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Weltkrise privat

Ogottogott, Griechenland!

Die Hellenen sind ein sympathisches Volk: sonnig, kreativ und total überschuldet. Der nun nahende Staatsbankrott war allerdings lange abzusehen - denn die Buchführung ist genauso unübersichtlich wie Altgriechisch und die 3054 Inseln des Landes.

dpa

Protestierende Studenten in Athen: Korruption, Schattenwirtschaft und kreative Buchführung

Von SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist
Donnerstag, 17.12.2009   12:25 Uhr

Hamburg - Nach allem, was man darüber lesen und hören kann, geht es finanziell nicht gut. Das Staatsdefizit liegt gegenwärtig bei über zwölf Prozent, vielleicht ist es aber auch noch größer. Niemand weiß es so genau. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sagt: "Wir sind nicht Island." Das ist völlig korrekt. Sein Land besitzt keinerlei Geysire. Und es gibt nur sehr wenige Hellenen, die Guðmundursdóttir heißen.

Aber wer schon einmal auf dem Peloponnes Urlaub gemacht hat, weiß, dass die dramatische Haushaltslage nicht überraschend kommt: Überall stehen kaputte Gebäude herum. Das meiste von dem ganz alten Krempel war nicht einmal in seiner bewohnten Zeiten an die Kanalisation angeschlossen und verfügt über keinerlei Außenisolierung nach EU-Norm. Zerbröselnde Statuen und Säulen wurden achtlos liegengelassen. So verrottet es nun zum Teil schon seit mehreren tausend Jahren. Altgriechisch ist überdies eine komplett tote Sprache und dient heute nur noch dazu, den Nachwuchs des deutschen Bildungsbürgertums zu erschrecken. Das konnte auf Dauer nicht gutgehen. Vor einem drohenden Bankrott zu warnen, hieße deshalb Eulen nach Athen tragen.

Pomaken, Sarakatschanen, orthodoxe Arvaniten

Staatspleiten seien hiermit übrigens als der Megatrend 2010 prognostiziert, aber wir schweifen ab. Griechenland gilt schon jetzt als völlig zersplittert. Zu den Griechen gehören zum Beispiel auch Aromunen, die aber von den Griechen selbst auch gern Wlachen genannt werden, sowie Pomaken und Sarakatschanen, ganz zu schweigen von den orthodoxen Arvaniten. Man kann als Außenstehender nur schwer beurteilen, wie zum Beispiel die Aromunen mit den Pomaken klarkommen. Und wo wird eigentlich westrumelisch gesprochen?

Es ist genauso unübersichtlich wie die griechische Staatsbilanz. Der Wahlspruch der Griechen heißt: Freiheit oder Tod. Es gibt Brüsseler EU-Finanzfachleute, die sagen: "Ja, puh, okay, dann eben keine Freiheit." Dabei hat dieses stolze Seefahrervolk einst so viel erfunden: Olympia, Demokratie, Gyros, Delphinarien. Was bleibt? Ein Kater nach zu viel Ouzo und Mundgeruch nach dem unvermeidlichen Tsatsiki.

Griechenland könnte bald das gleiche Schicksal drohen wie Karstadt, Märklin oder Tiger Woods: eine mehr oder weniger geordnete . Das wäre nicht weiter schlimm, weil in diesen Fällen ja zunächst alles weitergeht wie davor. Im Fall Griechenland hieße das: , Schattenwirtschaft, Buschbrände und kreative Buchführung.

Lizenzgebühren für Vicky Leandros und Philosophie

Anschließend könnte man damit anfangen, das Land zu zerschlagen, was nicht weiter schwer ist, weil Griechenland bereits jetzt aus 3054 Inseln besteht. Der gesamte Strand wird dann an amerikanische Kreuzfahrtkonzerne verkauft, das Landesinnere endlich aufgeräumt (siehe oben). Der riesige Schuldenberg könnte für den Tourismus erschlossen werden. Für original griechische Produkte wie Feta, Vicky Leandros und Philosophie werden fortan hohe Lizenzgebühren fällig. Auch Firmen wie Nike oder Olympus müssen zahlen. Außerdem könnte die Regierung ganz viel Geld drucken und 2011 behaupten, dass das Defizit schon auf sieben Prozent gesunken ist.

