Wirtschaft

Strafanzeige gegen früheren Co-Chef

Intrigen erschüttern mächtige Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO

Der Streit in der mächtigen Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO eskaliert. Co-Chef Nicoley Baublies erstattete nach SPIEGEL-Informationen Strafanzeige wegen Untreue und Betrugs gegen seinen früheren Co-Vorsitzenden Klappert.

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UFO-Mitglieder während eines Streiks 2016

Von und
Donnerstag, 21.03.2019   18:23 Uhr

Noch im vergangenen Dezember sah es so aus, als wären Nicoley Baublies und Thomas Klappert ein ideales Team. Die Chefs der Kabinengewerkschaft UFO posierten bester Laune vor der Kamera, um den 15.000 Mitgliedern ihre Weihnachtsbotschaft zu überbringen. Sie lautete: Die Machtkämpfe im Vorstand sind vorbei. Künftig zögen alle wieder an einem Strang. Flugbegleiter, so das Fazit, hätten schließlich "den besten Job, den man sich vorstellen kann".

UFO

Thomas Klappert und Nicoley Baublies in ihrer Weihnachtsbotschaft

Die zur Schau gestellte Harmonie liegt gerade mal drei Monate zurück, doch die beiden Männer streiten heftiger denn je. Am Donnerstag dieser Woche ließ Baublies sogar Strafanzeige wegen Untreue und Betrugs gegen seinen Co-Chef Klappert und dessen Unterstützer erstatten.

Der Kampf an der Spitze droht die mächtige Gewerkschaft zu zerreißen. Sie organisiert einen Großteil der 24.000 Kabinenmitarbeiter bei der Lufthansa, ist im Innern aber tief gespalten. Und der Streit könnte dem Konzern gefährlich werden. Immerhin führt die Gewerkschaft aktuell Tarifverhandlungen für die Flugbegleiter im Stammhaus des Unternehmens. Doch nicht mal mehr Insider blicken noch durch, wer bei der UFO das Sagen hat oder künftig haben könnte.

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Nicoley Baublies

Tricksereien bei Reisekosten, Bewirtungsspesen und Mietverträgen

Intrigen, Indiskretionen und gezielte Verleumdungsversuche sind an der Tagesordnung. Bereits seit Anfang Februar ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen zwei namentlich bislang nicht bekannte UFO-Führungskräfte wegen des Verdachts der Untreue und Selbstbereicherung. Es soll unter anderem um Tricksereien bei Reisekosten, Bewirtungsspesen und Mietverträgen gehen. Nun droht die Situation zu eskalieren - durch eine eher zufällig aufgedeckte Affäre.

Im Rahmen einer Routineprüfung des Registergerichts war Anfang März aufgefallen, dass der ehemalige Air-Berlin-Manager und Arbeitnehmervertreter Klappert bei der UFO gar nicht hätte in den Vorstand einziehen dürfen. Die Führungsposten waren laut Satzung schon besetzt, da die zulässige Gesamtzahl von sieben Vorständen überschritten wurde. Im Rahmen einer Prüfung durch die Behörden hatten Baublies und eine enge Vertraute von ihm Einsicht in den Anstellungsvertrag des Co-Chefs nehmen wollen, doch schon die Suche gestaltete sich etwas zäh. Das Papier lagerte in einer Art Giftschrank, offenbar aus gutem Grund. Der Vertrag enthält jede Menge attraktiver, aber durchaus unüblicher Zusatzvereinbarungen, die teilweise sogar gegen die UFO-Satzung verstoßen.

So wurde Klappert für den Fall, dass er als Vorstand nicht wiedergewählt werden sollte, die Fortzahlung seines Gehalts zugesichert und die Position als hauptamtlicher Geschäftsführer. Für eine solche Vereinbarung hätte es einen Vorstandsbeschluss gebraucht, den aber gab es offenbar nicht. Auch andere Details waren Baublies und seinen Getreuen nicht bekannt. So durfte Klappert angeblich Umzugskosten von fast 7000 Euro abrechnen. Auch die Beiträge für acht Lebensversicherungen und eine Berufshaftpflichtpolice sollen von der UFO übernommen worden sein, ebenso wie die Kosten für einen "PKW seiner Wahl".

Unterschrieben worden war der Vertrag von dem ehemaligen UFO-Chef Behrens sowie dem UFO-Vorstandsmitglied Christoph Drescher.

Klappert revanchierte sich, indem er den beiden umgekehrt geholfen haben soll, ihre eigenen Vorstandsverträge "aufzubessern" und die geänderten Vereinbarungen jeweils zusammen mit einem weiteren Vorstandsmitglied gegenzeichnete. Auch sie befanden sich in dem geheimen Schrankfach. Unter anderem wurde ihnen

Behrens soll von der Regelung Gebrauch gemacht haben, indem er einen Mercedes-Mietwagenvertrag seiner Frau auf sich selbst umschreiben ließ - auf Kosten der UFO.

Gewerkschaft Ver.di als lachende Dritte?

