Wirtschaft

Weltwirtschaft

"Die nächste Krise könnte schlimmer werden als 2008"

Die Welt trudelt in den Abschwung - seit Monaten gibt es diese Sorgen, jetzt stützt sie der Internationale Währungsfonds mit konkreten Zahlen. Schuld daran soll auch US-Präsident Trump sein.

Qilai Shen / Bloomberg via Getty Images

Hafen von Shanghai: "In drei Jahren könnte die globale Wachstumsrate negativ sein"

Von , New York
Donnerstag, 11.04.2019   15:37 Uhr

Donald Trump sprach unaufgefordert. "Der Wirtschaft geht es sehr, sehr gut", proklamierte er, noch bevor ihm die Reporter vor dem Weißen Haus eine Frage gestellt hatten. "Wir sehen Zahlen von Konzernen, die alle Erwartungen übertreffen. Die Steuersenkungen klappen sehr, sehr gut. Wir sind sehr stolz auf die Wirtschaft."

Doch natürlich ist es, wie so oft, viel komplizierter. Das zeigte sich zur selben Stunde zwei Straßen weiter, im flaggengeschmückten Glaspalast des Internationalen Währungsfonds (IWF), der sich dort zu seinem Frühjahrstreffen versammelt hat.

"In drei Jahren könnte die globale Wachstumsrate negativ sein", warnte IWF-Manager Tobias Adrian, als er den globalen Finanzstabilitätsbericht vorlegte, einen durchwachsenen Ausblick auf die Weltwirtschaft mit kaum verklausulierten Seitenhieben auf Trumps Politik. "Es gibt keinen Spielraum für Selbstzufriedenheit."

Rosige Rhetorik und raue Realität klaffen oft auseinander, doch selten so wie dieser Tage. Je länger die Boom-Zeiten währen, desto akuter scheint die Angst vor dem nächsten Abschwung, der nächsten Krise, die man bloß nicht übersehen will wie damals, beim letzten Mal.

Und desto greller werden die Schönfärbereien derer, die von der Illusion eines ewigen Aufschwungs politisch profitieren. Zum Beispiel eben Trump, dessen Wiederwahl an der US-Konjunktur hängt. "Uns geht es wirklich gut", versicherte er.

"Eine kompetente Antwort auf einen Crash ist alles andere als sicher"

Aber nicht nur in den USA mehren sich die Warnsignale. Weltweit wachsen die Sorgen bereits seit dem vergangenen Herbst, und beherrschen inzwischen große Teile der Finanzwelt.

Spätestens seit dieser Woche lassen sie sich nun mit konkreten Zahlen stützen:

"Die Weltwirtschaft befindet sich in einem heiklen Moment", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde in ihrer Auftaktrede zur Frühjahrstagung. Dazu bemühte sie auch den Wetterbericht: Letztes Jahr habe die Sonne geschienen, dann seien "Wolken am Horizont" aufgezogen, und heute sei die Lage "zusehends unbeständig".

Evan Vucci / AP

IWF-Chefin Lagarde (l.) mit US-Präsident Donald Trump: "Politische Fehltritte vermeiden"

Kein Problem sei dabei so ausschlaggebend wie der Handel, sagte Lagarde. Wenn alle Zölle zwischen den USA und China um 25 Prozentpunkte angehoben würden, würde dies das jährliche Bruttoinlandsprodukt in beiden Ländern stark senken - in den USA um 0,6 Prozentpunkte, in China sogar um 1,5 Prozentpunkte. Das seien "potenziell selbstverschuldete Wunden" und "politische Fehltritte", die man vermeiden müsse.