Bundesbank-Präsident hat erklärt, das Land müsse seine Probleme selbst lösen: "Der Ball liegt jetzt im Feld der griechischen Regierung." (Spitzname: Rehakles), Trainer der griechischen Fußball-Nationalmannschaft, will sich aber bislang auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft konzentrieren.

insgesamt 20 Beiträge
theorie 17.12.2009
1. Quo vadis Europa?
oder wie sagt der Lateiner? Ist dies schon der Anfang vom Ende des Ungebilde namens EU? Wie soll es weitergehen wenn erstmal Italien, Rumänien, Bulgarien, die baltischen Staaten, Polen und schließlich Deutschland erklären sie [...]
oder wie sagt der Lateiner? Ist dies schon der Anfang vom Ende des Ungebilde namens EU? Wie soll es weitergehen wenn erstmal Italien, Rumänien, Bulgarien, die baltischen Staaten, Polen und schließlich Deutschland erklären sie seien Pleite? Vermutlich droht dann erst mal der Verfall des Euro, dadurch dann eine Inflation einhergehend mit einer Teurungsrate von 20% p.a.! Der Letzte macht das Licht aus... (wenn es nicht vorher wegen Schulden beim Energieversorger abgedreht wurde). schwarzsehend Theo
wekrue 17.12.2009
2. Staatspleiten Megatrend für 2010
Dieser kleine Zwischenruf im Artikel trifft den Nagel über den sicher kommenden Bankrott Griechenlands hinaus auf den Kopf! Üverall auf der Welt, außer in den prosperierenden Billiglohnschwellenländern, fahren die [...]
Dieser kleine Zwischenruf im Artikel trifft den Nagel über den sicher kommenden Bankrott Griechenlands hinaus auf den Kopf! Üverall auf der Welt, außer in den prosperierenden Billiglohnschwellenländern, fahren die Volkswirtschaften vor die Wand. Es ist das Ergebnis der Rettung der Banken und Industrien mit durch keinerlei Sicherheiten hinterlegte Geldschwemmen. Eine Verlagerung der Apokalypse von der Privatwirtschaft auf die Staatswirtschaft. Sicherlich kommen in Griechenland, Italien und bald auch Spanien, von den osteuropäischen und euroanglikanischen Volkswirtschaften ganz zu schweigen, noch quasi "traditionelle Mißwirtschaften", wie Korruption, Steuerhinterziehung und Vetternwirtschaft hinzu, aber die Weltwirtschaftskrise gibt dem ganzen Treiben den Fangschuss. Bei dem Szenario, welchem wir in den nächsten Jahren beiwohnen dürfen, ist der neue Emmerich Katasrtophenfilm ab 12 Jahren freizugeben. Das Problem ist nur, man kommt aus diesem Kino nicht mehr raus!
Volker Gretz 17.12.2009
3. Pleiten, Prognosen, Trends
"Sttaatspleiten seien als Megatrend 2010 prognostiziert" :-) Genial! Da ist alles drin, was die Wirtschaft des dritten Jahrtausends ausmacht: Pleiten, Prognosen, Trends.
Zitat von sysopDie Hellenen sind ein sympathisches Volk: sonnig, kreativ und total überschuldet. Der nun nahende Staatsbankrott war allerdings lange abzusehen - denn die Buchführung ist genauso unübersichtlich wie Altgriechisch und die 3054 Inseln des Landes. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,667466,00.html
"Sttaatspleiten seien als Megatrend 2010 prognostiziert" :-) Genial! Da ist alles drin, was die Wirtschaft des dritten Jahrtausends ausmacht: Pleiten, Prognosen, Trends.
tjacob 17.12.2009
4. Griechenland ist kein Opfer dieser Krise...
... diese Krise hat nur das Fass endgültig zum überlaufen gebracht. Griechenland ist ein Opfer seiner eigenen Schuldenpolitik, die es nur durch den Eurobeitritt überhaupt so lange aufrecht erhalten konnte. Auch in guten [...]
... diese Krise hat nur das Fass endgültig zum überlaufen gebracht. Griechenland ist ein Opfer seiner eigenen Schuldenpolitik, die es nur durch den Eurobeitritt überhaupt so lange aufrecht erhalten konnte. Auch in guten Zeiten haben die Griechen weit mehr Schulden pro Jahr aufgenommen, als das Wirtschaftswachstum her gab. Das musste in einer derartigen Situation enden, früher oder später. Man kann auf Dauer eben nicht Wohlstand verbreiten, der nur auf dem Papier existiert.
Chirac 17.12.2009
5. Total überschuldet?
Wann ist denn ein Staat überschuldet? Griechenland hat ja von den Agenturen noch BBB+ erhalten, das ist immerhin oberer "Investment Grade", besser als Daimler und die Telekom und eine Pleite ist noch weit weg. Aber [...]
Zitat von sysopDie Hellenen sind ein sympathisches Volk: sonnig, kreativ und total überschuldet. Der nun nahende Staatsbankrott war allerdings lange abzusehen - denn die Buchführung ist genauso unübersichtlich wie Altgriechisch und die 3054 Inseln des Landes. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,667466,00.html
Wann ist denn ein Staat überschuldet? Griechenland hat ja von den Agenturen noch BBB+ erhalten, das ist immerhin oberer "Investment Grade", besser als Daimler und die Telekom und eine Pleite ist noch weit weg. Aber immerhin: Erst mogeln sich die Griechen mit falschen Zahlen in die Eurozone 'rein, dann machen Sie mit falschen Zahlen ihr Defizit kleiner und Sanktionen gab es keine. Vielleicht sollte die EU das zunächst mal ändern.
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