Wirtschaft

Erfolgreiche Elektroautos

Streetscooter-Gründer muss Post verlassen

Die Elektrowagen der Post-Tochter Streetscooter sind ein riesiger Erfolg - doch Konzernchef Frank Appel ist das offenbar unheimlich: Im Streit um die künftige Ausrichtung musste nun der Erfinder der Fahrzeuge gehen.

Wolfgang Rattay / REUTERS

Achim Kampker im Streetscooter (Archivbild)

Von , Düsseldorf
Freitag, 05.04.2019   14:58 Uhr

Achim Kampker gilt als Erfinder der Elektrofahrzeuge Streetscooter, die der Post in den vergangen Jahren nicht nur ein gutes Image, sondern auch große Erfolge beschert haben. Doch im Streit mit Post-Chef Frank Appel muss der einstige Chef der Tochterfirma das Unternehmen nun verlassen.

Um den von Kampker aufgebauten Hersteller von Elektrotransportern tobt in der Post seit Monaten bereits ein Machtkampf. Auf der einen Seite steht der mächtige Post-Chef und ehemalige McKinsey-Berater Appel. Ihm ist der Erfolg der unkonventionellen Autobauer aus Aachen schon lange unheimlich.

Der Hochschulprofessor und Ingenieur Kampker hatte mit wenig Geld und einer bunten Truppe von meist unerfahrenen Ingenieuren eine im Konzern einzigartige Wertsteigerung auf mehrere Milliarden Euro Firmenwert geschafft und der angestaubten Post ganz nebenbei auch noch ein völlig neues Image verpasst.

Doch Appel ist dieser Erfolg offenbar suspekt - und womöglich ist es ihm sogar peinlich, als schnödes Logistikunternehmen die großen Autobosse wie Daimler-Chef Dieter Zetsche oder Herbert Diess von VW auf deren eigenem Terrain anzugreifen.

Auch deshalb würde der Post-Chef das Tochterunternehmen Streetscooter am liebsten gewinnbringend verkaufen. Wären da nicht der damit verbundene Imageverlust - und Appels Gegenspieler, die Streetscooter zu einer echten Marke im neuen Markt für E-Mobile ausbauen wollten und dafür schlagkräftige Partner suchten.

Kampker strebte eine Partnerschaft mit Schaeffler an

Einer dieser Gegenspieler war der eher raubeinige Selfmade-Manager Jürgen Gerdes. Als langjähriger Chef der Brief-und Paketsparte hat er die Umstellung des Logistikkonzerns auf E-Mobile sehr früh schon vorangetrieben, nach passenden Fahrzeugen gesucht und schließlich Achim Kampker mit seiner aus der Technischen Hochschule Aachen ausgegründeten Bastel- und Innovationsbude für E-Mobile gefunden. Gerdes gab Geld und Rückendeckung, Kampker lieferte Wissen und Ideen. So entstand Streetscooter - eine Erfolgsgeschichte.

Doch Gerdes und seine stetig wachsende Autofirma wurden dem Postchef zu mächtig. Und da Gerdes in seiner Streetscooter-Euphorie sein eigentliches Geschäftsfeld, die Briefe und Pakete, ein wenig aus den Augen verlor, nutzte Appel die Rückgänge im Postgeschäft, um Gerdes kurzerhand aus dem Konzern zu drängen.

Anschließend engagierte Appel für Streetscooter einen Profimanager aus der Autobranche, Jörg Sommer. Er soll den Auftrag haben, die Firma noch ein wenig hübscher und profitabler zu machen, um sie dann für ein paar Milliarden an die begierige Konkurrenz zu verscherbeln.

Gerdes und Kampker hatten allerdings schon früh eigene Pläne und Gespräche eingefädelt. Sie suchten einen potenten Partner, mit dem sie Streetscooter zu einer eigenständigen und unabhängigen Marke entwickeln konnten und hatten ihn mit dem Autozulieferer Schaeffler schließlich auch gefunden.

Nach Gerdes Rausschmiss führte Kampker die Kontakte und Gespräche mit Schaeffler weiter. Hochrangige Mitarbeiter bei der Post und im Aachener Werk berichten, dass ein Abschluss in greifbarer Nähe gewesen sein soll. Doch jetzt ist auch Kampker weg.

