Wirtschaft

Haftstrafe

Ex-Bertelsmann-Chef hat Mitleid mit Middelhoff

Die Haftstrafe von drei Jahren für Thomas Middelhoff sei "viel zu hoch" - diese Ansicht vertritt der frühere Bertelsmann-Chef Mark Wössner. Auch er spielte in dem Prozess eine Rolle am Rande.

REUTERS

Damaliger Bertelsmann-Chef Wössner und Middelhoff 1998: Strafe "viel zu hoch"

Freitag, 14.11.2014   15:51 Uhr

Bielefeld/Essen -Thomas Middelhoff bekommt Zuspruch von einem Manager-Kollegen: Ex-Bertelsmann-Chef Mark Wössner hat das Strafmaß für Middelhoff als "viel zu hoch" bezeichnet. "Mir tut das unendlich leid", sagte Wössner dem "Westfalen-Blatt". Gemessen an anderen Wirtschaftsstrafverfahren seien die Richter über das Ziel hinausgeschossen. Wössner galt als Mentor Middelhoffs und war dessen Vorgänger auf dem Bertelsmann-Chefposten.

Das Landgericht Essen hat Middelhoff wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in drei Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt.

In dem Verfahren war es auch um eine Festschrift für Wössner gegangen. Diese war auf Veranlassung von Middelhoff von Arcandor mit 180.000 Euro gesponsert worden. Zu dem Schriftwerk sagte Wössner: "Das ist ein großartiges Buch, aber ich hatte damit nichts zu tun. Ich habe es geschenkt bekommen, das ist alles." Wössner sagte zudem, inzwischen stehe er mit Middelhoff nur noch in losem Kontakt.

mmq/dpa

insgesamt 7 Beiträge
stefangr 14.11.2014
1. viel zu gering
Gerade jene, die extrem über andere herrschen, sich möglicherweise an dem Unternehmen bereichern, müssten eigentlich doppelt und nicht halb bestraft werden. Aber bestimmt wird ein Urteil zur Bewährung daraus, das wird die [...]
Gerade jene, die extrem über andere herrschen, sich möglicherweise an dem Unternehmen bereichern, müssten eigentlich doppelt und nicht halb bestraft werden. Aber bestimmt wird ein Urteil zur Bewährung daraus, das wird die Bertelsmann-Stiftung schon mit ihren Beziehungen zur Politik und Justiz zugunsten von Middelhoff beeinflussen. Jeder Strauchdieb, der mehrfach in die Kasse langt und soviel Geld unterschlägt, erhält mehr Strafe. Aber §§ 3 des GG steht ja nur auf dem Papier, umgesetzt wird davon nichts, sonst müsste sich die politische und wirtschaftliche Elite selbst bestrafen, das macht sie nicht. Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
michaeleberz 14.11.2014
2. Es reicht
Mutig, was die Richter entschieden haben, aber richtig. Es ist Zeit, mit den Blutsaugern der Gesellschaft in den Kampf zu gehen. Ich bin auch ein "Geschäftsmann", sogar erfolgreich. Was aber die Industrie und [...]
Mutig, was die Richter entschieden haben, aber richtig. Es ist Zeit, mit den Blutsaugern der Gesellschaft in den Kampf zu gehen. Ich bin auch ein "Geschäftsmann", sogar erfolgreich. Was aber die Industrie und Bankoberen in den letzten Jahren abliefern, ist höchst assozial und egoistisch. Hier stimmen die Verhältnisse schon lange nicht mehr, genauso wenig, wie in der Unterhaltungsbranche, der Internetbranche und im hochbezahlten Sport. Mit freier Markwirtschaft hat das rein gar nichts mehr zu tun, mit sozialer Marktwitschaft noch weniger. Ich hoffe, das ist ein Zeichen für Menschen, die nicht mit eigenem Geld, sondern mit anvertrautem Geld sich ungehörig bereichern. Leider sind diese (meistens) Herrn aber nur ein Spiegel der Gesellschaft, auch das Individuum verhält sich im Kleinen oft ähnlich, wenn auch auf einem anderen Niveau. Die Ehrlichen und Fleißigen werden abgestraft. Die Karawane wird sich das vermutlich nicht gefallen lassen. Der Urteilsspruch ist noch nicht verhallt, schon meldet sich der ertse Vertreter dieser Kaste (Mark Wössner). Man wird wieder damit drohen, ins Ausland zu gehen, da man dort noch mehr verdient, mit noch weniger Steuern und man vor allen Dingen willkommen empfangen wird. In nicht all zu ferner Zukunft wird man sicherlich in Geschichtbüchern von der Epoche der neuen Raubritter lesen können. Wo bleibt unsere christliche Soziallehre? Wo bleibt die selbstbewusste Politik? Nein, diese Herrn sind genausowenig "systemrelavant" wie verbrecherich agierende Banken oder Kleinstaaten. German Angst macht sich breit, aber unser Standort wird auch weiterhin wettbewerbsfähig bleiben, auch ohne diese merkwürdige Kaste. Esgibt genügend Fähige, wir habem ein sicheres Rechtssystem und liegen geographisch im Herzen Europas Mehr Mutige, bitte! Michael R.Eberz
iloveputin 14.11.2014
3. Hat er doch noch Glück gehabt...
In anderen Branchen wie z.B. Werbewirtschaft kann man gut und gerne auch mal für 11 Jahre weggesperrt werden. Siehe Aleksander Ruzicka, ebenfalls Topmanager, ebenfalls Betrüger und selbstverliebter Gierhals...der wurde wegen [...]
In anderen Branchen wie z.B. Werbewirtschaft kann man gut und gerne auch mal für 11 Jahre weggesperrt werden. Siehe Aleksander Ruzicka, ebenfalls Topmanager, ebenfalls Betrüger und selbstverliebter Gierhals...der wurde wegen 35Mio. Unterschlagung Gott sei Dank aus dem Verkehr gezogen. Und das nicht nur für läppische 3 Jahre!!!!!
wo_st 14.11.2014
4.
Hat sein Kollege Angst, dass er auch dran kommt?
Hat sein Kollege Angst, dass er auch dran kommt?
Biberschwanz 14.11.2014
5. Das Beispiel der Hybris
Middelhoff wähnte sich, wei die meisten seiner Top-Manager-Kollegen, als einen der Masters od the Universe. Und wie alle Top-Manager sah er "seine" Unternehmen als Selbstbedienungsladen. Da hat er sich, wies Usus ist [...]
Middelhoff wähnte sich, wei die meisten seiner Top-Manager-Kollegen, als einen der Masters od the Universe. Und wie alle Top-Manager sah er "seine" Unternehmen als Selbstbedienungsladen. Da hat er sich, wies Usus ist in der Branche, eben selbst bedient. Ein bisschen zu exzessiv, wie's scheint. Dass ihm jetzt einer seiner Selbstbediener-Kollegen zur Seite springt, gar "Mitleid" mit ihm hat, ist ja wohl selbstverständlich.Denn dieses Mitleid ist vorweggenommenes Selbstmitleid eines Kastenbruders. Und diese Kaste hat jeden Bezug, jeden Blick auf die Realität der normalen Menschen längst abgestreift. "Wie kann es sein, dass einer, der sich selbst bedient, einer von uns wohlgemerkt, für diese Selbstbedienung einfahren muss?" Nun - es kann sein. Es passiert nur viel zu selten.

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