Wirtschaft

Vorwurf Umweltschäden

Los Angeles klagt gegen Monsanto

Seit Monaten wird die Bayer-Tochter Monsanto in den USA mit Klagen überzogen. Nun zieht auch Los Angeles vor Gericht - dieses Mal geht es allerdings nicht um Glyphosat.

Richard Vogel / AP

Klimaprotest in Los Angeles (Archivbild)

Freitag, 31.05.2019   11:55 Uhr

Neuer juristischer Ärger für Bayer und seine umstrittene US-Tochter Monsanto: Der Landkreis Los Angeles wirft Monsanto vor, vor Jahrzehnten Umweltschäden angerichtet zu haben - und hat in Kalifornien eine entsprechende Klage eingereicht. Das Unternehmen müsse sich an den Kosten für die Säuberung von Dutzenden mit PCB-Chemikalien verseuchten Gewässern beteiligen und Schadensersatz zahlen, fordern die Kläger.

Bayer teilte auf Nachfrage mit, die Klage noch zu prüfen. Man gehe aber davon aus, dass die Vorwürfe haltlos seien. Der Konzern kündigte an, sich energisch verteidigen zu wollen. Monsanto habe die PCB-Produktion vor mehr als 40 Jahren freiwillig gestoppt. Davor sei es an diverse Abnehmer aus der Industrie und dem verarbeitenden Gewerbe verkauft worden, die es für verschiedene Zwecke verwendet hätten. Unter den damaligen Kunden sei auch die US-Regierung gewesen.

Die Kläger werfen Monsanto vor, jahrzehntelang verheerende Folgen der toxischen Schadstoffe für Natur und Lebewesen verschwiegen zu haben. Das Unternehmen sei von 1935 bis 1977 der einzige Hersteller von Polychlorierten Biphenylen (PCB) in den USA gewesen. 1979 wurde die Chemikalie dort verboten.

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Bayer hatte Monsanto im vergangenen Jahr für eine Rekordsumme von 63 Milliarden Dollar gekauft. Der US-Konzern steht bei Umweltschützern seit Jahren in der Kritik, weil er einer der führenden Anbieter gentechnisch veränderten Saatguts sowie glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel ist. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer weist das zurück.

Zuletzt war außerdem bekannt geworden, dass Monsanto jahrelang über seine Kritiker akribisch Buch geführt hatte. Allein für Deutschland sollen rund 300 Namen von Politikern, Umweltschützern und Journalisten gelistet gewesen sein.

In den Glyphosat-Prozessen sind es mittlerweile drei Niederlagen, die das Management um Bayer-Chef Werner Baumann zu erklären hat (sehen Sie hier das Bayer-Desaster in einem Chart). Im jüngsten Gerichtsprozess ging es um eine Schadensersatzforderung von rund zwei Milliarden Dollar.

Bayer bestreitet, dass mit Glyphosat bei richtiger Anwendung Gesundheitsgefahren verbunden sind, und verweist auf zahlreiche wissenschaftliche Studien. Der Konzern hofft zudem auf günstigere Urteile von Berufungsrichtern in den nächsten Instanzen. Allerdings dürfte der Druck angesichts von mittlerweile 13.400 Klagen in den USA wachsen, außergerichtliche Einigungen in Betracht zu ziehen.

