Wirtschaft

Studie zu Gehaltsunterschieden

Auch weibliche Bosse verdienen schlechter

Wie sieht es in deutschen Konzernetagen mit der Lohngerechtigkeit aus? Schlecht, lautet das Fazit einer neuen Studie. Für weibliche Vorstände ist der Abstand zu männlichen Kollegen demnach so groß wie für Durchschnittsverdienerinnen.

DPA

Zu wenig: Frauen in Top-Positionen

Von manager-magazin-Redakteurin Eva Buchhorn
Sonntag, 17.12.2017   20:10 Uhr

In den Vorständen und Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen in Deutschland klafft ein Gender Pay Gap, also eine Gehaltslücke zwischen Mann und Frau. Die meisten Top-Frauen verdienen weniger als Männer in vergleichbarer Position. Nimmt man die - hauptsächlich männlichen - Vorstandschefs mit ihrer höheren Bezahlung aus der Betrachtung heraus, wird die Lücke kleiner, aber sie verschwindet nicht.

Dies ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie, die The Boston Consulting Group exklusiv für manager magazin erstellt hat und die das Magazin in seiner Januar-Ausgabe auswertet. Am Ende der Liste rangieren der Dax-Konzern HeidelbergCement, der MDax-Konzern Ströer, Hornbach und Patrizia aus dem SDax sowie der Möbel-Multi Steinhoff wiederum aus dem MDax. Die drei Schlusslichter bilden Deutsche Wohnen, Nemetschek und United Internet - bei denen weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat Frauen arbeiten.

Über alle Unternehmen gerechnet, erhält ein weiblicher Vorstand 2,1 Millionen Euro, gut 30 Prozent weniger als die durchschnittliche Vergütung eines männlichen Kollegen (3,1 Millionen). Bleibt der CEO außen vor, verringert sich die Lücke auf 22 Prozent. Ein Aufsichtsrat kassiert im Schnitt 119.000 Euro, seine weibliche Kollegin 95.000 Euro, also 20 Prozent weniger. Vergleicht man allein die "einfachen" Kontrolleure, beträgt der Verdienstabstand noch 11 Prozent.

Männer erhalten für ihre Arbeit in Ausschüssen des Aufsichtsrats im Schnitt 61 Prozent mehr Geld als Frauen, weil sie öfter den Vorsitz innehaben oder in wichtigeren und besser bezahlten Ausschüssen sitzen. Teils fällt sogar das Sitzungsgeld fürs weibliche Geschlecht geringer aus. Die Gehaltslücke in den Vorständen ist wesentlich auf die oft erst kürzere Verweildauer der Frauen im Amt zurückzuführen.

Das sogenannte Gender Pay Gap im Top-Management korrespondiert mit der Gehaltslücke bei den Durchschnittsverdienerinnen. Laut EU liegt die gesamtwirtschaftliche Lohndifferenz hierzulande zwischen Männern und Frauen bei 22 Prozent.

Der "BCG Gender Diversity Index" wurde in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Strategie & Organisation der Technischen Universität München erstellt. Er durchleuchtet die nach Marktkapitalisierung 100 größten Unternehmen der Republik, soweit deren Vergütungsdaten individualisiert ausgewiesen wurden. Die Hälfte sind Industriefirmen, als Stichtag wurde der 30. Juni 2017 gewählt.

