Wirtschaft

UFO vs. Lufthansa

Streik light, aber volles Risiko

Die Flugbegleiter der Lufthansa wollen streiken - für wenige Stunden und nicht zur Hauptgeschäftszeit. So zaghaft das klingt: Für die Arbeitnehmervertretung UFO geht es ums Überleben.

Oliver Berg/ DPA

Flugbegleiterin bei UFO-Streik (Archivbild 2016)

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Montag, 14.10.2019   16:41 Uhr

Rund ein Dutzend Mal hat die Kabinengewerkschaft UFO in den vergangenen Monaten mit Streik bei der Lufthansa Chart zeigen gedroht - jetzt macht sie ernst. Endlich, könnte man fast sagen. Sechs Stunden lang will sie ihre Mitglieder an den Verkehrsdrehscheiben in Frankfurt und München am kommenden Sonntag zu einem befristeten Warnstreik aufrufen, von sechs Uhr früh bis zum späten Vormittag.

Es ist der vorläufige Höhepunkt in einer seit mehr als einem Jahr andauernden Auseinandersetzung zwischen dem Konzern und der kleinen, aber angriffslustigen Gewerkschaft. Es geht um Mobbing, angebliche Selbstbereicherung von UFO-Funktionären und um staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen rund ein Dutzend amtierende oder ehemalige Vorstände oder Mitarbeiter der Organisation. Mit Verweis auf diese Vorwürfe weigert sich die Lufthansa-Führung seit Monaten, mit der amtierenden UFO-Führung Tarifverhandlungen zu führen, und fordert einen personellen Neuanfang. Selbst bei Töchtern wie Eurowings oder dem zusammen mit Turkish Airlines betriebenen Ableger Sun Express herrscht Funkstille.

Nun könnte es zum Showdown kommen, und das ist gar keine so schlechte Nachricht, nicht einmal für die Kunden. Seit Monaten hängen die Beschäftigten bei der Lufthansa, Eurowings, Sun Express, Cityline und der ehemaligen Germanwings in der Luft, was ihre Arbeitsbedingungen, mögliche Gehaltserhöhungen sowie Vereinbarungen zur Teilzeit oder Altersversorgung angeht. Sie sind zu Geiseln in einem Konflikt geworden, für den sie selbst am wenigsten können.

Die Stimmung, erzählt ein Lufthansa-Purser, der seit mehr als 20 Jahren dabei ist, sei noch nie so mies gewesen bei den Flugbegleitern des Konzerns. Der Streikaufruf der UFO für den Sonntag könnte sich als geschickter Schachzug erweisen - und zur Klärung der Lage beitragen.

Bewusst den Sonntag genommen

Die Gewerkschaft hätte einen Wochentag wählen und Geschäftsreisende, die Kernklientel der Lufthansa, empfindlich treffen können. Doch sie entschied sich bewusst für den Sonntag, an dem überwiegend Privatreisende unterwegs sind, für eine Art Ausstand light. Man könnte ihn auch als letztes Angebot zum Einlenken betrachten.

Doch die Konzernführung schmetterte das Angebot bereits am vergangenen Freitag ab:

Starker Tobak. Ob es Konzernchef Carsten Spohr und seine Kollegen wirklich ernst meinen, dürfte sich schon in den nächsten Tagen zeigen. Wollen sie den ihrer Ansicht nach unzulässigen Streik im letzten Moment noch stoppen, müssten sie eigentlich eine einstweilige Verfügung beantragen, wie sie das in der Vergangenheit immer wieder praktiziert haben.

Gut möglich, dass sie das dieses Mal nicht tun und die Dinge einfach laufen lassen - in der Hoffnung, dass die ohnehin verunsicherten Bordangestellten aus Angst vor Konsequenzen doch zum Dienst erscheinen.

Eines ist auf jeden Fall schon jetzt klar: es bleibt spannend, und spätestens am kommenden Sonntag um die Mittagszeit dürfte feststehen, wer in dem Pokerspiel die besseren Karten hat. Das Risiko für die UFO ist groß: Gelingt es ihr nicht, die eigenen Truppen hinter sich zu versammeln, macht sie sich am Ende womöglich selbst überflüssig.

