Wirtschaft

Fusionspoker

ING strebt Übernahme der Commerzbank an

Noch verhandelt die Commerzbank mit der Deutschen Bank über eine Fusion - doch wenn der Deal platzt, stehen womöglich andere Käufer bereit. So soll auch die niederländische ING Interesse an einer Übernahme angemeldet haben.

Boris Roessler / DPA

Plötzlich umworben: Commerzbank-Chef Martin Zielke.

Von manager-magazin-Redakteur Sven Clausen
Dienstag, 16.04.2019   18:13 Uhr

Die niederländische Großbank ING wirbt um die Commerzbank. Nach Informationen von manager-magazin.de von Beteiligten hat ING-Vorstandschef Ralph Hamers sowohl bei der Bundesregierung in Berlin als auch bei Commerzbank-Chef Martin Zielke um die Aufnahme entsprechender Gespräche gebeten. Demnach habe Zielke die Aufnahme formeller Gespräche abgelehnt, den Kontakt allerdings nicht gänzlich abgebrochen. Weder ING noch die Commerzbank wollten die Informationen kommentieren.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den planwirtschaftlichen Charakter der derzeit diskutierten Neuordnung der deutschen Großbankenszene. Die Bundesrepublik ist mit rund 15 Prozent größter Aktionär der Commerzbank und sorgt sich zugleich um die Stabilität des größten deutschen Geldhauses, der Deutschen Bank. Seit Wochen verhandeln die beiden deutschen Großbanken im Detail, ob sich ein Verkauf der Commerzbank an die Deutsche Bank rechnet.

Von einem Zusammenschluss der beiden Häuser verspricht sich das Bundesfinanzministerium eine Stabilisierung der Deutschen Bank und eine Vormachtstellung des dann kombinierten deutschen Geldhauses auf dem Heimatmarkt. Chef der kombinierten Bank soll Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing werden, Martin Zielke hat Aussichten auf den Posten des Co-Chefs, sicher scheint ihm allerdings das Amt des Vizes.

ING-Chef Hamers ködert die Bundesregierung und Zielke nach Informationen von manager-magazin.de umfangreich: So versprechen die Niederländer, bei einem Kauf der Commerzbank weniger Stellen abbauen zu müssen als bei einem Verkauf der Commerzbank an die Deutsche Bank. Zudem soll Hamers in Aussicht gestellt haben, die globale Zentrale von ING von Amsterdam nach Frankfurt zu verlegen. Die ING, die in Deutschland mit der früher unter der Marke ING-Diba firmierenden Direktbank sehr erfolgreich ist, ist mit 47 Milliarden Euro an der Börse derzeit mehr als 4,8 Mal so viel wert wie die Commerzbank (Börsenwert rund 9,67 Mrd. Euro).

Mit ähnlichen Ideen wie ING-Chef Hamers hatte auch der Chef der italienischen Unicredit, Jean Pierre Mustier, um die Aufnahme von Gesprächen mit Commerzbank-Chef Martin Zielke geworben. Auch er hat in Aussicht gestellt, wichtige Geschäfte mit Ausnahme des Italien-Geschäfts künftig von Frankfurt aus zu führen. Zielke lehnte nach Informationen von manager-magazin.de auch gegenüber Mustier die Aufnahme formeller Gespräche ab.

Die Haltung Zielkes könnte im Falle eines Verkaufs der Commerzbank an die Deutsche Bank Brisanz entfalten. Als Vorstandschef ist er verpflichtet, für seine Aktionäre den bestmöglichen Deal herauszuhandeln. Möglicherweise könnte er sich damit entschuldigen, dass die Angebote von ING und Unicredit nicht konkret genug waren. Unklar ist, ob die beiden Großbanken in den kommenden Tagen ihre Ideen für ein Gespräch noch konkretisieren, um Zielke doch noch zu Verhandlungen zu bewegen.

Anders als etwa in der Industrie scheuen Banken davor zurück, Konkurrenten feindlich - also ohne Unterstützung des dortigen Managements - übernehmen zu wollen. Dem Widerstand des Management schließen sich in der Regel auch die wichtigen Regulatoren an, in diesem Fall die Europäische Zentralbank. Der Grund: Das Risiko eines Misserfolgs gilt in solchen Fällen als zu groß, was aufgrund der Verquickung von Banken in die gesamte Volkswirtschaft als gefährlich gilt.

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