Wirtschaft

Drohende chinesische Rache

Huawei-Chef nimmt Apple in Schutz

Die USA führen den Handyhersteller Huawei wegen Spionageverdachts auf einer schwarzen Liste. Doch von chinesischer Rache an seinem US-Pendant Apple hält der Chef des umstrittenen Konzern nichts - und stichelt gegen Trump.

FABRICE COFFRINI / AFP

Ren Zhengfei

Montag, 27.05.2019   07:38 Uhr

Die US-Regierung verdächtigt den chinesischen Technologiekonzern Huawei der Spionage und hat ihn deshalb auf eine schwarze Liste setzten lassen. Chinesische Vergeltungsmaßnahmen gegen Apple Chart zeigen hält Huawei-Chef Ren Zhengfei dennoch für unwahrscheinlich.

"Das wird erstens nicht geschehen, und wenn das doch passieren sollte, werde ich der Erste sein, der dagegen protestiert", sagte er der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Die Sanktionen von US-Präsident Donald Trump gegen seinen Konzern kritisierte Ren scharf. "Ich sehe seine Tweets und finde es lächerlich, weil sie sich widersprechen."

Per Dekret hatte Trump Unternehmen seines Landes die Nutzung von Telekommunikationstechnik untersagt, die als Sicherheitsrisiko eingestuft wird. Als Hauptziel gilt auch hier Huawei. Das US-Handelsministerium setzte den weltweit größten Netzausrüster Huawei wegen Sicherheitsbedenken neben 70 weiteren Firmen auf die schwarze Liste. Wer US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, muss eine Lizenz erwerben. Diese kann verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt sind. Daraufhin schränkten mehrere Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit dem Konzern ein. Der Konzern weist die Bedenken zurück.

Ren Zhengfei stellte sich gegen diese US-Politik. "Die USA sind nicht die Weltpolizei", sagte er der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Der 74-jährige Huawei-Gründer räumte in dem Interview ein, dass diese Exportbeschränkungen den zweijährigen Vorsprung, den sich der chinesische Netzwerkausrüster und Handyhersteller gegenüber der Konkurrenz aufgebaut hat, beeinträchtigen könnte. Der Milliardär sagte aber auch, dass Huawei entweder seine Chipversorgung erhöhen oder Alternativen finden werde, um bei Smartphones und 5G vorne zu bleiben.

AFP/Hector Retamal

Huawei-Handys

In dem Streit hatten Ende vergangener Woche auch die USA Kompromissbereitschaft signalisiert. Trump sagte, er wolle den umstrittenen Konzern auch in die Handelsgespräche mit China einbeziehen - und den Telekommunikationsausrüster sogar in ein etwaiges Handelsabkommen aufnehmen. Trump sagte aber auch, von einem militärischen Standpunkt aus sei das Unternehmen "sehr gefährlich". Ren Zhengfei wiederum, so sagte er es Bloomberg, hält Trumps Vorschlag einen "großen Witz".

apr/Reuters/dpa

insgesamt 9 Beiträge
lfcoolj 27.05.2019
1.
genau das und nichts anderes habe ich von china erwartet. china is the bigger man. anstatt sich wie usa zu benehmen und willkuerliche sanktionen als rache zu missbrauchen, plant china alles langfristig und fuehrt der welt genau [...]
genau das und nichts anderes habe ich von china erwartet. china is the bigger man. anstatt sich wie usa zu benehmen und willkuerliche sanktionen als rache zu missbrauchen, plant china alles langfristig und fuehrt der welt genau vor auge, wie die usa verzweifelt versucht, ueberall auf der welt seine interesse ruecksichtlos durchzusetzen. die usa hat unter trump all seine glaubwuerdigkeit verspielt. in 5 bis 10 jahren werden die amerikaner merken, in welchen chaos trump das land gefuehrt hat.
espressotime 27.05.2019
2.
Apple?who the fuck is Apple? Mal ganz ehrlich, der ganze angezettelte Handelskrieg mit China, basiert auf der Basis, dass Huawai Apple schon längst überholt hat. Und das wird eine Gefahr für die USA weil das Vorzeigeunternehmen [...]
Apple?who the fuck is Apple? Mal ganz ehrlich, der ganze angezettelte Handelskrieg mit China, basiert auf der Basis, dass Huawai Apple schon längst überholt hat. Und das wird eine Gefahr für die USA weil das Vorzeigeunternehmen leichte Risse bekommt.
Baustellenliebhaber 27.05.2019
3. Ein kluger Mann....
Er hat völlig Recht, solche blödsinnigen Auftritte sollte man den Amerikanern mit Ihrem Großmachtgehabe überlassen. Mit diesen Sanktionen wird Herr Trump seinem Land mehr schaden als nutzen und am Ende wird es auch der [...]
Er hat völlig Recht, solche blödsinnigen Auftritte sollte man den Amerikanern mit Ihrem Großmachtgehabe überlassen. Mit diesen Sanktionen wird Herr Trump seinem Land mehr schaden als nutzen und am Ende wird es auch der dümmste Wähler merken. Die Chinesen können eigentlich gelassen bleiben und müssen nur abwarten.
ollifast 27.05.2019
4. Absehbar
Egal, wie man zu der Sache steht, rein aus der Logik der Feldherren war das absehbar. Trump hat sich einen Phyrrussieg geholt, wenn überhaupt. Warum ? Erstens: Wenn die "nukleare Option", also die Sperre der [...]
Egal, wie man zu der Sache steht, rein aus der Logik der Feldherren war das absehbar. Trump hat sich einen Phyrrussieg geholt, wenn überhaupt. Warum ? Erstens: Wenn die "nukleare Option", also die Sperre der Lieferung von US Technologie, bei Huawei ins Leere läuft, weiß die ganze Welt, was von der Option zu halten ist. Sie verliert damit beträchtlich an Wirksamkeit. Zweitens: Dadurch, dass Trump sie gebraucht hat, hat er gleichzeitig allen US Anbietern von Technologie einen gewaltigen Schaden zugefügt, weil diese ab jetzt in Lieferketten als unzuverlässig gelten und damit bestenfalls dann noch an sensiblen Stellen eingebaut werden, wenn es nicht-US Ersatz gibt. Ansonsten findet sich immer eine andere Lösung gleich beim Design. Man darf nicht vergessen, dass die ganze Halbleiterei mittlerweile 60 Jahre alt ist, Programmierung ist noch älter, und irgendwann können die anderen das auch. Und wenn Trump Inseln schafft, in denen nicht mehr das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zählt, dann können die es womöglich sogar außerhalb dieser Inseln besser. Denn Wettbewerb - gerade auch internationaler - ist immer noch die beste Triebfeder für Technologie. Im Grunde hat sich Trump mit der Aktion selber in den Fuß geschossen, was auch der Grund ist, warum weder Huawei noch China Gegenmaßnahmen einleiten und auch nicht dagegen klagen.
mborevi 27.05.2019
5. Der "umstrittene" Konzern ...
... ist nur eines der Beispiele, wie Medien Meinungen manipulieren. Huawei ist ein umstrittener Konzern, Google nicht. Dabei ist das Ausspionieren von uns und unserer Wirtschaft durch Google und Co eine erwiesene Tatsachen, [...]
... ist nur eines der Beispiele, wie Medien Meinungen manipulieren. Huawei ist ein umstrittener Konzern, Google nicht. Dabei ist das Ausspionieren von uns und unserer Wirtschaft durch Google und Co eine erwiesene Tatsachen, vielfach belegt, die angebliche Spionage durch Huawei dagegen bisher nur eine Phantasie von Trump.

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