"Es ist sehr wichtig, dass die politischen Entscheidungsträger es diesmal richtig hinkriegen", warnte auch IWF-Chefökonomin Gita Gopinath. Sie verwies ebenfalls auf Trumps Handelskrieg - namentlich die von ihm weiter angedrohten Autozölle, die zu "enormen Störungen der globalen Lieferketten" führen würden.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Risikofaktoren:

Powell ist freilich der Letzte, auf den Trump im Moment hört. Aber das ist eine andere Geschichte.

insgesamt 93 Beiträge
spon-facebook-10000523851 11.04.2019
1. Wie schoen,
wir haben wieder einen Schuldigen gefunden. Schuldig sind nur die, die das gegenwaertige Wirtschafts- und Finanzunwesen erfunden haben. Dass der ganze Unsinn irgendwann voll in die Hose gehen muss bedarf eigentlich keiner [...]
wir haben wieder einen Schuldigen gefunden. Schuldig sind nur die, die das gegenwaertige Wirtschafts- und Finanzunwesen erfunden haben. Dass der ganze Unsinn irgendwann voll in die Hose gehen muss bedarf eigentlich keiner hoeheren Bildung.
GP1 11.04.2019
2. wir werden es schaffen
die Krise herbeizuschreiben.Das schaffen wir!
die Krise herbeizuschreiben.Das schaffen wir!
mariepirol 11.04.2019
3. las das gerade und denke Wirtschaft ist auch viel Psychologie,
wenn auf allen Kanälen diese runter geschrieben wird, geht sie insofern weiter runter, da alle vorsichtiger agieren, dies zum einen. Zum anderen war immer klar, dass mit Trump ein Idiot sein eigenes Geschäft verrichten wird, es [...]
wenn auf allen Kanälen diese runter geschrieben wird, geht sie insofern weiter runter, da alle vorsichtiger agieren, dies zum einen. Zum anderen war immer klar, dass mit Trump ein Idiot sein eigenes Geschäft verrichten wird, es geht ihm nur um sein eigenes Image, Imperium und eben "america first". Trump und Konsorten sind eine "neue" Mafia, man muss dazu nur vom Nobelpreisträger Krugman Statements lesen in der New York Times. Über kurz oder lang muss also vom Rest der Welt ( der ja gott sei dank grösser ist als die USA), eine Strategie entwickelt werden, die diesem Treiben Einhalt gebietet. Schlimm, dass er nun auch noch an die FED seine schmutzigen Finger gelegt hat, ob der Kongress dies durchgehen lässt, wird darüber entscheiden, ob sich der Rest der Welt vom Dollar als Leitwährung abwenden kann oder vielleicht dringend muss. Mit Trump wird zu sanft umgegangen, denn er ist wirklich gefährlich- vor allem, da er krank ist und nicht richtig tickt. D.H. im Hintergrund arbeiten Leute, auf die er hört, richtige Strippenzieher und denen ist der Rest der Welt absolut egal. Lustig wird das für uns alle keinesfalls.
chris_wan 11.04.2019
4. Warum soll immer Trump schuld sein?
Es welchem Grund kritisiert der Spiegel permanent Donald Trump. Früher war ich begeisterter Spiegel - Leser, aber heute stößt mich die parteiische und nicht neutral Berichterstattung des Spiegel nur noch ab. Donald Trump hat [...]
Es welchem Grund kritisiert der Spiegel permanent Donald Trump. Früher war ich begeisterter Spiegel - Leser, aber heute stößt mich die parteiische und nicht neutral Berichterstattung des Spiegel nur noch ab. Donald Trump hat die Steuern gesenkt und durch seine Politik konnten die Zinsen in den USA erhöht werden. Hätten wir in der EU dieselben Zinssätze wie in den USA gäbe es morgen keinen Euro und keine EU mehr. Was hat Frau Merkel geleistet? Nie die Steuern gesenkt und den Euro auf ein windelweiches Niveau manövriert. Warum regt sich der Spiegel nicht darüber auf, dass die alte Oma in Deutschalnd wegen der EZB Politik seit 10 Jahren keine Zinsen auf ihr Erspartes bekommt? Der Spiegel ist Sprachrohr der Multikultrigesellschaft, der alle Mittel recht sind, anständige Politiker wie Donald Trump schlechtzureden. Gott sei Dank fällt auf euch keiner mehr rein
fhassler 11.04.2019
5. Abschwung?
Globaler Abschwung um -0,2%, dass ist natürlich echt heftig und wird die Märkte an den Rand des Ruins bringen.
Globaler Abschwung um -0,2%, dass ist natürlich echt heftig und wird die Märkte an den Rand des Ruins bringen.

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