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Aktienkurs von Infineon bricht wegen Übernahmeplan ein

Für neun Milliarden Euro will der deutsche Chiphersteller Infineon den US-Konkurrenten Cypress Semiconductor kaufen. An der Börse gilt das Vorhaben als ambitioniert - der Aktienkurs rutschte ab.

DPA

Chiphersteller Infineon präsentiert ein Radar-System auf einer Messe (Archiv)

Montag, 03.06.2019   19:45 Uhr

Aktionäre des Halbleiter-Unternehmens Infineon aus München haben skeptisch auf den an diesem Morgen verkündeten Übernahmeplan reagiert. Aktien des Unternehmens verloren mehr als acht Prozent an Wert und bildeten damit das Schlusslicht im Dax. Mit ihrem Tagestief bei mehr als 14 Euro standen die Anteile zeitweise so tief wie zuletzt im September 2016.

Der Konzern will den bisher größten Übernahmeversuch in seiner Unternehmensgeschichte wagen und für neun Milliarden Euro den US-Konkurrenten Cypress Semiconductor kaufen. Die Kaufsumme soll bis zu 30 Prozent durch neues Eigenkapital finanziert werden. Infineon bietet den Cypress-Aktionären 23,85 Dollar je Anteil. Das kommt einem Aufschlag von 34 Prozent zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag gleich und 46 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Handelstage.

Die schweizerische Großbank UBS hält den geplanten Zukauf für teuer. Der Erfolg hänge daher insbesondere von Umsatzsynergien ab, schrieb Analyst David Mulholland in einer Studie. Mainfirst-Analyst Jürgen Wagner kommentierte, möglicherweise habe sich der Cypress-Preis durch andere Interessenten hochgeschaukelt. Strategisch lobt er den Schritt aber: Die Produktportfolios ergänzten sich auf den ersten Blick gut und Cypress stärke zudem die globale Präsenz von Infineon.

Handelsstreit senkt Chipnachfrage

Sandeep Deshpande, Analyst bei der US-Bank JPMorgan, betonte die Vorteile der geplanten Übernahme. Das Cypress-Geschäft könne Infineon zu einer Spitzenposition in der Halbleiterherstellung für die Automobilindustrie verhelfen und verbessere zudem die Stellung im Bereich "Internet der Dinge".

Infineon-Papiere haben seit ihrem Jahreshoch bei 21,62 Euro Mitte April inzwischen fast ein Drittel ihrer Marktkapitalisierung verloren. An der Börse ist der Konzern aktuell nur noch rund 17 Milliarden Euro wert. Vor allem im Mai waren die Anteile sowie Halbleiterwerte insgesamt deutlich unter Druck geraten.

Händler führten das vor allem auf Sorgen um eine nachlassende Chipnachfrage zurück, die aus dem Handelsstreit zwischen den USA und China sowie aus den US-Sanktionen gegen den chinesischen Smartphone- und Telekomkonzern Huawei resultiere.

kko/dpa-AFX

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