Wirtschaft

Größeres Interesse als gedacht

SAP muss mehr Geld für Abfindungen bereitstellen

Mit einem großen Konzernumbau will sich SAP neu ausrichten und hat dazu ein Abfindungsprogramm aufgelegt. Nun melden sich sogar mehr Mitarbeiter als gedacht - und das Unternehmen muss Geld nachschießen.

Uwe Anspach/DPA

Zentrale von SAP in Walldorf: Großes Interesse am Abfindungsprogramm

Donnerstag, 18.07.2019   13:25 Uhr

Der Dax-Konzern SAP reagiert auf die Veränderungen in der Technologiebranche und das hat Auswirkungen auf die Mitarbeiter: Bis zu 4400 Menschen sollen in andere Funktionen wechseln oder mittels Abfindungen die Firma verlassen. Doch das laufende Abfindungsprogramm wird für Europas größten Softwareanbieter kostspieliger als ursprünglich geplant.

Nachdem sich in Deutschland mehr Mitarbeiter als erwartet für das Vorruhestandsprogramm registriert haben, legt SAP noch einmal knapp 200 Millionen Euro beiseite, wie aus dem Quartalsbericht hervorgeht. Damit summieren sich die Kosten auf knapp 1,1 Milliarden Euro.

Ursprünglich hatte SAP das Abfindungsprogramm für 1200 Mitarbeiter geplant. Doch zuletzt war die Rede von 1870 Mitarbeitern, die sich hierzulande für eine Vorruhestandsregelung oder eine Abfindung registriert hatten. Mit wie vielen SAP sich aber am Ende tatsächlich einigen wird, könne man noch nicht sagen, sagte Finanzchef Luka Mucic. Denn auch das Unternehmen muss zustimmen, damit ein Mitarbeiter SAP verlassen kann.

Zuletzt beschäftigte SAP weltweit 98.300 Mitarbeiter. Zum Jahresende sollen es aber trotz der Abfindungen mehr sein. Denn gleichzeitig wird in anderen Bereichen eingestellt. Auf diese Weise will die Firma mit den Veränderungen in der Technologiebranche mithalten. Im ersten Quartal sorgten die Kosten für das Programm von fast 900 Millionen Euro zum ersten Mal seit knapp 17 Jahren für einen Quartalsverlust.

Im zweiten Quartal blieb SAP zwar in den schwarzen Zahlen, doch unterm Strich ging das Ergebnis um 19 Prozent auf 582 Millionen Euro zurück. Neben dem Abfindungsprogramm schlug auch die aktienbasierte Vergütung stärker zu Buche, weil sich der Kurs der SAP-Aktie Chart zeigen so gut entwickelt hatte. Hinzu kamen Kosten im Zusammenhang mit Übernahmen. Der Umsatz kletterte von April bis Juni vor allem dank des boomenden Cloudgeschäfts um elf Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

SAP ist der weltweit führende Hersteller von Software zur Unternehmensführung und arbeitet schon seit rund einem Jahrzehnt daran, sich vom reinen Lizenzverkäufer zum Anbieter von Softwareabos über das Internet zu wandeln. Doch diese Cloudsoftware zur Miete konnte in den vergangenen Jahren noch nicht mit den Gewinnen aus großen Einmalzahlungen für Softwarelizenzen mithalten.

SAP-Chef Bill McDermott muss nun unter Beweis stellen, dass sich die milliardenschweren Zukäufe der vergangenen Jahre auszahlen und das Cloudgeschäft die versprochenen Gewinne auch liefern kann.

mmq/dpa/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
migampe 18.07.2019
1. Aha!
Jetzt erklärt sich auch, warum die Berater immer davon reden, daß man unbedingt auf SAP4HANA umstellen soll!
Jetzt erklärt sich auch, warum die Berater immer davon reden, daß man unbedingt auf SAP4HANA umstellen soll!
stolte-privat 18.07.2019
2. Das zeigt wieder einmal...
...deutlich, wohin der Trend geht: raus aus der Arbeitswelt so früh wie möglich! Selbst in einem Berufsfeld wie SW-Entwicklung (keine großen körperlichen Anstrengungen) sind die Menschen im letzten Drittel ihres Berufslebens [...]
...deutlich, wohin der Trend geht: raus aus der Arbeitswelt so früh wie möglich! Selbst in einem Berufsfeld wie SW-Entwicklung (keine großen körperlichen Anstrengungen) sind die Menschen im letzten Drittel ihres Berufslebens ausgebrannt und frustriert. Wie soll da ein Handwerker (Maurer, Gerüstbauer, Straßenbauer, Steinsetzer,....) bis 65, 67 oder gar 70+ arbeiten? Wir brauchen eine Rückkehr zu einer vernünftigen Lebensarbeitszeit und einer Rente, von der Menschen auch leben können. Geld ist aus Steuereinnahmen genug da. Es muß nur verwendet statt verschwendet werden!
peter-11 18.07.2019
3. sorry
aber wie k8mmen Sie auf "ausgebrannt" und "frustriert"? Es handelt sich um ein Angebot von SAP und wenn man das eventuell annehmen möchte, kann das einfach mit mehr Freizeit usw. begründet sein. Schon [...]
aber wie k8mmen Sie auf "ausgebrannt" und "frustriert"? Es handelt sich um ein Angebot von SAP und wenn man das eventuell annehmen möchte, kann das einfach mit mehr Freizeit usw. begründet sein. Schon komisch, dass sofort wieder alles so schlimm dargestellt wird. Eigene Frustration muss man nicht auf alle anderen übertragen.
SAP sucks 18.07.2019
4.
Haha die leute gehen weil sie schlecht bezahlt werden und lieber woanders arbeiten können.
Haha die leute gehen weil sie schlecht bezahlt werden und lieber woanders arbeiten können.

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Software-Gigant SAP

Der Konzern
Die im badischen Walldorf ansässige SAP AG ist Europas größter Software-Hersteller. Das Unternehmen wurde 1972 von Hasso Plattner , Dietmar Hopp , Klaus Tschira , Claus Wellenreuther und Hans-Werner Hector als "Systemanalyse und Programmentwicklung", kurz SAP, gegründet. SAP beschäftigt über 66.000 Mitarbeiter, die in mehr als 50 verschieden Ländern arbeiten. Inzwischen erzielt der Software-Gigant einen Umsatz von fast 17 Milliarden Euro.
Die Geschäftsfelder
SAP entwickelt Unternehmenssoftware zur Abwicklung von Geschäftsprozessen wie z. B. Buchführung, Controlling, Vertrieb, Einkauf, Produktion, Lagerhaltung und Personalwesen.
Die Chefs
Im Februar 2010 hat der SAP-Aufsichtsrat Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe zu gleichberechtigten Vorstandschefs ernannt. Beide Manager sind seit 2008 Mitglieder des Vorstands. Vom 21. Mai 2014 an wird McDermott den Vorstandsvorsitz allein innehaben, Snabe will in den Aufsichtsrat wechseln. Vorsitzender des kontrollgremiums ist Firmenmitgründer Hasso Plattner .

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