Baublies, der inzwischen als alleiniger UFO-Chef fungiert, zog daraufhin Anwälte zurate und rief am vergangenen Sonntag eine außerordentliche Vorstandssitzung ein. Auf ihr wurden die Verträge der drei außerordentlich gekündigt, nachdem Behrens und Drescher das Treffen zuvor unter Protest verlassen hatten.

Wie es weitergeht, müssen nun die UFO-Mitglieder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung entscheiden - und die Staatsanwaltschaft. Anfragen des SPIEGEL ließen die Beteiligten unbeantwortet. In internen Stellungnahmen sollen sie die Vorwürfe als haltlos bezeichnet haben.

Die Mehrheit der UFO-Mitarbeiter hat sich offenbar auf die Seite von Baublies geschlagen, wie aus einer gemeinsamen Erklärung hervorgeht. Behrens soll vorsorglich schon mal damit gedroht haben, seinerseits Strafanzeige gegen Baublies zu stellen und auch dessen Dienstvertrag aufzukündigen. Gut möglich, dass von der alten Garde am Ende niemand mehr übrigbleibt.

Lachende Dritte könnten die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und ihre Vorstandsfrau Christine Behle sein. Sie sitzt im Lufthansa-Aufsichtsrat und würde die UFO-Mitglieder liebend gerne in den eigenen Reihen aufnehmen. Bislang gelang ihr das nicht, weil die UFO zu stark war. Doch das ändert sich gerade. Wenn deren Führung sich weiterhin gegenseitig zerfleischt, könnte Behles Traum bald in Erfüllung gehen.

insgesamt 7 Beiträge
checkitoutple 21.03.2019
1. Kaum Anzunehmen das sich da jemand freiwillig Verdi anscbiesst.
Wie unterirdisch deren Verhandlungsfuehrung ist hat man ja am letzten Tarifabschluss im Oeffendlichen Dienst gesehen der mal wieder nicht einmal einen Inflationsausgleich gebracht har. Wer da auf Verdi traut hat auf Sand gebaut. [...]
Wie unterirdisch deren Verhandlungsfuehrung ist hat man ja am letzten Tarifabschluss im Oeffendlichen Dienst gesehen der mal wieder nicht einmal einen Inflationsausgleich gebracht har. Wer da auf Verdi traut hat auf Sand gebaut. Nie waren xje Chancen auf eine erhoehung oberhalb von 8 % besser.
gammoncrack 21.03.2019
2. Wahnsinn!
"Statt zweiter Klasse, wie bei der UFO üblich, durften die Vorstände künftig bei der Bahn Erster Klasse fahren." Jetzt möchte ich mal erleben, dass in einen größeren Unternehmen Vorstände 2. Klasse fahren.
"Statt zweiter Klasse, wie bei der UFO üblich, durften die Vorstände künftig bei der Bahn Erster Klasse fahren." Jetzt möchte ich mal erleben, dass in einen größeren Unternehmen Vorstände 2. Klasse fahren.
der_rookie 21.03.2019
3. Hm
Das Problem von jeder kleineren Organisation: Sitzen Idealisten am Steuer können diese Moral auf eine neue Ebene heben. Kommen allerdings Durchschnittsmenschen (gierig, käuflich) an die Macht, dann haben die Organisationen zu [...]
Das Problem von jeder kleineren Organisation: Sitzen Idealisten am Steuer können diese Moral auf eine neue Ebene heben. Kommen allerdings Durchschnittsmenschen (gierig, käuflich) an die Macht, dann haben die Organisationen zu wenig Prozesse und Kraft für eine effektive Kontrolle. Was davon bei UFO zutrifft: Keine Ahnung. Aber Ihre StreikHistorie grenzt aus Sicht mancher Passagiere eher an Machtmisbrauch als an einen Heiligenschein.
fabi.c 21.03.2019
4. Wie aus ...,
Wie aus Zauberhand wird in der SPON berichtet ,dass UFO am Zerreißen im Begriff ist. : Ein Schelm der was böses vermutet : Ver.di hat bei den Flugbegleitern jahrelang das Sagen gehabt und hat nichts gesagt. Weshalb soll [...]
Wie aus Zauberhand wird in der SPON berichtet ,dass UFO am Zerreißen im Begriff ist. : Ein Schelm der was böses vermutet : Ver.di hat bei den Flugbegleitern jahrelang das Sagen gehabt und hat nichts gesagt. Weshalb soll Ver.di lachender dritte sein. ? Die namentlich genannten haben Persönlichkeitsrechte. Weshalb schreiben Sie nicht einige Vorstände. ??
spasssbremse 21.03.2019
5. Frauenanteil bei Flugbegleitern?
Der Frauenanteil unter den Flugbegleitern sollte meiner Meinung nach sehr hoch sein... Deswegen sollte in meinen Augen auch eine Frau diese Gewerkschaft leiten! Ansonsten halte ich ja nicht viel von dem Genderkram, aber in [...]
Der Frauenanteil unter den Flugbegleitern sollte meiner Meinung nach sehr hoch sein... Deswegen sollte in meinen Augen auch eine Frau diese Gewerkschaft leiten! Ansonsten halte ich ja nicht viel von dem Genderkram, aber in diesem Fall finde ich es vollkommen daneben, wenn Männer diese Gewerkschaft führen!

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