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Vorsorge

Bakterien verraten Vorstufen von Darmkrebs

Darmkrebs kann tödlich enden, eine Darmspiegelung reduziert das Risiko. Doch viele Menschen scheuen die unangenehme Untersuchung. Forscher haben jetzt eine mögliche Alternative gefunden: Bakterien im Stuhl verraten Vorstufen der bösartigen Tumoren.

AP

Computeraufnahme einer Darmspiegelung: Für viele eine unangenehme Untersuchung

Mittwoch, 26.05.2010   13:19 Uhr

In Stuhlproben lassen sich Hinweise auf drohenden Darmkrebs nachweisen. Finden sich im Darmktrakt des Menschen überdurchschnittlich viele Bakterien der Art Eubacterium rumulus, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Vorstufen von Darmkrebs, sogenannte Polypen, vorhanden. Dieses Ergebnis, das Wissenschaftler um Tyler Culpepper von der University of Florida auf der 110. Fachtagung der American Society for Microbiologyvorgestellt haben, könnte das Thema Darmspiegelung zur Früherkennung von Krebs in eine neue Richtung treiben.

Eubacterium rumulus ist ein nützliches Bakterium: Im Darm des Menschen wandelt es die sogenannten Flavonoide um. Das sind wasserlösliche Farbstoffe, die vor allem in Pflanzen vorkommen und als gesundheitsfördernd gelten. Millionen dieser Mikroben leben im menschlichen Darm und fallen an und für sich gar nicht weiter auf. Jetzt aber haben Forscher entdeckt, dass man besser nicht zu viele dieser Bakterien in sich tragen sollte - sie kommen oft zusammen mit Polypen vor, den Vorstufen von Darmkrebs.

Den Forschern zufolge sei die genaue Bestimmung der Zusammensetzung der individuellen Darmflora möglicherweise eine Alternative zur unangenehmen Darmspiegelung. Diese lässt sich im Vergleich relativ einfach durchführen - durch die Analyse von Stuhlproben auf die Konzentration von Bakterien.

Verräterische Bakterien im Stuhl

Culpepper und sein Team hatten die Zusammenhänge zwischen Darmkrebs und der Darmflora untersucht. Dabei kamen sie dem verräterischen Eubacterium rumulus auf die Spur. Insgesamt 91 Probanden nahmen an der Untersuchung teil. Die Forscher erhoben Daten über deren Ernährungsgewohnheiten und Krankheitsgeschichte. Zudem nahmen die Wissenschaftler Stuhlproben und Gewebeproben aus dem Darm. Für die Analyse der mikrobiologischen Zusammensetzung der Darmflora bildeten sie drei gleich große Probandengruppen: Eine mit mindestens einer gutartigen Wucherung, einem sogenanntem Polypen, sowie eine alters- und eine geschlechtsspezifisch zusammengesetzte Kontrollgruppe.

"Einige Bakterien treten deutlich häufiger bei Menschen mit Polypen auf, während bei ihnen andere Bakterien signifikant weniger nachweisbar sind", berichtet Culpepper. Drei der winzigen Organismen haben sich als verlässliche Sensoren für die Früherkennung erwiesen: Sind Krebsvorstufen vorhanden, so ist auch die Konzentration des Bakteriums Eubacterium rumulus im Stuhl im Vergleich zum Durchschnitt sehr hoch. Ebenso deutet eine hohe Anzahl des Acidovorax auf Polypen hin. Findet man in Gewebeproben dagegen keine Anzeichen für Darmkrebs, gedeiht das Bakterium Ruminococcus besser.

Darmflora als Maßstab

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sich ein nichtinvasiver Test für das Vorhandensein von Polypen entwickeln lässt, der Abweichungen in der mikrobiologischen Zusammensetzung der Darmflora zum Maßstab nimmt", sagt Culpepper.

In Deutschland erkranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft jedes Jahr 69.000 Menschen an Darmkrebs, 27.000 sterben daran. Grund für die hohe Todesrate ist das langsame und unauffällige Wachstum der Tumoren. Häufig wird Darmkrebs erst in fortgeschrittenem Stadium erkannt. Um die Krankheit zu diagnostizieren, untersuchen Mediziner den Stuhl auf Blut hin oder führen eine Darmspiegelung durch, um Polypen, die Vorstufen von bösartigen Tumoren, ausfindig zu machen.

