Wirtschaft

Luxusthermen

Deutschlands Saunakönige

Größer, schöner, luxuriöser: Thermen und Saunalandschaften sind bei den Deutschen beliebt. Zwei Brüder aus dem Rheinland errichten derzeit ein regelrechtes Wellness-Imperium. Wie schaffen sie das?

Von Caroline Biallas
Donnerstag, 20.10.2016   15:52 Uhr

Asiatisch verzierte Pagodendächer überragen Baugerüste und Sandberge, Schutzfolien verdecken ein tief ausgehobenes Becken, das bald kunstvoll gekachelt und mit Wasser gefüllt wird. Noch ist das 20.000-Quadratmeter-Areal am Düsseldorfer Elbsee eine Baustelle - Anfang 2017 wird dort eine der größten Saunaanlagen Deutschlands eröffnet: das Vabali Spa Düsseldorf.

Stolz führt Stephan Theune über das riesige Gelände. Jeden Raum, der hier entsteht, hat der 53-Jährige mit seinem Bruder Markus und einer Architektin entworfen.

"Es macht Spaß, eine neue Anlage aufzuziehen", sagt Stephan Theune, obwohl er bereits Routine hat: Es ist das siebte Projekt, dass die Brüder gemeinsam realisieren. Sechs namhafte Großanlagen gehören ihnen bereits: die Claudius Therme sowie das Neptunbad in Köln, die Bali Therme im ostwestfälischen Bad Oeynhausen, Gut Sternholz in Hamm sowie Liquidrom und Vabali Spa in Berlin.

Das Düsseldorfer Vabali Spa soll das Highlight im Theune-Portfolio werden. Das Konzept der beiden: echtes Bali-Feeling mitten im Rheinland. Kann das gelingen?

Damit sich die Gäste wie in Asien fühlen, sind die Theunes nach Bali gereist und haben den Urlaub mit Einkäufen vor Ort verbunden. Teakholz-Balken aus indonesischen Abrisshäusern, reihenweise Buddhafiguren aus Stein und Holz sowie bunt bemalte Trennwände haben sie importiert - insgesamt 25 Schiffscontainer.

Wenn das Vabali Spa voraussichtlich im Januar 2017 eröffnet, können die Gäste zwischen zehn verschiedenen Themensaunen und zwei Dampfbädern wählen. Hinzu kommen zwei Pools, ein Restaurant sowie ein Massagebereich mit zwei sogenannten Day-Spa-Suiten: Separees mit Exklusivservice. Das Highlight soll die Seesauna direkt am Ufer sein, Sonnenuntergang inklusive. Damit ist das Bali-Feeling in Düsseldorf komplett. Weitere Standorte wie München oder Hamburg haben die Unternehmer schon im Blick.

Thermen sind im Trend. Und in der Wellness-Szene gelten die Theune-Brüder als diejenigen, "die zur richtigen Zeit den richtigen Trend" erkennen, sagt Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellness Verbands (DWV): "Mit Glück hat das wenig zu tun, vielmehr mit einer klugen Strategie."

Seit den Neunzigerjahren werden Thermen in Deutschland immer luxuriöser. "Aus Hallenbädern, die vorher lieblose Funktionsorte waren, entstanden Wellness-Tempel", sagt Hertel. Saunen wurden nach und nach in das Konzept integriert - basierend auf der Wellnessbewegung, die Anfang der Neunzigerjahre aus den USA nach Deutschland kam. Der Gesundheitstrend wurde schnell kommerzialisiert - auch von den Theunes.

Alles fing 1991 mit dem Aqualand an. Vater Theune, früher Vorstandschef einer Düsseldorfer Versicherung, suchte nach einer neuen Aufgabe und baute risikofreudig das Spaßbad in Köln. Bald stiegen die Söhne mit ein. Sie waren damals beide Ende 20. Stephan hatte zuvor eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann absolviert, sein Bruder Markus begann ein BWL-Studium, das er nach wenigen Semestern, wie er sagt, ganz bewusst abbrach. Er wollte sich nur betriebswirtschaftliche Grundlagen wie Gewinn- und Verlustrechnung und Buchhaltung aneignen, um die Finanzen der eigenen Geschäfte besser zu verstehen.

Vom Aqualand trennte sich die Familie nach kurzer Zeit wieder. "Uns hat das Spaßbad keinen Spaß gemacht", erklärt Stephan Theune. Er beschreibt das Geschäft als schwierig und schwankend, da solche Bäder am Wochenende voll, aber unter der Woche leer seien. 1992 arbeiteten die Brüder schon an ihrem zweiten Projekt: Sie bauten die Claudius-Therme auf, die damals noch als Kölns hässlichste Brandruine bekannt war.

50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr

Alle paar Jahre kamen neue Objekte hinzu. "Das hat sich so ergeben", sagt Stephan. Die beiden kauften marode, zum Teil insolvente Bäder, die saniert und privatisiert werden sollten, investierten und machten sie innerhalb weniger Jahre profitabel. Die beiden Vabali-Projekte in Berlin und Düsseldorf sind ihre beiden ersten ganz neu gebauten Anlagen.

2015 erwirtschafteten die Brüder mit allen sechs Anlagen und knapp 800 Mitarbeitern mehr als 40 Millionen Euro Umsatz, für 2016 erwarten sie rund 50 Millionen Euro. Mit dem neuen Projekt am Düsseldorfer Elbsee dürfte ihr gesamtes Unternehmen Theune Spa Management mit bis zu einer Million Besucher pro Jahr die Umsatzgrenze von 60 Millionen knacken. Wie viel davon als Gewinn hängen bleibt, verraten die Brüder allerdings nicht.

Jeder nennt sich Therme

Der Deutsche Wellness Verband schätzt die Zahl der Thermen 2016 auf 100 bis 200 - je nach Definition. Exakte Daten gibt es nicht, da der Begriff Therme in Deutschland nicht geschützt ist. "Viele Anlagen werden aus reinen Marketinggründen als Thermen bezeichnet", sagt Verbandschef Hertel. Die Gesamtzahl der oft kleinen Saunabetriebe liegt bei etwa 2000. Fast alle sind in entweder in öffentlicher Hand oder gehören zu Hotels und Fitnessstudios.

Es gibt nur wenige Privatunternehmer, denen mehrere Großanlagen gehören. Neben den Theunes sind das die Schweizer Brüder Kannewischer (Emser Therme, Spreewald Therme), der bayrische Unternehmer Josef Wund (Therme Erding, Badeparadies Schwarzwald) sowie die Familie des im Juli verstorbenen Heinz Steinhart aus Nürnberg (Kristallbäder-Gruppe). Einen klaren Marktführer gibt es nicht. Jeder deckt seine eigene Nische ab.

Stefan Kannewischer, der auch als Experte des Wellness Verbands fungiert, hat Respekt vor den Leistungen der Konkurrenten. Es sei eine "clevere Vorgehensweise der Theunes, gezielt in die Großstädte zu gehen". Kannewischer und sein Bruder Jürgen setzen anders als die Theunes auf Thermalbäder in Kurorten statt auf Saunaanlagen in Metropolen.

Die Theune-Brüder pflegen Understatement. Sie sind weder in der Kölner Politik vernetzt noch im Karneval aktiv. Ihr einzig auffälliges Merkmal: eine gewisse Gelassenheit. Den Geschäftsführern der einzelnen Anlagen gewähren sie große Entscheidungsspielräume - nicht ganz ohne Eigennutz. "Wir versuchen, möglichst viel zu delegieren, damit wir nicht so viel arbeiten müssen", sagt Markus Theune. Und lacht nicht mal dabei.

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