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Angebot aus der Wirtschaft

Grünenabgeordnete Andreae soll Energielobbyistin werden

Niedersachsens Umweltminister Lies sagte im letzten Augenblick ab. Statt des SPD-Politikers soll nun eine Grünenabgeordnete den Energieverband BDEW führen.

Soeren Stache/dpa

Kerstin Andreae 2013 in Berlin

Montag, 05.08.2019   13:30 Uhr

Der BDEW vertritt 1900 Unternehmen der deutschen Strom-, Gas- und Wasserwirtschaft, darunter auch mächtige Konzerne wie RWE und E.on - und sucht einen neuen Geschäftsführer. Nachdem der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies ein entsprechendes Angebot des Energieverbands ausschlug, soll statt des SPD-Politikers nun die Grünen-Wirtschaftsexpertin Kerstin Andreae die Organisation leiten.

Das BDEW-Präsidium beschloss einstimmig, dem Vorstand Andreae als neue Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung vorzuschlagen. Das teilte der Verband mit. Formell muss Andreae noch vom Vorstand bestellt werden, das aber gilt als sicher. Die Sitzung ist für den 13. August geplant.

Vorgänger wechselt zu Übertragungsnetzbetreiber

Die baden-württembergische Abgeordnete Andreae soll damit Nachfolgerin von Stefan Kapferer werden, der bisher Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist. Kapferer wird neuer Chef des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz.

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Fliegender Wechsel: Wenn Politiker in die Wirtschaft gehen

Andreae selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Sie ist bisher wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion und dürfte ihr Mandat bei einem Wechsel zum BDEW abgeben.

Lies hatte am Montag angekündigt, dass er trotz des BDEW-Angebots in der Politik bleibt. "Mein Platz ist in Niedersachsen", sagte Lies in Hannover bei einer Pressekonferenz mit Ministerpräsident Stephan Weil. Zudem sei seine Entscheidung ein "klares Bekenntnis zur SPD".

Drei Tage zuvor hatte DER SPIEGEL berichtet, dass ihm ein Angebot des BDEW vorlag. Ministerpräsident Weil (SPD) bat ihn daraufhin, sich rasch zu entscheiden.

apr/kko/dpa

insgesamt 32 Beiträge
Thomasvon Bröckel 05.08.2019
1. Keinen Deut besser als CDU/CSU/FDP
Man kann immer nur wieder den Kopf schütteln, wie hier politische Überzeugungen über Bord geworfen werden, um als LobbyistIn in der Privatwirtschaft anzuheuern. Gestern noch bekämpft, morgen auf der Gehaltsliste. Siehe auch [...]
Man kann immer nur wieder den Kopf schütteln, wie hier politische Überzeugungen über Bord geworfen werden, um als LobbyistIn in der Privatwirtschaft anzuheuern. Gestern noch bekämpft, morgen auf der Gehaltsliste. Siehe auch Matthias Berninger, der sich jetzt als Lobbyist bei Bayer verdingt... Das zeigt einem immer wieder, wie "glaubwürdig" Politiker sind...
hegoat 05.08.2019
2.
Mal sehen, wie groß ihre Standfestigkeit ist und wie groß der Reiz des üppigen Lobbyistengehalts... Es bleibt spannend.
Mal sehen, wie groß ihre Standfestigkeit ist und wie groß der Reiz des üppigen Lobbyistengehalts... Es bleibt spannend.
neucriro 05.08.2019
3. Bitte erst die Homepage des BDEW ansehen, bevor man lästert
https://www.bdew.de/energie/energiewende-wir-machen-tempo/ Vermutlich kann sie da eine ganze Menge bewegen, vielleicht mehr noch als in der Politik!
https://www.bdew.de/energie/energiewende-wir-machen-tempo/ Vermutlich kann sie da eine ganze Menge bewegen, vielleicht mehr noch als in der Politik!
tinnytim 05.08.2019
4. Was spricht dagegen?
Nicht jede Lobbytätigkeit ist schlecht. Der BDEW vertritt schon seit einiger Zeit deutlich progressivere Forderungen, als sie die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung an den Tag legt. Selbst unter dem FDP-Mann Kapferer [...]
Zitat von Thomasvon BröckelMan kann immer nur wieder den Kopf schütteln, wie hier politische Überzeugungen über Bord geworfen werden, um als LobbyistIn in der Privatwirtschaft anzuheuern. Gestern noch bekämpft, morgen auf der Gehaltsliste. Siehe auch Matthias Berninger, der sich jetzt als Lobbyist bei Bayer verdingt... Das zeigt einem immer wieder, wie "glaubwürdig" Politiker sind...
Nicht jede Lobbytätigkeit ist schlecht. Der BDEW vertritt schon seit einiger Zeit deutlich progressivere Forderungen, als sie die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung an den Tag legt. Selbst unter dem FDP-Mann Kapferer haben Altmaier und die Union einiges zu hören bekommen, was die Verhinderungspolitik gegen Erneuerbare Energien angeht.
quidquidagis1 05.08.2019
5. Aus dem "Arbeiterkämpfer"..
..Clement ist ja nun auch ein neoliberaler Wirtschaftlobbyist beim INSM geworden.Gegen die Klimawandelleugner vom INSM ist der BDEW noch ein weitsichter Verband.Hier kann eine Grüne einiges bewirken!
..Clement ist ja nun auch ein neoliberaler Wirtschaftlobbyist beim INSM geworden.Gegen die Klimawandelleugner vom INSM ist der BDEW noch ein weitsichter Verband.Hier kann eine Grüne einiges bewirken!

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