Wirtschaft

Hauptstadtflughafen

Mehdorn entfacht wütenden Streit um Schallschutz

"Rüpelhaft", "nichts verstanden", "totaler Blödsinn": Hartmut Mehdorn steht im Kreuzfeuer der Kritik. Der Chef des Berliner Flughafens hatte gegen ein mögliches Nachtflugverbot gebolzt - und behauptet, ein landender Flieger sei nicht lauter als ein Bürogespräch.

DPA

Airport-Manager Mehdorn: Büro-Talk lauter als landendes Flugzeug?

Samstag, 08.03.2014   18:29 Uhr

Berlin - Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn zeigt sich im Streit um ein Nachtflugverbot am künftigen Hauptstadtflughafen (BER) kompromisslos. Rund ein Jahr nach seinem Amtsantritt stellte der Manager das Milliarden-Projekt sogar grundsätzlich in Frage, sollte es zu einem strengeren Nachtflugverbot kommen.

"Eine Ausweitung des nächtlichen Flugverbots halten wir nicht für erforderlich. Sollte es dennoch dazu kommen, dann hätte man diesen Flughafen gar nicht bauen müssen", sagte Mehdorn der "Bild am Sonntag". "Ein Hauptstadt-Airport sollte nach meiner Überzeugung überhaupt keinerlei zeitlichen Einschränkungen unterliegen, 24 Stunden offen sein. So ist es auf der ganzen Welt."

Seit langem gibt es Streit über ein strengeres Nachtflugverbot am künftigen Berliner Hauptstadtflughafen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) dringt nach einem erfolgreichen Volksbegehren auf eine längere Nachtruhe und ein Flugverbot von 22 bis 6 Uhr. Er stellt sich damit gegen die anderen beiden Flughafen-Eigentümer, das Land Berlin und den Bund. In der Planfeststellung ist ein Flugverbot zwischen Mitternacht und 5 Uhr am neuen Flughafen festgelegt. Ein Sprecher des Berliner Senats sagte: "Wir haben diese Regelung, und bei der bleibt es."

Mehdorn provozierte mit seinen Äußerungen wütende Reaktionen. "Wenn man einen 24-Stunden-Betrieb am BER fordert, hat man nichts von der gesundheitlichen Bedeutung des Lärmschutzes verstanden", monierte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, auf Twitter.

"Jedes Gespräch in einem Büro" macht "mehr Lärm"

Der Flughafen-Manager will solche Einwände nicht gelten lassen. "Natürlich haben wir als Management eine Verantwortung dafür, die Lärmbelästigung der Anwohner zu minimieren", räumte er zwar ein. Man befolge deshalb aber ja auch Lärmschutzmaßnahmen, "die es in diesem Ausmaß und dieser Qualität nirgendwo auf der Welt gibt". Jedes Gespräch in einem Büro mache mehr Lärm als die Landung eines Flugzeugs im Hausinneren in der Flughafenumgebung machen dürfe.

Die Bürgerinitiative Friedrichshagen reagierte empört auf diesen Vergleich. "Das ist totaler Blödsinn", sagte ihr Sprecher Joachim Quast am Samstag. "Solche Floskeln sind Bauernfängereien, die wieder einmal zeigen, wie wenig sich Herr Mehdorn mit dem Thema Schallschutz auseinandersetzt."

Verärgert über Mehdorns Äußerungen zeigte sich auch Brandenburgs Finanzminister und Flughafen-Aufsichtsratsmitglied Christian Görke (Linke). Er forderte Mehdorn auf, mehr Respekt vor dem Volksbegehren für ein längeres Nachtflugverbot zu zeigen. Die Grünen-Politikerin Renate Künast kritisierte Mehdorns Umgang mit dem Schallschutz als "rüpelhaft". Der Ex-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin twitterte: "Ob Tag ob Nacht, egal: Hauptsache er fliegt endlich."

Die Öffnung des neuen Flughafens war wegen Baumängeln mehrfach verschoben worden, einen konkreten neuen Termin gibt es ebenso wenig wie Angaben über die endgültigen Kosten. Der "Bild am Sonntag" sagte Mehdorn dazu: "Am Ende wird der BER im internationalen Vergleich ein preiswerter Airport sein."

Berliner Flughafen: Mehdorns "Management by Terror"

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ssu/dpa-AFX

insgesamt 92 Beiträge
PeBe123 08.03.2014
1. Konkurrenzfaehigkeit
Soll er das doch den Politikern erklaeren, die vor Jahren die Wahl hatten, den Flughafen vor den Toren der Stadt zu errichten.
Soll er das doch den Politikern erklaeren, die vor Jahren die Wahl hatten, den Flughafen vor den Toren der Stadt zu errichten.
gesell7890 08.03.2014
2. In seinem Büro
scheints ja zuzugehen - aber irgendwie sieht mans ja auch an den Ergebnissen. Alles, was der "Top"-Manager anfaßt, ist hinterher sanierungsbedürftig.
scheints ja zuzugehen - aber irgendwie sieht mans ja auch an den Ergebnissen. Alles, was der "Top"-Manager anfaßt, ist hinterher sanierungsbedürftig.
hd117 08.03.2014
3. Bitte ...
Dann möge sich der Herr Mehdorn doch mal in Flörsheim auf einen Balkon setzen und eines seiner netten Bürogespräche führen, mit seiner schnarrenden Quäkstimme. Mal sehen, wer lauter ist ...
Dann möge sich der Herr Mehdorn doch mal in Flörsheim auf einen Balkon setzen und eines seiner netten Bürogespräche führen, mit seiner schnarrenden Quäkstimme. Mal sehen, wer lauter ist ...
pekaef 08.03.2014
4. Vielleicht sollte Herr Mehdorn erst einmal
den Flughafen fertigbauen. Seine Effizienz in dieser Hinsicht scheint sich bisher sehr in Grenzen zu halten. Geht es ihm vielleicht nur darum, mit dieser Debatte von seiner eigenen Unfähigkeit abzulenken?
den Flughafen fertigbauen. Seine Effizienz in dieser Hinsicht scheint sich bisher sehr in Grenzen zu halten. Geht es ihm vielleicht nur darum, mit dieser Debatte von seiner eigenen Unfähigkeit abzulenken?
martin.vogt69 08.03.2014
5. Natürlich 24 Stunden
Grundsätzlich ist es natürlich selbstverständlich, dass ein großer Airport 24/7 geöffnet ist. Alles andere ist eine provinzielle Zumutung. Muss man den Leute halt vernünftige Fenster einbauen bzw. Entschädigen.
Grundsätzlich ist es natürlich selbstverständlich, dass ein großer Airport 24/7 geöffnet ist. Alles andere ist eine provinzielle Zumutung. Muss man den Leute halt vernünftige Fenster einbauen bzw. Entschädigen.

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