Wirtschaft

Middelhoff-Prozess

Verteidiger stellen Flut neuer Beweisanträge

Die Anwälte von Thomas Middelhoff wollen den Untreue-Prozess offenbar in die Länge ziehen. Sie haben weitere Anträge für die Aufnahme von Beweisen gestellt. Unter anderem geht es um Vorstandswochenenden im französischen Saint-Tropez.

DPA

Manager Middelhoff: Streit um Wochenenden in Frankreich

Dienstag, 21.10.2014   14:03 Uhr

Essen - Die Verteidiger von Thomas Middelhoff haben im Untreue-Prozess gegen den früheren Arcandor-Chef zahlreiche neue Beweisanträge gestellt. Durch die Vernehmung zusätzlicher Zeugen und die Verlesung von E-Mails und Schriftstücken wollen sie unter anderem beweisen, dass auf Einladung Middelhoffs veranstaltete Vorstandswochenenden im französischen Saint-Tropez in erster Linie der Teambildung und strategischen Diskussionen dienten, wie Anwalt Udo Wackernagel am Dienstag sagte. Die Staatsanwaltschaft hatte die Treffen dagegen als Privatveranstaltungen bewertet, deren Kosten Arcandor nicht in Rechnung hätten gestellt werden dürfen.

Außerdem wollen die Verteidiger nachweisen, dass eine 180.000 Euro teure Festschrift für den früheren Bertelsmann-Chef Mark Wössner - einen Mentoren Middelhoffs - für Arcandor ein wertvolles Instrument der Image- und Netzwerkpflege war. Die Ankläger sehen darin dagegen ein "persönliches Geschenk", für das Middelhoff selbst hätte aufkommen müssen.

In dem Prozess wirft die Staatsanwaltschaft Middelhoff vor, den inzwischen insolventen Handelskonzern insgesamt mit betriebsfremden Kosten von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren. Middelhoff weist dies zurück. So oder so würde das Verfahren durch die Beweisanträge in die Länge gezogen.

Middelhoffs Uhr für 10.000 Euro versteigert

ssu/dpa-AFX

insgesamt 13 Beiträge
wibo2 21.10.2014
1. Big
"Die Anwälte von Thomas Middelhoff wollen den Untreue-Prozess in die Länge ziehen. Sie haben weitere Anträge für die Aufnahme von Beweisen gestellt. Unter anderem geht es Vorstandswochenenden im französischen [...]
"Die Anwälte von Thomas Middelhoff wollen den Untreue-Prozess in die Länge ziehen. Sie haben weitere Anträge für die Aufnahme von Beweisen gestellt. Unter anderem geht es Vorstandswochenenden im französischen Saint-Tropez." (SPON) Die Anwälte des Thomas Middelhoff arbeiten hart für ihr Geld. Mit diesen zielführenden Maßnahmen verzögern sie das Urteil. Aber im ungünstigen Fall, wenn der Prozess dann verloren gehen sollte, könnte das ein Fall für Anwaltshaftung werden. Die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung sollte deshalb stets in Betracht gezogen werden.
sponner_hoch2 21.10.2014
2.
Also daran kann ich jetzt aber nichts schlimmes (wie der letzte Satz bezgl. "in die Länge ziehen" impliziert) erkennen. Verteidigen wird man sich wohl noch dürfen, und die Beweisanträge scheinen ja dann doch Sach- und [...]
Also daran kann ich jetzt aber nichts schlimmes (wie der letzte Satz bezgl. "in die Länge ziehen" impliziert) erkennen. Verteidigen wird man sich wohl noch dürfen, und die Beweisanträge scheinen ja dann doch Sach- und Vorwurfsbezogen zu sein.
flusser 21.10.2014
3. Anwälte
Angesichts des Offenbarungseides nebst Taschenpfändung fragt man sich wie Herr Middelhoff die "Anwälte" bezahlt? Oder bekommt man jetzt als Mittelloser schon eine ganze Anwaltsphallanx vom Staat gestellt ?
Angesichts des Offenbarungseides nebst Taschenpfändung fragt man sich wie Herr Middelhoff die "Anwälte" bezahlt? Oder bekommt man jetzt als Mittelloser schon eine ganze Anwaltsphallanx vom Staat gestellt ?
sponner_hoch2 21.10.2014
4.
---Zitat--- Die Anwälte des Thomas Middelhoff arbeiten hart für ihr Geld. Mit diesen zielführenden Maßnahmen verzögern sie das Urteil. ---Zitatende--- Wie Sie schon sagen: "Zielführend". Natürlich zögert jeder [...]
---Zitat--- Die Anwälte des Thomas Middelhoff arbeiten hart für ihr Geld. Mit diesen zielführenden Maßnahmen verzögern sie das Urteil. ---Zitatende--- Wie Sie schon sagen: "Zielführend". Natürlich zögert jeder Beweisantrag das Urteil mehr oder weniger lange hinaus. Das liegt aber nun mal in der Natur eines Strafverfahrens. Man könnte natürlich auch grundsätzlich Beweisanträge (zumindest der Verteidigung) verbieten, um im Schnellverfahren aburteilen zu können. Das hat dann aber allerdings wenig bis garnichts mit Rechtsstaatlichkeit zu tun. ---Zitat--- Aber im ungünstigen Fall, wenn der Prozess dann verloren gehen sollte, könnte das ein Fall für Anwaltshaftung werden. ---Zitatende--- Warum, weil entlastende Beweise in die Verhandlung eingebracht werden sollten? Da wird eher umgekehrt ein Schuh draus (also Haftung wenn die Anträge nicht gestellt werden). ABer das ist eh rein hypothethisch: Anwaltshaftung im STrafprozeß ist äußerst schwierig, und der ANwalt wird das wohl auch kaum nicht mit seinem Mandanten vorher abgesprochen haben. ---Zitat--- Die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung sollte deshalb stets in Betracht gezogen werden. ---Zitatende--- Außergerichtuche Einigung? Im Strafverfahren? Ich glaube, Sie sind hier beim komplett falschen Prozeß. Oder SIe meinen die "Verständigung". Aber mal abgesehen davon, dass diese nicht außergerichtlich ist (sondern mit dem Gericht zusammen), ist es doch erade da angebracht, vorher die zielführenden/entlastenden Beweisanträge zu stellen - ansonsten sieht die Staatsanwaltschaft ja keine Veranlassung, auf so etwas einzugehen. WIe auch immer, so eine Verständigung macht nur dann Sinn, wenn man keine Aussicht auf Freispruch hat - Middelhoff scheint das aber anders zu sehen.
pfeiffffer 21.10.2014
5.
"...veranstaltete Vorstandswochenenden im französischen Saint-Tropez in erster Linie der Teambildung und strategischen Diskussionen dienten..." Klar, solche Veranstaltungen sind ja auch in Essen oder Rheda-Wiedenbrück [...]
"...veranstaltete Vorstandswochenenden im französischen Saint-Tropez in erster Linie der Teambildung und strategischen Diskussionen dienten..." Klar, solche Veranstaltungen sind ja auch in Essen oder Rheda-Wiedenbrück unmöglich durchzuführen. Den Mitarbeitern wird das Gehalt gekürzt oder gleich die Stelle gestrichen, und die Chefs schmeißen das Geld mit vollen Händen zum Fenster raus bzw. stecken es sich in die eigene Tasche. Bin mal gespannt, wie der Prozeß wirklich irgendwann mal ausgeht..

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