Wirtschaft

Weltkrise privat

Die Vereinten Nationen würden eventuell ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass ...

Erschütternderweise ist die Welttemperatur seit zehn Jahren konstant geblieben. Gibt es überhaupt ein Klima? Wird der Kopenhagen-Gipfel gar missbraucht - zum Weihnachts-Shopping für Präsidentengattinnen? Einer muss die Sache jetzt in die Hand nehmen: Vollblut-Ökologe Norbert Röttgen!

dpa

Kohlekraftwerk: "Wir sind uns einig, dass es ein Klima gibt"

Von SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist
Dienstag, 01.12.2009   11:17 Uhr

Kurz vor Beginn des mit keinerlei Spannung erwarteten am 7. Dezember in Kopenhagen wird derzeit um einen Minimalkonsens gerungen. Als Vorschlag steht im Raum: Wir sind uns einig, dass es ein Klima gibt. Im Rahmen erster Konsultationen multilateraler Verhandlungsgruppen wurde zügig widersprochen. Daraufhin erörterte man als Alternative: Die Staatengemeinschaft ist sich weitgehend sicher, dass es ein Klima geben könnte.

Auch das ist allerdings nicht durchsetzbar, so dass fürs Abschluss-Communiqué nun die Formulierung erwogen wird: Die Vereinten Nationen würden eventuell ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass es unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist zu glauben, die Existenz eines Klimas gemäß des Kyoto-Protokolls könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Das wäre ein toller Erfolg, nachdem China und die USA im Vorfeld nicht bereit waren, die eigene Existenz zu bestätigen, aber auch nicht das Gegenteil behaupten wollten.

Immerhin: US-Präsident Barack Obama kommt nun doch persönlich nach Kopenhagen. Er wird etliche Teleprompter mitbringen sowie konkrete Klima-Ziele: Amerika möchte den CO2-Ausstoß bis zu den Sommermonaten des Jahres 2080 um mindestens 19,1 Prozent verringern, gemessen an den Mittelwerten der Wintersaison 1983 pro Kopf in überwiegend ölbeheizten Vorstadt-Haushalten im Südwesten der Vereinigten Staaten und zwar nachts.

Politisch wäre dieser Vorstoß eine Sensation, auch wenn die rechnerischen Details des Emissionsgeschäfts für den Laien nicht immer leicht zu verstehen sind. Seit zehn Jahren ist die Welttemperatur erschütternderweise konstant geblieben. Das anvisierte Plus von zwei Grad wird kaum pünktlich zu erreichen sein. Jetzt ist die gesamte Treibhausgasbranche gefordert.

Die Präsidentengattinnen suchen noch Weihnachtsgeschenke

Noch sind etliche Fragen offen, zum Beispiel: Wie viele Tonnen muss jeder Bundesbürger im eigenen Keller lagern? Und was bedeutet Kopenhagen nun wirklich? Die Antwort: Kaufmannshafen, das ist die wörtliche Übersetzung des dänischen København. Die Metropole fühlt sich für den Ansturm Dutzender Präsidentengattinnen gewappnet, die im Rahmen der Konferenz noch Weihnachtsgeschenke suchen. Für ein adäquates Gipfel-Merchandising ist gesorgt.

Damit in Kopenhagen alle genügend Zeit zum Shoppen haben, ist die Konferenz auf fast zwei Wochen gestreckt worden. Das Programm ist entsprechend umfangreich und reicht bis zu weltweiten Solidaritätsaktionen, etwa spontanem Protestschmelzen ausgesuchter Hochgebirgsgletscher. Das endgültige Scheitern des Gipfels war ursprünglich für ein "Global Warming Coffee Break" am 17. Dezember geplant.

Nun soll es doch vorgezogen werden, zumal Obama so spät nicht kann. Angela Merkel wird dagegen in der Schlussphase erwartet. Ihr Regierungssprecher erklärte, man dürfe "die Messlatte nicht zu niedrig hängen". Das Kanzleramt plant nun in der Nähe von Kopenhagens Wahrzeichen, der kleinen Meerjungfrau, eine besonders hohe Messlatten-Hängung in Eigenregie. Mit dabei: Merkels neuer Umweltminister, der charismatische Vollblut-Ökologe Norbert Röttgen. Auf den ersten Blick gilt er manchen Beobachtern als ziemliche Fehlbesetzung, auf den zweiten auch.

Dabei geht Röttgen mit gutem Beispiel voran: Er ist schadstoffarm, lässt sich nur schwer erhitzen und scheint ausschließlich FCKW-freien Waschbeton als Haarspray zu verwenden. Ab 2011 soll Röttgen auch als Hybridvariante angeboten werden.

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