kko/dpa

insgesamt 17 Beiträge
cipo 31.05.2019
1.
"Die Kläger werfen Monsanto vor, jahrzehntelang verheerende Folgen der toxischen Schadstoffe für Natur und Lebewesen verschwiegen zu haben. Das Unternehmen sei von 1935 bis 1977 der einzige Hersteller von Polychlorierten [...]
"Die Kläger werfen Monsanto vor, jahrzehntelang verheerende Folgen der toxischen Schadstoffe für Natur und Lebewesen verschwiegen zu haben. Das Unternehmen sei von 1935 bis 1977 der einzige Hersteller von Polychlorierten Biphenylen (PCB) in den USA gewesen. 1979 wurde die Chemikalie dort verboten." Aha, und da wartet man dann 40 Jahre lang mit der Klage? Merkwürdig.
AxelSchudak 31.05.2019
2. Unklar...
Irgendwie wird mir aus dem Artikel nicht klar, was genau der Kern der Anklage ist. So wie sich das liest sind das Umweltverschmutzungen, die vor mehr als 42 Jahren stattgefunden haben, was unplausibel klingt. Etwas mehr an [...]
Irgendwie wird mir aus dem Artikel nicht klar, was genau der Kern der Anklage ist. So wie sich das liest sind das Umweltverschmutzungen, die vor mehr als 42 Jahren stattgefunden haben, was unplausibel klingt. Etwas mehr an Information wäre schön gewesen.
wmb58 31.05.2019
3. Bayer hat sich übernommen
Für mich war Monsanto schon seit Jahrzehnten ein verbrecherisches Unternehmen. Produzent von Agent-Orange (vielleicht kommt auch noch eine Klage aus Vietnam). Verantwortlich für PCB und Dioxin in vielen Böden der Erde. 90 [...]
Für mich war Monsanto schon seit Jahrzehnten ein verbrecherisches Unternehmen. Produzent von Agent-Orange (vielleicht kommt auch noch eine Klage aus Vietnam). Verantwortlich für PCB und Dioxin in vielen Böden der Erde. 90 Prozent der weltweit produzierten Gen-Pflanzen stammen aus den Laboren von Monsanto. Also fast alles! Das Unternehmen sticht hervor durch Erpressung, Bestechung, gefälschte Labortests etc. Landwirte in der ganzen Welt werden mit Knebelverträgen an Monsanto gebunden, Kritiker und geschädigte werden mit Klagen überzogen etc. Schlimm, dass es solche Firmen überhaupt gibt. Da ist die Cosa Nostra ein Witz dagegen. Ich hätte mich diebisch gefreut, wenn man diesen Verbrechern das Handwerk gelegt hätte. Nun trifft es Bayer. Eine deutsche Firma. Aber wenn die Gier übermächtig wird und die Bayer-Manager dazu bringt, bei diesen Aktionen mitzumischen, dann geschieht es ihnen Recht. Das skrupellose gierige Management, und die Aktionäre, die gejubelt hätten, wenn dieser Deal ohne Probleme über die Bühne gegangen wäre, kämpfen bald ums Überleben des Unternehmens. Ich glaube, Bayer wird es in wenigen Jahren in der jetzigen Form nicht mehr geben. Leider
Knödeldämmerung 31.05.2019
4. 40 Jahre
Ich kann jetzt nur spekulieren, möchte aber darauf hinweisen, dass die wirtschaftlich genutzen Flächen mit der Einstellung der Fabrikation nicht sofort an die Stadt oder an die öffentliche Hand fallen, sondern meistens als [...]
Ich kann jetzt nur spekulieren, möchte aber darauf hinweisen, dass die wirtschaftlich genutzen Flächen mit der Einstellung der Fabrikation nicht sofort an die Stadt oder an die öffentliche Hand fallen, sondern meistens als Brache veröden, ungenutzt und verschmutzt eben. Bis beispielsweise Öle bis ins Grundwasser vordringen, dort auffallen und bis der Verursacher zweifelsfrei geklärt ist, vergeht auch einige Zeit.
wannbrach 31.05.2019
5.
Man muss sich doch fragen: Haben die Bayer- Bosse keine Zeitung gelesen, oder haben sie geschlafen?! Weit for dem Zukauf von Monsanto war es schon bekannt, dass viele Leute Monsanto verklagen wollten. Da Ich täglich [...]
Man muss sich doch fragen: Haben die Bayer- Bosse keine Zeitung gelesen, oder haben sie geschlafen?! Weit for dem Zukauf von Monsanto war es schon bekannt, dass viele Leute Monsanto verklagen wollten. Da Ich täglich ausländische Zeitungen lese, habe Ich nur den Kopf geschüttelt über die Entscheidung Monsanto zu kaufen.

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