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So viele Aktienbesitzer wie jetzt gab es zuletzt vor der Finanzkrise

Die Niedrigzinsen treiben viele Deutsche in Anlageformen abseits des Festgelds: Im vergangenen Jahr gab es so viele Aktionäre wie zuletzt 2007 - trotz der zunehmenden Börsenturbulenzen.

DPA

Börse in Frankfurt

Mittwoch, 06.03.2019   13:10 Uhr

Die Zahl der Aktienbesitzer ist 2018 in Deutschland auf das Niveau kurz vor Ausbruch der Finanzkrise gestiegen. Im Jahresschnitt waren es rund 250.000 Aktionäre und Besitzer von Aktienfondsanteilen mehr als noch 2017, teilte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mit.

Insgesamt besaßen rund 10,3 Millionen Bürger über 14 Jahren Anteilsscheine von Unternehmen oder Aktienfonds. "Damit erreicht die Zahl der Aktienbesitzer den höchsten Wert seit 2007", sagte DAI-Chefin Christine Bortenlänger.

Ein Grund für den Anstieg dürften die anhaltenden Niedrigzinsen sein. Klassische Sparformen wie Festgeldkonten werfen kaum noch etwas ab. Besonders beliebt waren Fonds-Anteile, die Zahl der Besitzer stieg um 617.000. Die Anzahl der direkten Aktionäre sank hingegen um 373.000 auf gut 4,5 Millionen.

Das Börsenjahr 2018 brachte jedoch nur wenigen Anlegern Profit, ab Mitte Juni sanken die Kurse tendenziell fast überall. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen büßte insgesamt mehr als 18 Prozent ein und verzeichnete damit das verlustreichste Jahr seit 2008.

Andere Anlageformen dominieren

Die Aktionärszahlen sind trotz des vierten Jahrs mit einem Anstieg in Folge von den Zeiten der Börseneuphorie zu Beginn der Nullerjahre noch ein gutes Stück entfernt. 2001 gab es in Deutschland fast 13 Millionen Aktionäre. Das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt verschreckte damals jedoch viele Kleinanleger nachhaltig.

Nach wie vor sehr beliebt sind Einlagen bei Banken, zum Beispiel Giro-, Tagesgeldkonten oder Festgeldkonten. Ende September 2018 steckten der Bundesbank zufolge 2405 Milliarden Euro in Bankeinlagen oder wurden als Bargeld aufbewahrt. Fast ebenso hoch auf der Beliebtheitsskala der privaten Haushalte stehen Lebensversicherungen und andere Altersvorsorge-Produkte.

In Aktienbeständen und sonstige Anteilsrechten hatten die Deutschen demnach 643,8 Milliarden Euro investiert, dazu kamen 595,7 Milliarden Euro in Investmentfonds.