insgesamt 10 Beiträge
Immergrün321 14.10.2019
1. Starker Tobak?
Was genau ist an den Aussagen der LH starker Tobak? Keinen Alternativflugplan auszuarbeiten? Wie im Streik üblich die Gehälter für die Streikzeit auszusetzen? Die übliche rechtliche Prüfung ob der Streik vom Streikrecht [...]
Was genau ist an den Aussagen der LH starker Tobak? Keinen Alternativflugplan auszuarbeiten? Wie im Streik üblich die Gehälter für die Streikzeit auszusetzen? Die übliche rechtliche Prüfung ob der Streik vom Streikrecht erfasst wurde oder ein verbotener wilder Streik war? Oder ist "Starker Tobak" bloß eine gedankenverlorene Plattitüde?
zzipfel 14.10.2019
2. Momentan werden Fachkräfte gesucht ...
Die LH kann ja einfach Flugbegleiter, die keinen Bock auf Arbeit haben, entlassen. Es gibt viele Fluggesellschaften in Europa (Baltic Air, RyanAir oder auch Wizz eine wachsende Gesellschaft aus Ungarn, mit der ich gerade geflogen [...]
Die LH kann ja einfach Flugbegleiter, die keinen Bock auf Arbeit haben, entlassen. Es gibt viele Fluggesellschaften in Europa (Baltic Air, RyanAir oder auch Wizz eine wachsende Gesellschaft aus Ungarn, mit der ich gerade geflogen bin) da können die Leute die keinen Bock haben, für die LH zu arbeiten ja anheuern. Bei einer Inflation von unter 2% - ist eine Lohnerhöhung von knapp 2% mehr als der Infaltionsausgleich, wer mehr will darf gern zu Mitbewerbern wechseln oder sich einfach selbständig machen.
fabi.c 14.10.2019
3. Einigkeit.....
Einigkeit macht stark, Könnte bei UFO heißen,doch der Vorstand lebte wie Made im Speck und die eigentliche Ziele haben die Damen und Herren des UFO Vorstands aus dem Auge verloren ,dann rennen die Mitglieder davon und der [...]
Einigkeit macht stark, Könnte bei UFO heißen,doch der Vorstand lebte wie Made im Speck und die eigentliche Ziele haben die Damen und Herren des UFO Vorstands aus dem Auge verloren ,dann rennen die Mitglieder davon und der Arbeitgeber prüft die Gewerkschaftsfähigkeit. Eine schwache Gewerkschaft kann auch nur schwache Beschlüsse fassen,die Nutznießer sind die Arbeitgeber und die Passagiere. Nun könnte heißen: dann Streik mal schön : den längeren Atem hat somit Lufthansa.
virginia 14.10.2019
4.
zynischer kann man einen minikommentar wohl kaum verpacken. haben sie ueberhaupt eine ahnung, wie die flugbegleiter bei LH bezahlt werden? wissen sie, warum die meisten in wohngemeinschaften leben? weil die [...]
Zitat von zzipfelDie LH kann ja einfach Flugbegleiter, die keinen Bock auf Arbeit haben, entlassen. Es gibt viele Fluggesellschaften in Europa (Baltic Air, RyanAir oder auch Wizz eine wachsende Gesellschaft aus Ungarn, mit der ich gerade geflogen bin) da können die Leute die keinen Bock haben, für die LH zu arbeiten ja anheuern. Bei einer Inflation von unter 2% - ist eine Lohnerhöhung von knapp 2% mehr als der Infaltionsausgleich, wer mehr will darf gern zu Mitbewerbern wechseln oder sich einfach selbständig machen.
zynischer kann man einen minikommentar wohl kaum verpacken. haben sie ueberhaupt eine ahnung, wie die flugbegleiter bei LH bezahlt werden? wissen sie, warum die meisten in wohngemeinschaften leben? weil die lebenshaltungskosten das gehalt uebersteigen! glauben sie, dass nur der wagen durch reihen gefahren wird, um sich und den passagieren die zeit zu vertreiben? sie sollten sich erst einmal kundig machen, bevor sie so einen mist absondern!
dragondeal 14.10.2019
5. Ein solcher Kommentar ...
... reizt natürlich dazu, doch mal nachzuschauen und man findet eine Gehaltsspanne zwischen 30k und 63k. Ob man damit in einer WG leben muss? Ich wage es zu bezweifeln.
Zitat von virginiazynischer kann man einen minikommentar wohl kaum verpacken. haben sie ueberhaupt eine ahnung, wie die flugbegleiter bei LH bezahlt werden? wissen sie, warum die meisten in wohngemeinschaften leben? weil die lebenshaltungskosten das gehalt uebersteigen! glauben sie, dass nur der wagen durch reihen gefahren wird, um sich und den passagieren die zeit zu vertreiben? sie sollten sich erst einmal kundig machen, bevor sie so einen mist absondern!
... reizt natürlich dazu, doch mal nachzuschauen und man findet eine Gehaltsspanne zwischen 30k und 63k. Ob man damit in einer WG leben muss? Ich wage es zu bezweifeln.

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