Culpepper zufolge könnte man auch mit Hilfe einer speziellen Diät möglicherweise die Zusammensetzung der Darmflora gezielt steuern. Anerkannte Risikofaktoren für Darmkrebs sind Übergewicht und schlechte Ernährungsgewohnheiten wie zu viel tierische Produkte und Alkohol. Etwas müssen Culpepper und sein Team aber noch erforschen: Warum es zu den Konzentrationsschwankungen von Bakterien im Zusammenhang mit den Polypen kommt, wissen sie bisher nicht.

cib/ddp

insgesamt 14 Beiträge
pulegon 26.05.2010
1. Schejn
Das fänd ich persönlich am interessantesten. Was natürlich nicht heißt, das das nicht eine gute Nachricht für die Darmkrebsvorsorge ist(sofern man die Bakterien auch gut nachweisen kann).
Zitat von sysopDarmkrebs kann tödlich enden, eine Darmspiegelung reduziert das Risiko. Doch viele Menschen scheuen die unangenehme Untersuchung. Forscher haben jetzt eine mögliche Alternative gefunden: Bakterien, die man im Stuhl nachweisen kann, verraten Vorstufen der bösartigen Tumoren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,696805,00.html
Das fänd ich persönlich am interessantesten. Was natürlich nicht heißt, das das nicht eine gute Nachricht für die Darmkrebsvorsorge ist(sofern man die Bakterien auch gut nachweisen kann).
ReneMeinhardt 26.05.2010
2. Schon wieder alt hergebrachtes Wissen
Manchmal wäre es gut, über den Tellerrand zu schauen, damit man Forschungen nicht doppelt macht, zum Wohle der Patienten natürlich. Die NM weiß das schon seit über 20 Jahren. Mannomann!!
Manchmal wäre es gut, über den Tellerrand zu schauen, damit man Forschungen nicht doppelt macht, zum Wohle der Patienten natürlich. Die NM weiß das schon seit über 20 Jahren. Mannomann!!
pulegon 26.05.2010
3. Immer wenn das Wort Krebs auftaucht...
... dann sind die Geier da um die Verzweifelten auszunutzen. Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Neue_Medizin#Beurteilungen) tote Kinder [...]
Zitat von ReneMeinhardtManchmal wäre es gut, über den Tellerrand zu schauen, damit man Forschungen nicht doppelt macht, zum Wohle der Patienten natürlich. Die NM weiß das schon seit über 20 Jahren. Mannomann!!
... dann sind die Geier da um die Verzweifelten auszunutzen. Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Neue_Medizin#Beurteilungen) tote Kinder (http://www.br-online.de/das-erste/report-muenchen/report-germanische-medizin-ID1263811034754.xml) Rechter Mist (http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/kontrovers/kontrovers-topthema-neue-germanische-medizin-ID1274776308158.xml)
hajoschneider 26.05.2010
4. ?
??? Erklären Sie mir bitte den Zusammenhang?
Zitat von pulegon... dann sind die Geier da um die Verzweifelten auszunutzen. Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Neue_Medizin#Beurteilungen) tote Kinder (http://www.br-online.de/das-erste/report-muenchen/report-germanische-medizin-ID1263811034754.xml) Rechter Mist (http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/kontrovers/kontrovers-topthema-neue-germanische-medizin-ID1274776308158.xml)
??? Erklären Sie mir bitte den Zusammenhang?
testthewest 26.05.2010
5.
Na, mich würde wundern, wenn überhaupt ein NM jemals die Namen dieser Bakterien gehört hat. Die allgemeine Empfehlung: Nicht zuviel Fett essen usw. ist nicht die wissenschaftliche Leistung der Autoren. Die hat der [...]
Zitat von ReneMeinhardtManchmal wäre es gut, über den Tellerrand zu schauen, damit man Forschungen nicht doppelt macht, zum Wohle der Patienten natürlich. Die NM weiß das schon seit über 20 Jahren. Mannomann!!
Na, mich würde wundern, wenn überhaupt ein NM jemals die Namen dieser Bakterien gehört hat. Die allgemeine Empfehlung: Nicht zuviel Fett essen usw. ist nicht die wissenschaftliche Leistung der Autoren. Die hat der Spiegelautor noch dazugeschrieben, damit Leute wie sie mal was verstehen.
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