fdi/dpa

insgesamt 24 Beiträge
Europa! 06.03.2019
1. Na also!
So allmählich entschließen sich immer mehr Deutsche, die Dreieinigkeit der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Arbeitnehmer-Mieter-Versicherungsnehmer) abzuschütteln und ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Man muss [...]
So allmählich entschließen sich immer mehr Deutsche, die Dreieinigkeit der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Arbeitnehmer-Mieter-Versicherungsnehmer) abzuschütteln und ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Man muss Draghi dankbar sein, dass er subalterne und fast schon betrügerische Anlageformen wie "Festgeld", "Bundesanleihen" und "Lebensversicherungen" so uninteressant gemacht hat, dass sich immer mehr Menschen dafür interessieren, wo das Geld eigentlich herkommt - will sagen, wo und womit es verdient wird. Leider werden jetzt auch viele Menschen feststellen, was alles faul an der deutschen Wirtschaft ist, wie veraltet ihre "wichtigsten" Produkte (Automobile), wie verrottet die Banken sind usw. Aber Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, dann fällt man auch nicht mehr so leicht auf die Behauptung rein, dass wir "ein reiches Land" seien, dem es "so gut" geht, dass wir alles schaffen.
GoaSkin 06.03.2019
2.
Naja, vielen Anlegern ist es garnicht klar, wo ihr Geld wirklich angelegt ist und interessiert Diese auch nicht weiter. Denn es gibt zahlreiche synthetische Papiere, deren Wertentwicklung sich nach einem Aktienkurs oder einem [...]
Zitat von Europa!So allmählich entschließen sich immer mehr Deutsche, die Dreieinigkeit der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Arbeitnehmer-Mieter-Versicherungsnehmer) abzuschütteln und ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Man muss Draghi dankbar sein, dass er subalterne und fast schon betrügerische Anlageformen wie "Festgeld", "Bundesanleihen" und "Lebensversicherungen" so uninteressant gemacht hat, dass sich immer mehr Menschen dafür interessieren, wo das Geld eigentlich herkommt - will sagen, wo und womit es verdient wird. Leider werden jetzt auch viele Menschen feststellen, was alles faul an der deutschen Wirtschaft ist, wie veraltet ihre "wichtigsten" Produkte (Automobile), wie verrottet die Banken sind usw. Aber Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, dann fällt man auch nicht mehr so leicht auf die Behauptung rein, dass wir "ein reiches Land" seien, dem es "so gut" geht, dass wir alles schaffen.
Naja, vielen Anlegern ist es garnicht klar, wo ihr Geld wirklich angelegt ist und interessiert Diese auch nicht weiter. Denn es gibt zahlreiche synthetische Papiere, deren Wertentwicklung sich nach einem Aktienkurs oder einem Index richtet, jedoch die Fondsgesellschaft das Geld anderweitig investiert. Entspricht der Basiswert dem Kurs eines erfolgreichen Unternehmens, während die Fondsgesellschaft das Geld in Wirklichkeit in venezolanische Staatsanleihen investiert, dann geht die Fondsgesellschaft am Ende dadurch pleite und die Anleger haben recht wenig von ihrem theoretischen Kursgewinn.
vfleischhauer 06.03.2019
3. Sehr gut
endlich begreifen immer mehr Deutsche, das Aktien ein hervorragendes Mittel zum Vermögensaufbau und zur Altersversorgung sind. Nur bitte nicht verkaufen, wenn es mal runter geht. Aktienfonds sollte man schon 10 Jahre besparen [...]
endlich begreifen immer mehr Deutsche, das Aktien ein hervorragendes Mittel zum Vermögensaufbau und zur Altersversorgung sind. Nur bitte nicht verkaufen, wenn es mal runter geht. Aktienfonds sollte man schon 10 Jahre besparen oder halten.
water70 06.03.2019
4. Dann wird es ja mal wieder Zeit....
für einen Crash, auch an den Börsen funktioniert die Verteilung von klein zu groß.... Die kleine Bärenmarktrally der letzten 9 Wochen wurde mit sehr dünnem Volumen erkauft, die Großen stehen an der Seite.
für einen Crash, auch an den Börsen funktioniert die Verteilung von klein zu groß.... Die kleine Bärenmarktrally der letzten 9 Wochen wurde mit sehr dünnem Volumen erkauft, die Großen stehen an der Seite.
charlybird 06.03.2019
5. Die wenigsten
AN werden z.Zt. die Notwendigkeit einsehen, bei dem was sie verdienen, in Aktien zu investieren. Viele können es auch gar nicht. Im übrigen ist ihnen vor allem klar, dass eine Aktie auch erst mal nur den Wert darstellt, [...]
Zitat von Europa!So allmählich entschließen sich immer mehr Deutsche, die Dreieinigkeit der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Arbeitnehmer-Mieter-Versicherungsnehmer) abzuschütteln und ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Man muss Draghi dankbar sein, dass er subalterne und fast schon betrügerische Anlageformen wie "Festgeld", "Bundesanleihen" und "Lebensversicherungen" so uninteressant gemacht hat, dass sich immer mehr Menschen dafür interessieren, wo das Geld eigentlich herkommt - will sagen, wo und womit es verdient wird. Leider werden jetzt auch viele Menschen feststellen, was alles faul an der deutschen Wirtschaft ist, wie veraltet ihre "wichtigsten" Produkte (Automobile), wie verrottet die Banken sind usw. Aber Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, dann fällt man auch nicht mehr so leicht auf die Behauptung rein, dass wir "ein reiches Land" seien, dem es "so gut" geht, dass wir alles schaffen.
AN werden z.Zt. die Notwendigkeit einsehen, bei dem was sie verdienen, in Aktien zu investieren. Viele können es auch gar nicht. Im übrigen ist ihnen vor allem klar, dass eine Aktie auch erst mal nur den Wert darstellt, der mit und vor allem ihrer Hilfe erwirtschaftet wird. Die Bankenkrise ist noch nicht solange her, die nächste wird kommen und der Aktienmarkt in Amerika versaubeutelt auch gerade die Altersvorsorge vieler AN dort. Eine Sicherheit für geleistete Arbeit und eine auskömmliche Versorgung im Alter ist nach wie vor eine Notwendigkeit in abhängiger Beschäftigung, es sei denn es werden vernünftige Löhne und Gehälter gezahlt, das möchten aber die meisten Aktionäre nicht. :-) Und ….man muss, um einen Profit zu erzielen immer noch etwas herstellen, anbieten oder verkaufen, Aktien kaufen keine Aktien und Geld verdient per se kein Geld. Geld wird eigentlich auch gar nicht verdient, es entsteht aus Schulden. Aber glauben Sie gerne weiter an Ihre Kapitalismusblase, noch funktioniert's ja, aber wenn Banken und Finanzdienstleister schon als Betrüger bezeichnet werden, was sie teilweise durchaus sind, ist es mit unserem aktuellen Werte- und Wirtschaftssystem nicht mehr sehr weit her.

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