Wirtschaft

Widerstand gegen Mobilfunkmasten

Bundesregierung startet Kommunikationsoffensive

Deutschland muss bei der Netzabdeckung aufholen, doch viele Bürger wehren sich gegen den Bau neuer Mobilfunkmasten. Die Bundesregierung will der Skepsis mit einer neuen Strategie begegnen.

DPA

Gegen den Bau neuer Mobilfunkmasten formiert sich vielerorts Widerstand

Montag, 18.11.2019   08:09 Uhr

Angesichts von Vorbehalten vor Ort gegen den Bau neuer Mobilfunkmasten will die Bundesregierung in die Offensive gehen. Um mehr Verständnis und Akzeptanz zu erreichen, soll es eine als mehrjährige Kampagne angelegte "Kommunikationsinitiative" geben.

Das geht aus der Mobilfunkstrategie der Regierung hervor. "Alle wünschen sich eine leistungsstarke und flächendeckende Mobilfunkversorgung", heißt es darin. "Aber mitunter scheitert der Ausbau von Standorten für Mobilfunkmasten an Widerständen vor Ort."

Grund dafür seien häufig Vorbehalte gegen Mobilfunkmasten - aus optischen Gründen oder aus Sorge vor zusätzlicher Strahlenbelastung. Ziel der Kampagne sei es, "transparent und neutral" über die Entwicklungen im Mobilfunk zu informieren und in einen vertieften Dialog mit den Bürgern zu treten. "Dabei sollen die technischen Eigenschaften, die Anwendungsfelder und die Möglichkeiten neuer Technik ebenso im Fokus stehen wie gesellschaftliche Auswirkungen und mögliche gesundheitliche Aspekte."

Derzeit werden in Deutschland rund 74.000 Standorte für den öffentlichen Mobilfunk genutzt, wie es in der Strategie heißt. Um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen, müssten Tausende neue Standorte erschlossen und bereits bestehende aufgerüstet werden. Die Erschließung neuer Standorte für Mobilfunknetze sei aber zunehmend schwieriger.

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Die Mobilfunkstrategie ist ein Schwerpunktthema der Digitalklausur der Bundesregierung in Meseberg, die am Sonntag begann. Im Anschluss daran kommt am Montagmittag das Kabinett zu einer regulären Sitzung zusammen.

Weniger Funklöcher: Bundesregierung will mehr als eine Milliarde investieren

In Deutschland gibt es nach wie vor viele "weiße Flecken" beim Mobilfunk, vor allem auf dem Land. Auch die Verbindung in Zügen ist oft schlecht. Die Regierung will das ändern. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mahnte am Sonntagabend schnellere Genehmigungsverfahren beim Ausbau der Mobilfunk-Infrastruktur an. Zurzeit hingen rund tausend Standorte in Genehmigungsverfahren. Deutschland müsse hier schneller werden. Dazu seien auch weitere Gespräche mit Ländern und Kommunen nötig.

Lesetipp aus dem Archiv

Um Funklöcher zu schließen, will der Bund mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Die Regierung will eine Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft gründen, um den Ausbau zu unterstützen und wenn nötig selbst Aufträge zu vergeben.

Die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft soll laut Strategie als Tochtergesellschaft des staatlichen Lkw-Maut-Betreibers Toll Collect mit eigenem Aufsichtsrat eingerichtet werden. Sie soll von einem aus Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen zusammengesetzten Beirat unterstützt werden. Der operative Start der Infrastrukturgesellschaft ist für das dritte Quartal 2020 geplant.

Für den Ausbau der Mobilfunk-Infrastruktur soll außerdem die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen verbessert werden. Den Kommunen komme eine zentrale Rolle zu, heißt es in der Strategie der Bundesregierung. "Denn in der Praxis zeigen sich die Herausforderungen bei der konkreten Realisierung von Sendeanlagen vor Ort." Bei Fragen der erforderlichen Genehmigungen wiederum komme den Ländern eine entscheidende Rolle zu. Im ersten Quartal 2020 ist ein zweiter "Mobilfunkgipfel" geplant.