Die Post weist all das ins Reich der Legende. Das seien haltlose und unwahre Unterstellungen. Man habe sich einvernehmlich von Kampker auf dessen "eigenen Wunsch" getrennt und werde mit dem verdienten Ingenieur auch in Zukunft vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Kampker selbst schweigt. Er hat sich in sein Institut an der Hochschule in Aachen zurückgezogen und bastelt schon an neuen Projekten in Sachen Mobilität. Ganz sicher nicht für die Deutsche Post.

insgesamt 67 Beiträge
chb_74 05.04.2019
1. Meckies in Unternehmen
Bisher haben die McKinsey-Leute noch in fast jedem Unternehmen Schaden angerichtet, das sie heimgesucht haben. Nicht auf den glitzernden Folien, aber mindestens in der Psyche der beschäftigten, meist aber auch in der [...]
Bisher haben die McKinsey-Leute noch in fast jedem Unternehmen Schaden angerichtet, das sie heimgesucht haben. Nicht auf den glitzernden Folien, aber mindestens in der Psyche der beschäftigten, meist aber auch in der langfristigen Zukunftsfähigkeit. Das wird dann oft nur dadurch abgefedert, dass der Umsetzungseifer der "Ideen" und "Konzepte" im Topmanagement schnell erlahmt, und so nicht alles Funktionierende zerstört wird. Appel ist genau so ein "Meckie" - anstatt Erfolge dauerhaft zu sichern, geht es um Macht, weil diese simple Strategie in sein schlichtes Berater-Denkschema passt, anders als der Erfolg der Scooter-Sparte.
bertram.anderer 05.04.2019
2. Profi Manager
Was soll das sein, ein "Profi Manager" ? Einer der die innovativen Kräfte vertreibt, deren Erfolg für sich beansprucht und sich um alles andere einen Dreck schert ? In der Tat, das sind die Profis die wir brauchen. Bei [...]
Was soll das sein, ein "Profi Manager" ? Einer der die innovativen Kräfte vertreibt, deren Erfolg für sich beansprucht und sich um alles andere einen Dreck schert ? In der Tat, das sind die Profis die wir brauchen. Bei VW, BOSCH und all den anderen "Profis". So kommt Deutschland voran und die Chinesen zittern schon vor unseren "Profis".
sozialismusfürreiche 05.04.2019
3. typische deutsche Unternehmenskultur
Das ist mal wieder typische dt. Unternehmenskultur. Schon andere technische Innovationen wie das Fax hat man kaputt gemacht. Und es gäbe da noch einige. Einer Google, Amazon etc. wäre sowas nie passiert.
Das ist mal wieder typische dt. Unternehmenskultur. Schon andere technische Innovationen wie das Fax hat man kaputt gemacht. Und es gäbe da noch einige. Einer Google, Amazon etc. wäre sowas nie passiert.
jkleinmann 05.04.2019
4. Brände
Weshalb wird das massive Problem der Brandgefahr in diesem Artikel ignoriert? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/deutsche-post-zieht-460-streetscooter-nach-braenden-aus-dem-verkehr-a-1258844.html
Weshalb wird das massive Problem der Brandgefahr in diesem Artikel ignoriert? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/deutsche-post-zieht-460-streetscooter-nach-braenden-aus-dem-verkehr-a-1258844.html
lathea 05.04.2019
5. McKinsey braucht halt ein paar .....
......schnell rentable Investitionsobjekte für seine notleidenden Milliardär- Kunden und Appel gehört zum persönlichen Netzwerk, auf das man sich eben verlassen kann. Hoffentlich haben die Firmengründer jetzt genug [...]
......schnell rentable Investitionsobjekte für seine notleidenden Milliardär- Kunden und Appel gehört zum persönlichen Netzwerk, auf das man sich eben verlassen kann. Hoffentlich haben die Firmengründer jetzt genug Startkapital, im kleine 2-4-Sitzer mit Laderaum für den Privatmarkt zusammen mit Schaeffler zu bauen. Die dürften weggehen, wie warme Semmeln. Und die Post kann sich ja nah Appel wieder auf das Verlustgeschäft konzentrieren - der Steuerzahler wird den Verlust schon richten. Hauptsache, Buffet & Co haben einen neuen Milliardenzuwachs in ihren Steueroasen. Irgendwann kann man die Produktion dann nach China verlegen und nach Sitzverlegung noch gewinnbringender alles an die Chinesen verscherbeln. Da sollte die EU doch mal ein Augenmerk auf solche Deals werfen.

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