter leben also entweder in einer Traumwelt oder sind völlig ahnungslos. Davon abgesehen nerven mich die Paletten mit "Grünbelagentferner" in den Kassengängen der Baumärkte. In Laienhände gehört Glyphosat auf keinen Fall und wer sich über schwindende Insekten aufregt, der sollte bei sich im Garten damit anfangen, seinen Teil dagegen beizutragen....
geotie 15.01.2019
4.
Ich kann wirklich nicht verstehen, wie Bayer sich auf Monsanto so einlassen konnte. Eine so große Firma wie Bayer mit tausenden von Beratern, wollte die Chefetage wirklich nur ihre eigene Meinung hören? Nach dem Motto, ich [...]
Ich kann wirklich nicht verstehen, wie Bayer sich auf Monsanto so einlassen konnte. Eine so große Firma wie Bayer mit tausenden von Beratern, wollte die Chefetage wirklich nur ihre eigene Meinung hören? Nach dem Motto, ich verdiene am meisten und deshalb habe ich immer Recht oder woran hat es gelegen?
geri&freki 15.01.2019
5. Pest vs. Cholera
Viele Menschen haben in ihren Gärten nicht nur damit angefangen, selbst etwas gegen den Insektenrückgang zu unternehmen, sondern sind schon seit vielen Jahren dabei. Sollen die es jetzt damit belassen und es kritiklos [...]
Zitat von hoeffertobiasAndere Herbizide sind was Mobilität, Toxizität gegenüber Säugetieren und Langlebigkeit im Verhältnis zur Wirkung deutlich nachteiliger, demnach umweltschädlicher. Ergo gibt es nur die Möglichkeit, vollständig auf Pflanzenschutzmittel zu verzichteten (wobei der Konsument dann bereit sein muss, die daraus resultierenden Kosten zu tragen), oder aber der Landwirt muss Roundup durch deutlich schädlichere Mittel ersetzen, um die selbe Wirkung zu erzielen. Die Richter leben also entweder in einer Traumwelt oder sind völlig ahnungslos. Davon abgesehen nerven mich die Paletten mit "Grünbelagentferner" in den Kassengängen der Baumärkte. In Laienhände gehört Glyphosat auf keinen Fall und wer sich über schwindende Insekten aufregt, der sollte bei sich im Garten damit anfangen, seinen Teil dagegen beizutragen....
Viele Menschen haben in ihren Gärten nicht nur damit angefangen, selbst etwas gegen den Insektenrückgang zu unternehmen, sondern sind schon seit vielen Jahren dabei. Sollen die es jetzt damit belassen und es kritiklos hinnehmen, dass - oft in nächster Nachbarschaft hinter dem Gartenzaun - weiterhin auf großer Fläche mit Glyphosat geaast wird? Mittlerweile steht außer Zweifel, dass Glyphosat schädliche Auswirkungen auf Bienen, Regenwürmer und andere, ökosystemar unverzichtbare Organismen hat. Diese reichen so weit, dass sich eine weitere bzw. längerfristige Anwendung von selbst verbietet. Insofern ist es auch absurd, damit zu argumentieren, dass andere Pestizide ja noch schädlicher sind. Nach dem Motto: Mord ist doch viel schlimmer als Totschlag oder nur schwere Körperverletzung Je länger man den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel, noch dazu auf großer Fläche duldet, desto länger blockiert man die Fortentwicklung alternativer, umweltschonender Methoden des Pflanzenschutzes!

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