flg/dpa

insgesamt 24 Beiträge
MisterD 18.11.2019
1. Ich schlage folgendes vor:
Jeder, der gegen den Bau eines Mobilfunkmasts ist, kann sich registrieren lassen und kriegt den Mobilfunk und DVB-T abgestellt. Wer keine Mobilfunkmasten haben möchte, muss dann eben auch auf "Überallfernsehen" und [...]
Jeder, der gegen den Bau eines Mobilfunkmasts ist, kann sich registrieren lassen und kriegt den Mobilfunk und DVB-T abgestellt. Wer keine Mobilfunkmasten haben möchte, muss dann eben auch auf "Überallfernsehen" und sein Mobiltelefon verzichten, denn ohne Mobilfunkmasten gibt es auch keinen Mobilfunk. Was würde ich dafür geben, dass man mir so einen Mast aufs Dach schraubt. Von dem Geld, dass ich dafür vom Betreiber kriege, könnte ich wahrscheinlich locker die Hälfte der Raten fürs ganze Jahr bezahlen... wenn wir weiterhin dabei bleiben, dass im Zweifel eine einzige Person eine ganze Autobahn oder einen Mobilfunkmast verhindert, dann können wir Deutschland zumachen. Wollen wir das? Nur weil ein paar Bekloppte mit Aluhut rumlaufen und glauben die Regierung will ihre Gedanken lesen?
suomi1983 18.11.2019
2. Man darf gespannt sein...
"Ziel der Kampagne sei es, "transparent und neutral" über die Entwicklungen imMobilfunkzu informieren und in einen vertieften Dialog mit den Bürgern zu treten. "Dabei sollen die technischen Eigenschaften, die [...]
"Ziel der Kampagne sei es, "transparent und neutral" über die Entwicklungen imMobilfunkzu informieren und in einen vertieften Dialog mit den Bürgern zu treten. "Dabei sollen die technischen Eigenschaften, die Anwendungsfelder und die Möglichkeiten neuer Technik ebenso im Fokus stehen wie gesellschaftliche Auswirkungen und mögliche gesundheitliche Aspekte." Da darf man mal gespannt sein, ob bei dieser "transparenten" Aufklärung auch zu "möglichen" gesundheitlichen Aspekten weiterhin die Ergebnisse der jüngsten Langzeitstudien des US - NTP-Instituts und des Ramazzini-Instituts ignoriert werden.
knuty 18.11.2019
3.
Ganz so einfach ist es nicht. Mobilfunkmasten in Gegenden zu betreiben, in denen es auch keinen brauchbaren Breitbandanschluss gibt, ist sinnlos, denn ohne einen Anschluss an ein Glasfasernetz bringen Mobilfunkmasten auch [...]
Zitat von MisterDJeder, der gegen den Bau eines Mobilfunkmasts ist, kann sich registrieren lassen und kriegt den Mobilfunk und DVB-T abgestellt. Wer keine Mobilfunkmasten haben möchte, muss dann eben auch auf "Überallfernsehen" und sein Mobiltelefon verzichten, denn ohne Mobilfunkmasten gibt es auch keinen Mobilfunk. Was würde ich dafür geben, dass man mir so einen Mast aufs Dach schraubt. Von dem Geld, dass ich dafür vom Betreiber kriege, könnte ich wahrscheinlich locker die Hälfte der Raten fürs ganze Jahr bezahlen... wenn wir weiterhin dabei bleiben, dass im Zweifel eine einzige Person eine ganze Autobahn oder einen Mobilfunkmast verhindert, dann können wir Deutschland zumachen. Wollen wir das? Nur weil ein paar Bekloppte mit Aluhut rumlaufen und glauben die Regierung will ihre Gedanken lesen?
Ganz so einfach ist es nicht. Mobilfunkmasten in Gegenden zu betreiben, in denen es auch keinen brauchbaren Breitbandanschluss gibt, ist sinnlos, denn ohne einen Anschluss an ein Glasfasernetz bringen Mobilfunkmasten auch nichts.
derhey 18.11.2019
4. Wär ja schön
wenn´s was wird. Nur fehlt mir halt der Glaube. Seit wann sind die Funklöcher bekannt, seit wann weiß man wie D beim Digitalen hinterherhinkt? Hat sich außer Reden, Absichtserklärungen etwas durchgreifendes getan? Nein und [...]
wenn´s was wird. Nur fehlt mir halt der Glaube. Seit wann sind die Funklöcher bekannt, seit wann weiß man wie D beim Digitalen hinterherhinkt? Hat sich außer Reden, Absichtserklärungen etwas durchgreifendes getan? Nein und wird auch nicht. Leider - man sollte sich das notieren und in einem Jahr prüfen, wie viele derFunklöcher geschlossen bzw. neue Masten aufgestellt wurden.
suomi1983 18.11.2019
5. @MisterD Mit Aluhut hat das nix zu tun.
Schön und typisch wie hier direkt wieder die Verschwörungstheorie-Schublade geöffnet wird. Informieren Sie sich doch erstmal über tatsächlich bestehende und nachweisbare gesundheitliche Risiken durch Mobilfunk. Es gibt [...]
Schön und typisch wie hier direkt wieder die Verschwörungstheorie-Schublade geöffnet wird. Informieren Sie sich doch erstmal über tatsächlich bestehende und nachweisbare gesundheitliche Risiken durch Mobilfunk. Es gibt strahlungsärmere Alternativen als dauerfunkende Mobilfunkmasten. Alternativen, bei denen zwischen In- und Outdoorversorgung getrennt wird und die Strahlenbelastung deutlich reduziert wird. In vielen Ländern wird die Mobilfunkstrahlung kritischer gesehen (Schweiz, Frankreich, Österreich, Israel, Indien...) und auch WLAN an Schulen untersagt. (Indien, Israel). Ein Mobilfunk via Funkmasten ist veraltete Technik, die (in einigen Jahren sicher erst) nicht zuletzt gravierende Folgekosten verursachen wird. Mobilfunkstrahlung führt zu Veränderungen der Zellmembran und macht diese angreifbarer für freie Radikale. Dies wurde in über 400 Studien nachgewiesen - zieltzt in groß angelegte Studien des NTP und des Ramazzini-Instituts. Ein kritisches Auge auf die schöne "neue" Welt mit all ihren Verheißungen schadet sicher nicht - gerade wo die 5G-Katastrophe erst anfängt.

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