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Weltkrise privat

Lahm stürzt Bayern in die Klimakatastrophe

4-4-3 oder 0-8-15? Nationalspieler Philipp Lahm hat beim FC Bayern mit spitzfindigen Fragen eine Systemkrise heraufbeschworen. Fachleute fürchten, dass die brodelnde Wut von Uli Hoeneß die Pole abschmilzt. Das Bundesamt für Strahlenschutz will den Manager in einen Bleimantel einbetonieren.

dpa

Nationalspieler Lahm: Integrationsprobleme?

Von SPIEGEL-ONLINE-Krisen-Kolumnist
Donnerstag, 19.11.2009   18:16 Uhr

Der Klimagipfel von Kopenhagen gilt als gescheitert, bevor er begann. Dabei könnte man gemeinsam ganz konkrete Projekte angehen, allen voran den Emissionsausstoß beim deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern München.

Allein die regelmäßigen Hitzewallungen von Noch-Manager Uli Hoeneß werden nach Ansicht von Fachleuten beide Polkappen zum Schmelzen bringen. Mit der Energie, die sein rot angeschwollener Kopf in Stress- und Krisenphasen abstrahlt, ließe sich eine Stadt von der Größe Heilbronns zwei strenge Wintermonate lang mit Strom und Wärme versorgen.

Natürlich ist Hoeneß nur selten in Heilbronn. Aber manchmal, wenn es besonders schlimm ist, nimmt Franz Beckenbauer ihn mit nach Kitzbühel, wo Hoeneß auf einer Almwiese ein paar Kälber reißen darf, um sich abzureagieren. Dann is' wieder gut. Für ein paar Tage zumindest. Die letzten Erschütterungen im Vereinsheim an der Säbener Straße waren seismologisch noch im 16.340 Kilometer entfernten Sydney zu erfassen.

Wenn der Bayern-Manager sich ärgert, wird er eben zum Risiko. Und er ärgerte sich oft: über Leute, die seinen Trainer Louis van Gaal attackieren, über Leute, die van Gaal in Schutz nehmen, über van Gaal. Und über Philipp Lahm, über Scheiß-Spielerberater, über Lahm, Scheiß-Klugschwätzer und Scheiß-Journalisten. und manchmal über Lahm, der kürzlich eine Spiel-Philosophie und ein System für die Mannschaft forderte.

Damit sprach er aus, was viele Bayern-Fachleute denken, denen er seither als Thilo Sarrazin des deutschen Fußballs gilt. Jetzt hat auch Lahm bei Hoeneß ein Integrationsproblem. Er hat eine gewisse Unruhe in das Leben seiner Mitspieler gebracht, das sonst von der Vereinssatzung übersichtlich strukturiert wird: Sie müssen

  1. sich regelmäßig beim Michi Käfer im P1 besaufen,
  2. auf der Wiesn eine Lederhose tragen und
  3. einmal im Jahr Deutscher Meister werden.

Hoeneß ahnt dunkel, dass Lahm einen Schulabschluss hat, lässt sich aber nichts anmerken, weil er ein liberaler Mensch ist. Jeder Spieler darf eine Meinung haben: seine.

Lahm geht es um die Systemfrage: 4-4-2 oder 4-3-3? Dem Uli ist das sowas-von-des-glaubst-du-kaum-unfassbar-kackegal, weil die wo jetzt sagen, dass der FC nicht systematisch alle Systeme spielen können tät, die was es gibt auf der Welt, dem sagt der Uli ganz klar, dass das ein saudummes G'schwätz ist, ein saudummes, weil in Barcelona spielt man immer anders Fußball als daheim gegen Greuther Fürth Taschenbillard, verstehst?

Die "Süddeutsche Zeitung" schlägt vor, dass die Mannschaft "trotz der Forderung nach Ballbesitz wieder offensiver das Tor sucht". Dabei haben sie in der Allianz-Arena sogar zwei Tore, die selbst Luca Toni mit verbundenen Augen findet. Und selbst in der Krise ist für jeden noch ein Ball da, außer bei Punktspielen.

Dennoch will Hoeneß demnächst anfangen zu sparen, zuerst dort, wo es ihm am wenigsten weh tut: am Kader. Wer krank feiert, fliegt raus. Nur wer sich auf Depressionen beruft, hat Schonfrist, weil Hoeneß da ein paar Wochen Verständnis zeigen muss. Ansonsten ist Kurzarbeit angesagt. Selbst die Stammspieler dürfen nur noch 90 Minuten pro Woche ihren Job machen. In der Rückrunde soll die Mannschaft mit acht oder neun Akteuren auf dem Platz auskommen.

Hoeneß spart weg, was geht: zum Beispiel die Champions-League-Teilnahme. System: 0-8-15. Fürs Klima im Club und auch sonst ist das alles nicht gut. Das Bundesamt für Strahlenschutz verlangt, Hoeneß in einem Bleimantel einzubetonieren. Gegen seine Endlagerung in einem kasachischen Salzstock wehren sich bisher seine Angehörigen. Auch da könnte Kopenhagen Überzeugungsarbeit leisten.

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