insgesamt 34 Beiträge
keine-#-ahnung 17.12.2017
1. "Die Gehaltslücke in den Vorständen ...
... ist wesentlich auf die oft erst kürzere Verweildauer der Frauen im Amt zurückzuführen." Scheint dann nicht anders zu sein als in den meisten Tarifverträgen ... die Bezüge steigen mit den Beschäftigungsjahren (warum [...]
... ist wesentlich auf die oft erst kürzere Verweildauer der Frauen im Amt zurückzuführen." Scheint dann nicht anders zu sein als in den meisten Tarifverträgen ... die Bezüge steigen mit den Beschäftigungsjahren (warum auch immer - habe ich nie begriffen). Warum sollte das in Vorständen different sein? Weil bei Frauen die innere Uhr anders tickt :-) ? Aber immerhin ... hat mal wieder eine "Studie" das Licht der Welt erblickt.
MtSchiara 17.12.2017
2. warum macht man daraus ein Männer-Frauen-Problem
Die Lohnunterschiede zwischen Männern für gleiche Arbeit sind viel größer als die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen für gleiche Arbeit. Warum macht man hier daraus ein Männer-Frauen-Problem, wenn es eigentlich [...]
Die Lohnunterschiede zwischen Männern für gleiche Arbeit sind viel größer als die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen für gleiche Arbeit. Warum macht man hier daraus ein Männer-Frauen-Problem, wenn es eigentlich ein Lohngerechtigkeitsproblem insgesamt ist. Würde man das Problem der Lohngerechtigkeit insgesamt lösen, dann würde man es automatisch auch für alle Geschlechter, Rassen, Religionen und Weltanschauungen mitlösen. Ist ein Mann, der ungerecht bezahlt wird, denn weniger wert als eine Frau, die ungerecht bezahlt wird?
braamsery 17.12.2017
3. Ist eigentlich logisch
Ich würde das als Unternehmer auch so machen. Jede neue Person muss entweder neu angelernt oder zumindest in die Prozesse eingearbeitet werden. Vielleicht arbeitet der vorige Arbeitgeber auch komplett anders was wieder einem [...]
Zitat von keine-#-ahnung... ist wesentlich auf die oft erst kürzere Verweildauer der Frauen im Amt zurückzuführen." Scheint dann nicht anders zu sein als in den meisten Tarifverträgen ... die Bezüge steigen mit den Beschäftigungsjahren (warum auch immer - habe ich nie begriffen). Warum sollte das in Vorständen different sein? Weil bei Frauen die innere Uhr anders tickt :-) ? Aber immerhin ... hat mal wieder eine "Studie" das Licht der Welt erblickt.
Ich würde das als Unternehmer auch so machen. Jede neue Person muss entweder neu angelernt oder zumindest in die Prozesse eingearbeitet werden. Vielleicht arbeitet der vorige Arbeitgeber auch komplett anders was wieder einem neuen Anlernen entspricht, auch wenn die Person den Job gelernt hat. Ich muss also eine Person, zumindest in Teilen, abstellen, die diese neue Person anlernt. Das kostet Zeit, da in dieser Zeit beide nicht die volle Arbeitsleistung ablierfern können. Damit geht Geld verloren. Wenn ich von dem was da anfällt jemandem einen Teil gebe wenn die Person länger bleibt, sind es am Ende immernoch geringere Kosten als jemandem etwas neu beizubringen. Deswegen ist der von Ihnen zitierte Satz so wichtig. Im Grunde sagt er, dass die Lücke eigentlich verständlich ist und es ebenso bei Männern eine Lücke gibt wenn diese länger dabei sind. Leider ist die Studie so wahnsinnig konsequent, dass man nicht erkennen kann, ob dieser Unterschied gleich wäre, wenn ein Mann kürzer dabei ist. Falls ja, wäre die Diskussion hier zumindest nicht angebracht, da einfach nichts falsches dran zu erkennen wäre.
RamBo-ZamBo 17.12.2017
4. asdf
Vorstände verhandeln doch sicher ihr Gehalt. Warum verlangen die Frauen nicht einfach mehr? Wenn sie zu ungünstigen Konditionen unterschreiben, selber Schuld! Warum sollte irgendjemand bei diesem Gehaltsniveau Mitleid haben?
Vorstände verhandeln doch sicher ihr Gehalt. Warum verlangen die Frauen nicht einfach mehr? Wenn sie zu ungünstigen Konditionen unterschreiben, selber Schuld! Warum sollte irgendjemand bei diesem Gehaltsniveau Mitleid haben?
horstenporst 17.12.2017
5.
Weil man so Frauen und Männer gegeneinander ausspielen und vom eigentlichen Problem ablenken kann. https://www.heise.de/tp/features/Ten-Years-Gender-Pay-Gap-Mistake-Ein-Irrtum-wird-zehn-Jahre-alt-3652060.html
Zitat von MtSchiaraDie Lohnunterschiede zwischen Männern für gleiche Arbeit sind viel größer als die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen für gleiche Arbeit. Warum macht man hier daraus ein Männer-Frauen-Problem, wenn es eigentlich ein Lohngerechtigkeitsproblem insgesamt ist. Würde man das Problem der Lohngerechtigkeit insgesamt lösen, dann würde man es automatisch auch für alle Geschlechter, Rassen, Religionen und Weltanschauungen mitlösen. Ist ein Mann, der ungerecht bezahlt wird, denn weniger wert als eine Frau, die ungerecht bezahlt wird?
Weil man so Frauen und Männer gegeneinander ausspielen und vom eigentlichen Problem ablenken kann. https://www.heise.de/tp/features/Ten-Years-Gender-Pay-Gap-Mistake-Ein-Irrtum-wird-zehn-Jahre-alt-3652060.html

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP